Tangerhütte l Die Angst vor einem „westelbischen Fischbeck“, also der Überflutung der ganzen Region rund um Tangerhütte – war Antrieb für einige engagierte Stadtratsmitglieder, sich seit 2013 massiv für eine Sanierung des Treueldeiches bei Rogätz einzusetzen. 2013 stand das Elbehochwasser auch an diesem Deichabschnitt – südlich der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte - sprichwörtlich „Oberkante Unterlippe“.

Ab März 2021 soll es nun nach langem Hin und Her endlich mit dem Bau losgehen, wie der Vorsitzende des Deichausschusses in Tangerhütte, Wolfgang Kinszorra informiert. „Wir bleiben dran“, erklärt er auch stellvertretend für seine Mitstreiter.

Deich hat Mängel

Dass der Deich dort nicht DIN-gerecht ist, darauf hatten engagierte Tangerhütter wie Kinszorra, Thomas Kruse (damals noch Stadtratsmitglied) und Michael Nagler seit 2013 immer wieder hingewiesen und auf Untersuchungen bestanden. 2014 wurde der „zeitweilige Ausschuss für die DIN-gerechte Sanierung aller Hochwasserdeiche in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ ins Leben gerufen. Sechs Jahre später bangt man im Hochwasserfall noch immer um den Treuel.

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Bäume und Stubben im Deich, nicht DIN-gerechte Höhen und Breiten, fehlende Deichverteidigungswege und Qualmdeiche und mehr führten die Stadträte als bedenklich an. Schon vor Jahren wurden Standsicherheitsprüfungen gemacht und vor Ort vom Landwirtschaftsministerium von einer Sanierung aller Deiche im Land bis 2020 gesprochen.

Gefahr von Deichbrüchen

Auch die nahe gelegenen Kiesseen (Nord- und Südsee) und die Gefahr von Grundbrüchen, bei denen das hinterm Deich stehende Wasser unter diesem in die Seen dahinter durchdrücken könnte, waren immer wieder Thema. Seit sechs Jahren sind die Deich-Akteure aus Tangerhütte jetzt aktiv, haben Verantwortliche vor Ort auf die Problematik hingewiesen und immer wieder Antworten vom Land gefordert. Hieß es 2014 noch, drei Jahre später solle gebaut werden, so verschob sich das Projekt Treuelsanierung immer wieder nach hinten. Grund waren zuletzt auch Auseinandersetzungen mit Grundstückseigentümern, weil der Deich auf den vorderen 2,3 Kilometern zum Teil verlegt werden muss.

Am 1. März kommenden Jahres soll es nun – nach derzeitiger Planung des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) – losgehen mit dem Neubau. Bis April 2022 soll der neue Deichabschnitt fertig sein. Geplant ist in zwei Bauabschnitten zunächst den ersten Teil bis zum Deichkilometer 2,3 neu zu aufzubauen. Aber auch der sogenannte „Heldendeich“, der 2002 von der Bundeswehr in einer Nacht- und Nebel-Aktion aufgeschüttet worden war, soll überarbeitet werden.

Fehlende Deichverlängerung

Der Deichausschuss hat in der Region Tangerhütte aber auch noch einige andere Schwerpunkte im Blick – etwa eine fehlende Deichverlängerung in Bittkau oder den Bereich Bellingen, wo über eine Erhöhung des Tangerhütter Wegs eine Absicherung dahinter liegender Bereiche geschaffen werden soll.

Bei seinem letzten Besuch im Ausschuss im April dieses Jahres sprach der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft auch von möglichen Deicherhöhungen bei Demker und Elversdorf in Zusammenhang mit dem angedachten, aber noch nicht bestätigten Tangerpolder (ein Teil der Tangerniederung würde bei Extremhochwassern als Überlauffläche gezielt geflutet). Alle diese Dinge wird der Ausschuss auch in Zukunft im Auge behalten.