"Angst(frei)"-Festival bietet Ausstellung in der ehemaligen JVA / Ehemaliger Gefangener unter den Besuchern

Kunst und Beklemmung vereint

Von Nora Knappe

28 Gefängniszellen werden für eine Woche zu Schauräumen. Das "Angst(frei)"-Festival lädt Besucher täglich ein, die fantasiereiche, nachdenklich stimmende und auch humorvolle Gestaltung anzusehen.

Stendal. Die Dunkel-Zelle im feuchten, finsteren Keller soll man nur zu zweit betreten. Man darf auch zu dritt, nur: Allein wäre es doch zu viel der Beklemmung. Wäre da nicht die Möglichkeit, eine Taschenlampe zu leihen, man hätte schlicht Angst. Wie mag es wohl den Gefangenen gegangen sein, die in dieses steinerne Verlies mussten! Ohne Orientierung, ohne Geräusche, ohne Ahnung. Schrecklich, diese Zelle.

Schrecklich war aber für Petro-Bert Lienert auch jene im Geschoss darüber. Eine der "ganz normalen" Zellen, mit ein wenig Tageslicht, weniger zwar als heute, aber doch Licht. Ein viertel Jahr saß Lienert, 52, Mitte der 70er als politischer Gefangener im Stendaler Knast. An diesem Sonnabend, da die JVA ein Kunstort ist, kehrt er zum ersten Mal zurück. "Ich wollte das alles nochmal sehen", sagt er, während er sich, zwischen Beklemmung und Wut schwankend, in der für Besucher zugänglichen Zelle umsieht. "Es sind starke Emotionen", sagt er, der Schweiß steht ihm auf der Stirn. Ich werde das alles mein Leben lang nicht vergessen."

Beklemmung mag auch der ein oder andere Besucher spüren. Ganz frei können die Stendaler durch die Gänge wandeln, und doch fällt es schwer, die Kunst unbeschwert auf sich wirken zu lassen. Schließlich geht es um Angst. Was macht uns Angst, wie überwinden wir sie? Um diese Fragen zu beantworten, wäre es zur Eröffnung schön gewesen, mit den Gestaltern der Zellen ins Gespräch zu kommen. Nur einige wenige aber waren offenbar da. Schade – den Austausch, den man sich so sehr wünscht mit diesem anders gearteten Festival, hätte es jedenfalls befördert.<6>