Stendal l Der erste Gratulant des neuen Landrates war der bisherige Amtsinhaber. Um kurz nach sieben Uhr, als vier der 185 Wahllokale noch nicht ausgezählt waren, da klingelte bei Patrick Puhlmann das Handy. Carsten Wulfänger zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte frühzeitig.

Vor sieben Jahren war der Christdemokrat mit nur 69 Stimmen Vorsprung ins Amt gewählt worden. Diesmal lief es gänzlich anderes bei der Stichwahl. Als um 18.04 Uhr das Ergebnis des ersten Wahllokals, die Altmärkische Wische, auf der Leinwand im Stendaler Lokal „Lavanderia“ erschien, da brandete erstmals Beifall auf: 69 Prozent zu 31 – fast genau das Ergebnis, wie es rund eine Stunde später nach der Auszählung von 185 Wahllokalen lautete. 68,99 Prozent zu 31,01 Prozent lautet das offizielle Enderegbnis.

In „Lavanderia“ knallten die Korken

„Das ist ein überwältigendes Ergebnis“, sagte Puhlmann, als das Ergebnis feststand und das Lokal mittlerweile knackevoll war. Unter den Gästen auch Sozialministerin Petra Grimm-Benne und der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert. Er bedankte sich bei allen Leuten, die ihm seit Sommer geholfen haben. „Es ist toll, was wir in den vergangenen Monaten auf die Beine gestellt haben. Wir müssen jetzt diesen Schwung mitnehmen“, sagte der 36-Jährige.

Bilder

Wenig später öffnete er unter Gejohle eine Champangerflasche. Puhlmann ist nunmehr der zweite Sozialdemokrat im Amt des Landrates. Von 1994 bis 1998 war Gerhard Miesterfeldt in dieser Position, ehe er Regierungspräsident wurde.

Bei den Kommunalwahlen war der Landkreis Stendal nach der Wende ansonsten in christdemokratischer Hand. Seit es seit 1994 den gemeinsamen Landkreis Stendal für Stendal, Osterburg und Havelberg gibt, hat stets die CDU bei der Kreistagswahl die meisten Stimmen erhalten. Allerdings war der Anteil im Mai bei der letzten Wahl auf 24,4 Prozent gesunken. Spitzenergebnisse gab es 1999 mit 42,7 Prozent und 2014 mit 41,8 Prozent. Während Patrick Puhlmann in großer Runde feierts, saß Carsten Wulfänger allein in seinem Büro im Landratsamt. Das Jacket hing über die Stuhllehne, er telefonierte. Gerade verließen Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz und Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth sein Zimmer.

Landrat verfolgt Ergebnisse im Büro

Für ein Interview mit der Presse sei es zu früh, sagte Wulfänger. Er blickte auf den Monitor, noch waren nicht alle Wahlergebnisse da. Dennoch, die Tendenz war an den Balken klar zu erkennen. „Ich bin tief enttäuscht“, sagte der Wahlverlierer und dankte im gleichen Atemzug herzlich seinen Unterstützern. Ob ihm die Nähe zur Kreis-CDU mit all den Skandalen beim Wahlvolk anglastest wurden, dazu wollte sich Wulfänger nicht äußern. Der 56-Jährige wünsche dem neuen Landrat viel Erfolg, sagte der Christdemokrat. Gleich danach richtete er ihm dies telefonisch persönlich aus.

Die Staffelstabübergabe für den Landratsposten wird es nicht unmittelbar geben. Patrick Puhlmann wird am 19. März 2020 offiziell seinen Dienst antreten, Carsten Wulfänger davor den Schreibtisch räumen.