Stendal l Wenngleich Kirche und Staat hierzulande getrennt sind, gibt es dennoch einiges Verbindendes. Diesen Blickwinkel jedenfalls nahm Stendals Vize-Oberbürgermeister Axel Kleefeldt ein, als er am Sonnabend vor der Synode des Kirchenkreises Stendal ein Grußwort sprach. „Sie haben so wie die Stadt Stendal auch Räte, haben einen Haushalt zu beschließen, betreiben Kindergärten, brauchen eine Verwaltung und müssen Gebäude unterhalten, die Sie aber auch mit Leben füllen.“

Neben solcherlei profanen Parallelen verwies Kleefeldt aber vielmehr auf verbindende gemeinsame Probleme, die mit dem Bevölkerungsrückgang, mit Strukturreformen, aber auch dem zunehmenden Desinteresse an gemeinschaftlichem Engagement zusammenhingen. „Während die Politik von den Bürgern nicht mehr verstanden wird und die Autorität der Institutionen nicht mehr geachtet wird, ist es vielleicht auch so, dass die Bürger den Sinn von Kirche nicht mehr begreifen, zum Beispiel den Schutz von Feiertagen nicht mehr wichtig finden.“ Doch es sei wichtig, sich zu erinnern, dass die Kirche „die älteste Sozialinstitution ist, die wir haben. Und es ist wichtig, dass wir überall Menschen haben, die sich ehrenamtlich engagieren, wie Sie.“

Keine Bewerbungen für Jugendpfarrer

Doch nicht nur vom Ehrenamt wird der Kirchenkreis am Leben gehalten, sondern insbesondere natürlich auch durch seine ureigensten Kräfte – die Pfarrer. Und da befinde sich der Kirchenkreis Stendal nach wie vor in einem nicht ganz einfachen Umbauprozess, der mit schmerzhaften Einschnitten verbunden sei, wie Superintendent Michael Kleemann verdeutlichte und gleichwohl an das 2018 beschlossene „Stellenplanmoratorium“ erinnerte, mit dem man etwas Ruhe gewinnen wollte, um „unsere eigentliche Arbeit tun zu können“.

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Eigentlich sollte noch in diesem Jahr ein Stadtjugendpfarrer in Stendal seine Arbeit aufnehmen, verbunden mit Vertretungsdiensten im Kirchenkreis (beides zu je 50 Prozent). „Es gab allerdings keine einzige Bewerbung, trotz dreimaliger Ausschreibung, sogar EKD-weit.“ (EKD = Evangelische Kirche Deutschland). Womöglich schrecke diese Kombination potenzielle Interessenten ab, weshalb der Kreiskirchenrat vorschlägt: Aus Rücklagen finanziert, wird für zehn Jahre befristet eine 100-prozentige Gemeindepä­dagogenstelle für die Jugendarbeit in der Stadt Stendal und im Kirchenkreis geschaffen – außerhalb des Stellenplans.

Gleichzeitig soll unbefristet eine 100-prozentige Stelle innerhalb des Stellenplans geschaffen werden, die für Vertretungsaufgaben im Kirchenkreis vorgesehen ist. Dazu Michael Kleemann: „Die Chancen, diese Stelle zu besetzen, sind scheinbar nicht so schlecht, denn ein Drittel der Kirchenkreise der Landeskirche haben solche Stellen.“ Im Stendaler Kirchenkreis habe man sich bislang damit behelfen können, Ruheständler für Entlastungs- und Vertretungsdienste einzusetzen. „Doch die kommen auch an die Grenzen ihrer Kräfte“, betonte Kleemann. „Beide Stellen sollen unverzüglich ausgeschrieben werden“, heißt es im Beschluss, der von den Synodalen einstimmig angenommen wurde.

Ebenso einmütig wurde die befristete Verlängerung der Kreispfarrstelle für Religionsunterricht beschlossen, die Pfarrer Matthias Schröder innehat. „Da es bekanntermaßen bei Schröders berufliche Veränderungen gibt, soll die Stelle befristet bis 31. Juli 2022 verlängert werden“, erläuterte Kleemann.

Kreiskirchenrat wird im April neu gewählt

Für die Synodalen, von denen 40 anwesend waren und damit für Beschlussfähigkeit sorgten, war es die letzte Zusammenkunft ihrer sechsjährigen Amtsperiode, im Frühjahr wird der Kreiskirchenrat neu gewählt.

Eine Personalie bleibt davon jedoch unberührt: die des Superintendenten selbst. Michael Kleemann ging am 1. November 2018 in seine dritte Amtszeit, die wiederum acht Jahre dauert. Den nächsten gewählten Kreiskirchenrat wird er also auf alle Fälle durchgängig begleiten. Und er bekräftigt seine einmal im Volksstimme-Gespräch getätigte Aussage: „Die Gesellschaft braucht Kirche.“ Denn mit ihren vielen Aufgabenfeldern von der Pflege über die Kinder- und Jugendarbeit bis hin zu Bildungs- und Freizeitangeboten mit der Musik als wichtigem Element trage Kirche zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei. Und den brauche es heute mehr denn je.