Stendal l Kiebitze flogen am Sonnabend über dem Flugplatz Borstel. Das war allerdings kein Ereignis für Vogelkundler, sondern für Flugzeugfans. Doppeldecker waren am Himmel über Borstel unterwegs. Nicht zweistöckige Busse, wie man sie aus Berlin oder London kennen mag, sondern Flieger, die in den 20er und 30er Jahren typisch waren. Allerdings wurde dieser Flugzeugtyp erst 1983 konstruiert. Konstrukteur Michael Platzer war am Sonnabend auch in Borstel, sieht in dem Besonderen des Flugzeugtyps den „goldenen Schnitt“, die Ästhetik seiner Form. Der Name sei nach langem Überlegen und vielen englischen Möglichkeiten auf den Kiebitz gefallen, weil der wie das Flugzeug „runde Flügel hat“.

100 Stundenkilometer schnell

Im Quartett kann man mit dem Typ keine Punkte machen. Weder ist er mit 100 bis 110 Stundenkilometern besonders schnell, noch kann er besonders hoch fliegen. 600 Meter beträgt die übliche „Crusing Altitude“, die Reiseflughöhe. „Aber das macht ja keinen Spaß, das Tieffliegen ist die Herausforderung“, sagte Hans Bertram, mit 84 Jahren der älteste Teilnehmer des Treffens. Die jährliche Tauglichkeitsuntersuchung besteht er ohne Probleme.

Seine Liebe zur Fliegerei begann schon, als er noch ein kleiner Junger in Ostingersleben war, der die Flieger auf ihrem Weg vom Ausbildungslager in Helmstedt-Mariental nach Magdeburg beobachtete. Von seinem Großvater wollte er damals wissen, was denn das für komische Vögel am Himmel seien. „Das sind Doppeldecker“, bekam er erklärt. Vor 45 Jahren stieg Bertram dann erstmals selbst als Pilot in die Luft, seit zehn Jahren fliegt er einen Kiebitz.

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3000 Arbeitsstunden fürs Zusammenbauen

Den kann man nicht irgendwo bestellen, es gibt nur Konstruktionspläne. Bertram ist kein Ingenieur, sondern Landwirt. Erdbeeren waren sein Geschäft, und deshalb ist die rote Frucht zusammen mit seinem Namenszug auch auf dem Flieger zu sehen. Zusammengebaut hat ihn Jens Bürger. Bertrams Maschine war bereits seine fünfte, deshalb brauchte er in einer ehemaligen Scheune auch nicht die üblichen 3000 Arbeitsstunden, sondern nur 2000. Er ist begeistert vom Kiebitz. „Das Bauen und das Fliegen damit ist wie eine Zeitreise“, schwärmte er.

Und Hans Bertram bekam auch seinen Tiefflug. Neben dem Treffen selbst gab es auch einen Abwurfwettbewerb von kleinen Kalkdüngerbeuteln. „Das Abwerfen und die Flughöhe von zehn Metern mussten wir uns genehmigen lassen“, erklärte Matthias Jahn, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft. Bertram gewann diesen Wettbewerb nicht, sondern Christian Stücke, der nur 5,60 Meter vom Zielpunkt entfernt war, vor Dietmar Steckel und Axel Bruse, die beide auf 6,10 Meter kamen. Kein Problem für die anderen Piloten, typisch für Kiebitz-Flieger. „Die sind ein besonderes Völkchen“, sagte der Vorsitzende des organisierenden Aero-Clubs, Sieghard Geyhler, „für die ist der Flug das Ziel.“