Ausstellung

Im Krieg zur Moderne gefunden

Die Liebe zur Modernen Kunst wurde beim gebürtigen Stendaler Werner Zöhl ausgerechnet in den Kriegsjahren 1942-44 geweckt.

Von Bernd-Volker Brahms 09.01.2017, 00:01

Stendal l Es ist deutsche Geschichte, die sich im Leben und Wirken des Malers Werner Zöhl (1926-2012) widerspiegelt. „Natürlich hätte mein Vater eine andere Kunst geschaffen, wenn er nach dem Krieg nach Stendal zurückgekommen wäre“, sagte Zöhls Tochter und Kunsthistorikerin Dr. Caroline Zöhl bei der Eröffnung der Ausstellung „Lebenswerke“, die noch bis Ende Februar im Altmärkischen Museum zu sehen ist. „Er hat einen ganz eigenen Stil entwickelt, der sich an den Wurzeln der modernen, zeitgenössischen Kunst orientiert“, sagte Zöhl in einem Vortrag im Forum Katharinenkirche. Dieser eigene Stil wäre in der DDR nicht möglich gewesen, vermutet sie.

Es sind vor allem Bilder aus der zentralen und der späten Phase ihres Vaters, die nun erstmals in Stendal gezeigt werden. 2016 war bereits in der Kirche in Beuster eine Ausstellung mit Werken des gebürtigen Stendalers zu sehen, vermittelt über Kontakte des ehemaligen Stendaler Oberbürgermeisters Volker Stephan.

Stephan betonte bei der Ausstellungseröffnung, wie wichtig für Zöhl der Kunstunterricht am Winckelmann-Gymnasium gewesen sein musste. In den Kriegsjahren 1942-44 unterrichtete dort Erwin Hahs (1887-1970), der zuvor Professor an der Hochschule für Kunst und Design Burg Griebichenstein in Halle war und von den Nationalsozialisten 1933 aus dem Dienst entfernt wurde. Seine Kunst galt ab 1934 als entartet. „Durch den Kunstlehrer hat mein Vater die Kunst der Moderne begierig aufgenommen, Hahs hat den Funken gelegt“, sagt Caroline Zöhl. Auch nach dem Krieg sei Erwin Hahs für ihren Vater die Verbindung nach Stendal gewesen. Hahs bekam im Übrigen 1946 vom Rat der Stadt Stendal die Winckelmann-Medaille. Durch die Zensur blieb die Weiterentwicklung der Klassischen Moderne des Erwin Hahs in der DDR aus.

Werner Zöhl dagegen kam 1948 aus der englischen Kriegsgefangenschaft und gelangte nach Bremen, wo er eine Maurer-Lehre machte. Schon in der Gefangenschaft hatte er sich intensiv der Kunst hingeben können. In den 1950er Jahren fand er seine Berufung und den Beruf in der Kunst. Er lebte im Künstlerdorf Fischerhude.

„Mein Vater hatte das Glück, dass er von seiner Kunst leben konnte“, sagte Caroline Zöhl, die in Begleitung ihrer Mutter Margarethe Zöhl nach Stendal gekommen war. Mehr als 8000 Werke hat Werner Zöhl geschaffen, rund die Hälfte konnte er verkaufen.

Sowohl Tochter als auch Witwe waren erstaunt, wie viele Bilder Museumsleiterin Gabriele Bark in die Sonderausstellung bekommen hat. Dutzende hängen in drei Räumen, sehr eng zusammengestellt und sind einerseits nach Schaffensperioden und andererseits nach Formaten gehängt. „Es ist ungewöhnlich, aber es funktioniert“, sagte die Witwe Margarthe Zöhl. Bark bedankte sich für das Vertrauen der Familie, ihr all die Bilder für die Ausstellung mitgegeben zu haben.

Tochter Caroline Zöhl berichtete, dass es seit Mitte 2016 in Fischerhude eine Werkschau Werner Zöhls im Museum KaFF „Kunst am Fluss“ gibt.