Tangermünde l Der deutsche Wortschatz ist sehr umfangreich. Allerdings fehlen so manches Mal die passenden Worte, wenn es darum geht, seine Freude zum Ausdruck zu bringen. Franziska Weise aus Tangermünde kennt seit Sommer dieses Jahres dieses Phänomen. Weshalb? Ihr und ihrer Familie ist seitdem so viel Gutes widerfahren, dass sie kaum noch Worte der Dankbarkeit dafür findet. „Danke“ allein tut es nicht.

Ein kurzer Rückblick: Im Juli hatten Sascha Schmidt und Franziska Weise sich nicht unbedingt leichten Herzens dazu entschlossen, die Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten. Die beiden haben zwei Kinder – Elsa (5) und Leopold (7) –, die auf Rundumbetreuung und Rollstühle angewiesen sind. Beide leiden an Muskelschwäche, haben etliche Defizite. Vermutet wird ein Gen-Defekt. Doch die Diagnose ist noch immer nicht abgeschlossen.

Arbeiten, ohne eine Chance, sparen zu können

„Wir stellen uns täglich neuen Herausforderungen“, sagt Sascha Schmidt, der seine Kinder über alles liebt. Während er in Schichten in Tangermünde arbeitet, bleiben Franziska Schmidt täglich vier Stunden, um sich um alltägliche Dinge zu kümmern. Und dabei stieß sie in diesem Jahr an ihre Grenzen. Da die Kinder wachsen, wird das Auto zu klein. Elsa wird demnächst einen größeren Rollstuhl bekommen, so dass spätestens dann kein Ausflug mehr mit beiden möglich sein wird.

Bilder

Da das Paar keine staatliche Unterstützung für eine solche Anschaffung bekommt, Geld durch mehr Überstunden wieder von der staatlichen Hilfe zum Lebensunterhalt abgezogen und damit die Chance auf Sparen unmöglich wird, berichteten sie von ihrer Sorge.

Die Resonanz auf diesen Hilferuf kann das Paar bis heute kaum fassen. Mittlerweile sind 39 000 Euro zusammengekommen. „Wir können uns ein neues Auto kaufen“, freut sich die zweifache Mutter. Zunächst hatten sie gehofft, Geld für ein Gebrauchtes zu erhalten. Doch ein neues macht den Umbau für die beiden Rollstühle noch einmal mehr nachhaltiger. Außerdem gab es viele Tipps, wo die Familie ärztliche oder therapeutische Hilfe bekommen könnte.

In den vergangenen drei Monaten hat das Paar, Mitglied in der katholischen Kirchengemeinde, nicht nur über die Gemeinde Unterstützung erfahren. Das Spendenkonto, das Pfarrer Michael Gambke für sie eingerichtet hatte, füllte sich nach und nach. „Viele Private haben gespendet, Kollegen von Sascha, sein Betrieb selbst, auch Firmen aus der Region“, zählt Franziska Weise auf. „Wir sind manchmal regelrecht erschlagen von all dem, was auf uns einströmt“, sagt sie. „Das bewegt und berührt uns, ist sehr schön, aber emotional auch sehr anstrengend.“ Gerechnet hatten sie nicht mit einer so großen Hilfsbereitschaft. „Wir dachten, ein kleiner finanzieller Anschubser für das Auto wäre schön“, erinnert sie sich an die ersten Gedanken, als es darum ging, die Sorge öffentlich zu machen.

Benefizfußballspiel organisiert

Der Tangermünder Fußballverein Saxonia hatte beispielsweise ein Benefizfußballspiel für „Poldi und Elsa“ organisiert. Eik Podubrin hielt hier die Fäden in seinen Händen, lud die Familie ins Stadion ein. „Wir waren das erste Mal mit den Kindern dort. Leopold durfte den Ball halten. Am Anfang waren die Kinder etwas irritiert wegen der lauten Ansagen“, erinnert sich die Tangermünderin an den Stadionbesuch. Doch letztendlich hätten sie das Erlebnis und die Kinder den Umgang mit anderen genossen.

Wenige Tage später ging es für die vier nach Stendal in den „Schwarzen Adler“. Oliver Beck, Organisator von „Stark fürs Leben“, hatte der Familie mit als einer der Ersten seine Hilfe zugesichert. Inmitten der Kraftsportler-Aktion in Stendal erhielten die Tangermünder eine weitere finanzielle Unterstützung – 500 Euro von Ingo Kewitsch, einem Sportler aus Mecklenburg Vorpommern, der in diesem Jahr nicht an „Stark fürs Leben“ teilnehmen konnte. „Auch dort waren alle super freundlich. Es war eine tolle Atmosphäre. Die Kinder haben eine Urkunde und Medaille bekommen“, erzählt Franziska Weise.

Inzwischen ist sicher: Zum Ende des Jahres werden die vier ihr eigenes, für die Rollstühle umgebautes Auto haben. „Das ist schon krass“, findet die 34-Jährige. „Am liebsten würde ich alle drücken und umarmen, mich bei jedem persönlich bedanken. Dass ich das nicht tun kann, liegt mir schon ein bisschen quer.“