Klimapolitik

Klimaschutz in Stendal hat einen Manager

Der Landkreis Stendal hat seit wenigen Monaten einen Klimaschutzmanager. Die Volksstimme sprach mit ihm über seine Aufgaben und wie er die Bürger in den Klimaschutz miteinbeziehen möchte.

Von Leonie Dreier
Der Landkreis Stendal plant in seinem Klimaschutzkonzept, die Stromerzeugung aus regenerativen Energien zu höhen und dadurch den CO2-Ausstoß zu minimieren.
Der Landkreis Stendal plant in seinem Klimaschutzkonzept, die Stromerzeugung aus regenerativen Energien zu höhen und dadurch den CO2-Ausstoß zu minimieren. Foto: dpa

Stendal - Sommertage mit rund 40 Grad sind keine Seltenheit mehr. Jedes Jahr werden Temperaturrekorde gebrochen. Hinzu kommt, dass die Dürreperioden immer länger werden. Grund: Der Klimawandel schreitet voran. Um ihn und seine Folgen zu minimieren, muss jeder seinen Beitrag leisten. Dafür hat der Landkreis Stendal seit November 2020 den Klimamanager Fabian Fuchs. Zuvor arbeitete der 30-Jährige in der Kreisplanung im Bauordnungsamt des Landkreises.

„Klimaschutz ist kein Projekt, sondern ein Prozess, den wir voranbringen möchten“, erklärt Fabian Fuchs den Kerngedanken des Klimamanagements des Landkreises. „Klimaschutz ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, in der verschiedene Akteure und Bereiche miteinander verbunden werden müssen.“ So findet er aktuell heraus, wer in der Umgebung im Klimaschutz aktiv ist. Dann kann er die Aktivisten miteinander vernetzen. „Ich möchte mit den Akteuren ins Gespräch kommen“, sagt Fabian Fuchs.

Auf lange Sicht sollen bestehende Projekte unterstützt und neue Ideen umgesetzt werden. Damit dies erreicht wird, möchte Fuchs durch seine Arbeit die Öffentlichkeit für das Thema Klimaschutz sensibilisieren. „Ich sehe mich als zentrale Stelle und möchte als Ansprechpartner fungieren“, bekräftigt der Geografie-Absolvent.

Klimaschutz: Lenkungsgruppe überprüft Maßnahmen des Klimakonzepts des Landkreises Stendal

Damit der Prozess sich nachhaltig etabliert und umgesetzt wird, arbeitet Fuchs mit einer neugegründeten Lenkungsgruppe zusammen. Sie begleitet den Prozess und überprüft die Umsetzungen der Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts des Landkreises. Die Teilnehmer haben auch die Bundesebene im Blick und kontrollieren, ob sie eventuell im Konzept nachjustieren müssen, schildert der Klimamanager. Als weitere Aufgabe steht die Gruppe Akteuren beratend zur Seite. Zur Lenkungsgruppe gehören 15 Mitglieder, die beispielsweise die Einheits- und Verbandsgemeinden, die Landesenergieagentur, den Kreisbauernverband oder die regionale Wirtschaft vertreten. Leiter der Gruppe ist der Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Ziele der Gruppe sind dauerhaft im Landkreis den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die regenerative Energiemenge zu erhöhen.

Damit der Landkreis die Zielvorstellungen realisiert, sollen einerseits Arbeitsgruppen gebildet werden und andererseits die Bürger mit ins Boot geholt werden. Als Startschuss der Bürgerbeteiligung beschloss die Lenkungsgruppe bei ihrem ersten Treffen Ende März einen Aufruf zur Bürgerbeteiligung. Der Aufruf symbolisiert, dass wir jetzt loslegen, erklärt Fabian Fuchs.

Rund sechs Wochen, bis Mitte Mai, hatten die Bürger Gelegenheit, Fuchs zu kontaktieren, um ihm bereits umgesetzte Projekte, Planungen oder auch Ideen zum Klimaschutz vorzustellen. Der Aufruf soll Projekte und Ideen einerseits in der Öffentlichkeit sichtbar werden lassen und andererseits durch das Klimaschutzmanagement gefördert und vernetzt werden. Bis zum Einsendeschluss hat der 30-Jährige zehn Rückmeldungen erhalten.

Fabian Fuchs wird in der nächsten Zeit mit den Projektverantwortlichen und Ideengebern Kontakt aufnehmen und sich vor Ort mit den Akteuren austauschen. Nach und nach werden die zehn Vorschläge auf der Internet-Seite des Landkreises vorgestellt.

Im Gespräch greift der Klimaschutzmanager einige Projekte und Vorschläge exemplarisch heraus. Die Pestalozzi-Schule pflanzt Gemüse an und stellte ihr Projekt „Gemüseakademie“ vor. Mit ihm sollen die Kinder schon im jungen Alter für den Klimaschutz und den Wert der Natur sensibilisiert werden, fasst Fuchs den Kerngedanken des Projekts zusammen.

Klimaschutz: Schüler in Stendal sollen Energieverschwendung aufdecken

Außerdem erreichte ihn der Vorschlag, einige Schüler zu „Energie-Detektiven“ zu machen, die aufdecken, wo die Schule Energie sparen kann. Die Ersparnis fließt in die Klassenkassen. Schüler werden so auf mögliche Energieverschwendung aufmerksam und tragen ihr Wissen nach Hause, hofft der Naturwissenschaftler. Die Gemeinde Ballerstedt bei Osterburg plant, Baumlücken an Straßenrändern zu schließen. Dafür sollen Bäume gepflanzt werden, die dem Erhalt der Insekten dienen, zählt Fabian Fuchs weiter auf.

Er setzt, trotz des Einsendeschlusses, weiterhin auf Ideen aus der Bevölkerung. „Der Landkreis hat viel Potenzial.“ Fuchs als Klimamanager wünscht sich, dass er etwas für die Region bewirken kann.