Hybrid-Saaten

Hybride sind eine Kreuzung zweier genetisch sehr entfernter Saaten-Linien, die einen sogenannten Heterosiseffekt hervorbringen. Der Effekt sorgt dafür, dass der Ernteertrag steigt und eine zuverlässigere Kornqualität gegeben ist. Da die Wurzeln des Hybridweizens tiefer reichen, werden Wasser und Nährstoffe im Boden besonders effizient genutzt. Außerdem können Hybride auf weniger günstigen Standorten angebaut werden.

Stendal l „Die Halle liegt schon hier“, sagt Horst Bremer schmunzelnd und steigt über Rohre und Metallplatten, die auf dem Gelände der Altmarksaaten Stendal liegen. Er ist Geschäftsführer der vor zwei Jahren gegründeten Schwesterfirma Altmark-Hybrid-Saaten. Um den Betrieb der neuen Firma aufnehmen zu können, wird seit März auf dem Firmenareal Hoher Weg 10 ein Hybrid-Saatgutwerk gebaut. Rund 9,5 Millionen Euro kostet es. Finanziert wird das Bauprojekt samt Einrichtung modernster Aufbereitungstechnik und Silos mit Eigenkapital, einem Kredit und Fördergeld.

Eine symbolische Grundsteinlegung im März konnte wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Das war nicht das einzige Problem. „Wir hatten anfängliche Schwierigkeiten, die uns 50.000 Euro extra gekostet haben“, sagt Bremer. Denn Luftaufnahmen zeigten mögliche Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Aus Sicherheitsgründen veranlasste der Kampfmittel-Räumdienst, dass 1200 Bohrungen gesetzt werden. „Gefunden wurde aber nichts“, sagt Bremer. Nach der Entwarnung ging es dann los.

Plan für das Hybrid-Saatgut-Werk

Derzeit werden Grundplatte und Fundamente für die rund 2500 Quadratmeter große Halle gebaut. Der Plan dafür existiert bereits seit 2014, doch nun sei die Zeit reif für die Realisierung. Er möchte nicht vom Zahn der Zeit abgehängt werden, sondern moderne Technik aufgreifen. „Wenn wir jetzt nicht mitgehen, sind wir vielleicht bald nicht mehr dabei“, sagt der Diplomagraringenieur und deutet auf den wachsenden Markt der Hybridsaaten hin. Neben Roggen, Raps und Mais seien inzwischen auch Kreuzungen von Gerste und Weizen im Kommen.

Aktuell bereitet die Altmarksaaten Stendal GmbH vorrangig konventionelle Saaten auf. Zur Aufbereitung des Hybrid-Saatguts bedarf es spezieller Technik, die bisher nicht vorhanden sei. Dazu gehört beispielsweise ein sogenannter Farbausleser, der das giftige schwarze Mutterkorn in der Saatenernte erkennt und per Druckluftstoß entfernt. Außerdem wird zur Aufbereitung ein Tischausleser benötigt, der für die Nachlese verantwortlich ist.

Neubeu eines Hybrid-Saatgut-Werkes

Beide Techniken können nicht in die bestehenden Anlagen integriert werden, sodass sich Horst Bremer und der Junior-Chef Aike Schwarz für den Neubau entschlossen haben. Schwarz hat zum 1. Januar dieses Jahres die Geschäftsführung von Altmarksaaten übernommen. Und wenn das neue Werk steht und beide Firmen fusionieren, „hat Stendal mit das modernste Saatgutwerk Deutschlands“, sagt Bremer im Beisein von Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Der Stadtchef wurde am gestrigen Dienstag zu einer Besichtigung eingeladen und zeigte sich von der „Investition in die Zukunft“ angetan.

In Betrieb genommen werden soll das neue Werk der Altmark-Hybrid-Saaten in der Hansestadt Stendal  pünktlich zur Ernte 2021. „Ziel ist, zum 30. Juni die Produktion aufzunehmen“, sagt Bremer während Schwarz ergänzt, dass einige neue Arbeitsplätze entstehen. Eine konkrete Zahl mochte der 30-Jährige noch nicht nennen. Gegenwärtig beschäftigt die Alktmarksaaten GmbH 21 Mitarbeiter.