Die Vorgeschichte

Im April 2016 wurde ein Visionspapier für eine kinder- und familienfreundliche Zukunftsstadt Stendal beschlossen. In dem Jahr wurde auch ein Jugendforum gegründet.

Im Oktober 2017 gab es grünes Licht für das Projekt Kinderbeauftragter. Der Verein Kinderstärken ermittelte den Bedarf und erstellte ein Aufgabenprofil. 2018 wurde das Projekt verlängert.

Im Februar 2019 wurde mit dem Haushalt beschlossen, für vorerst zwei Jahre Geld für die Kinder- und Jugendinteressenvertretung bereitzustellen. Jährlich sind das 50 000 Euro.

Sechs Verbände und Vereine aus der Kinder- und Jugendarbeit wurden angeschrieben, nur der Verein Kinderstärken zeigte Bereitschaft – und bekam den Zuschlag. Anfang Mai ging es los. (dly)

Stendal l „Was willst DU denn.?!“ Während im Logo der neuen Stendaler Kinder- und Jugendinteressenvertretung in einer Sprechblase lediglich Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen zu sehen sind, gibt es auf Werbekarten und einem Rucksack auch diese vier Worte, die das Anliegen auf den Punkt bringen: Kinder und Jugendliche fragen, was sie sich wünschen, welche Probleme sie haben, wo sie ihre Kinderrechte beschnitten sehen. „Wir wünschen uns, dass Kinder und Jugendliche immer als Experten ihres Lebens gesehen werden“, sagt Janine Rösicke.

Die 28-Jährige ist seit Anfang Mai Ansprechpartnerin der Kinder- und Jugendinteressenvertretung. Die Stadt, in der sie arbeitet, kennt sie von Geburt an. „Ich bin nie aus Stendal herausgekommen“, sagt sie. Hier ist sie aufgewachsen, hat die Schule besucht, hat an der Hochschule Angewandte Kindheitswissenschaften studiert. Nach dem Studium arbeitete sie in der Kinder- und Jugendhilfe, erst im Kinderheim, später in der ambulanten Tagesgruppe.

Dreiköpfiges Team

Über ein Projekt von TV Popcorn hatte sie vor Jahren den Verein Kinderstärken kennen gelernt, wechselte Anfang 2018 beruflich dorthin – und begleitete von Anfang an das Vorhaben, in der Hansestadt Stendal eine Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche zu installieren.

Auch wenn sie der Kopf der Vertretung ist, steht dahinter ein Team im Verein Kinderstärken. Mit dabei sind Isabell Mittwoch – sie bringt unter anderem Erfahrungen aus dem Münchener Jugendforum mit – und Christian Nikolov, mit dem Janine Rösicke seit 2016 das Stendaler Jugendforum betreut.

Alltagsprobleme beheben

Das große Ziel der Interessenvertretung ist, Stendal noch kinderfreundlicher zu machen. Und das vor allem, indem auf die kleinen Alltagsprobleme Antworten gefunden werden. Dabei kann es darum gehen, dass immer wieder Scherben auf dem Spielplatz liegen, dass vor der Schule eine Ampel fehlt, dass eine Gruppe eine tolle Idee hat, aber in der Verwaltung nicht den richtigen Ansprechpartner kennt.

Darum versteht sich Janine Rösicke als Sprachrohr und Vermittlerin zwischen den Interessen der jungen Menschen und der Verwaltung, der Kommunalpolitik, den Eltern, den Fachkräften und anderen. Sie sieht ihre Aufgaben im Netzwerken, in der Lobbyarbeit und in der Anwaltschaft dafür, Kinder und Jugendliche zu beteiligen.

Rösicke sieht sich als Vermittlerin

Sie nimmt Beschwerden und Vorschläge entgegen, stellt Kontakte her, berät, organisiert Projekte, wird aktiv, wenn Kinderrechte verletzt werden, betreut die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderhilfswerk. Ein Beispiel: Beschlussvorlagen zu kommunalen Vorhaben, zum Beispiel der Grundschul-Neubau oder der Bau einer Kindertagesstätte, werden auch immer der Interessenvertretung vorgelegt.

Die Stadt werde sich die Wünsche und Anregungen anhören, versichert Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Es müsse aber auch vermittelt werden, „dass es in der Stadt nicht 500 Spielplätze geben kann und das ein Nein auch eine Antwort ist“. Er begrüßt, dass sich die Stadt mit dem Verein Kinderstärken einen „sach- und fachkundigen Dritten“ an Bord geholt hat. Schmotz: „Es ist gut, dass die Kinder- und Jugendvertretung aus dem eigentlichen Verwaltungsbetrieb ausgelagert ist.“

Soziale Netzwerke nutzen

Beim Rolandfest, beim Aktionstag für Menschenrechte und beim Sommerfest auf dem Campus hat sich die Interessenvertretung schon vorgestellt. Ende August, Anfang September soll mit Schuljahrsstart eine Runde für Vertreter aus Schulen und Jugendeinrichtungen folgen. Eine feste Sprechzeit möchte Janine Rösicke nicht anbieten, in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen setzt sie eher auf soziale Medien und Messengerdienste wie WhatsApp.

„Mitbestimmung der Kinder und Jugendlichen heißt nicht nur, ihnen zuzuhören, sondern sie ernst zu nehmen“, sagt die 28-Jährige. In einem nächsten Schritt soll eine Richtlinie oder Satzung für die Arbeit der Interessenvertretung erarbeitet werden, auf deren Grundlage dann Beteiligungsprojekte stattfinden können.

Kontakt: Janine Rösicke, Tel: 03931/21 87 38 47, Mobil: 0173/751 88 24 (auch über Messenger), E-Mail: janine.roesicke@kinderstaerken-ev.de. Büro: Breite Straße 63. Einen Erklärfilm finden Sie hier.