Was Mercer produziert

Mercer Stendal produziert Langfaser-Zellstoff aus Nadelholz, der unter der Marke Mercer Pulp an Papierfabriken in Deutschland und in aller Welt verkauft wird. Diese verarbeiten den Zellstoff beispielsweise zu grafischen Papieren, Druck-, Hygiene- und Spezialpapieren.

Mercer Stendal ist eines der größten Biomassekraftwerke Deutschlands. Aus den Holz-Bestandteilen, die nicht zu Zellstoff verarbeitet werden können – etwa 50 Prozent des eingesetzten Holzes – wird Bioenergie generiert. Der über den Eigenbedarf hinaus produzierte Grünstrom wird ins öffentliche Netz eingespeist.

In der Produktion entstehen noch Bioprodukte wie Tallöl und Terpentin. Die für die Produktion nötigen Chemikalien werden in einem weitgehend geschlossenen Chemikalienkreislauf zurückgewonnen. Das eingesetzte Wasser wird aufbereitet und wieder in die Elbe geleitet. (Quelle: Mercer)

Arneburg l Ein Transport über die Straße war laut Mercer Stendal aufgrund der Frachtgröße ausgeschlossen – ein Kocher allein wiegt 70 Tonnen, die Anlagenteile dazu messen knapp 21 Meter. So wurde die kostbare Lieferung mit dem Schiff von der finnischen Produktionsstätte nach Hamburg und von dort aus über die Elbe in den Industrie- und Gewerbepark Altmark gebracht. Drei Wochen hat das gedauert. „Mit einem 500-Tonnen-Kran wurden die Kocher dann entladen. Ein Schwerlasttransporter beförderte sie weiter aufs Werksgelände, wo sie am Folgetag eingebaut wurden“, teilt Mercer-Sprecherin Daniela Wedel mit. Ein Projektteam sei derzeit damit befasst, die Anschlüsse und Leitungen zu montieren.

Die neuen Kocher ersetzen keine alten, sie erweitern die bestehende Kocherei. Bis 2022 soll die Produktionskapazität des Zellstoffwerks Arneburg von aktuell rund 675.000  Tonnen Zellstoff pro Jahr auf 740 Tonnen jährlich erhöht werden – daher kommt der Projektname „Stendal 740“.

Schadstoff-Reduzierung im Abwasser geplant

Die Erweiterung soll in mehreren Teilprojekten erfolgen. Sie betrifft die Kocherei, die Zellstoffmaschine, die sogenannte Kaustifizierung (Ätzendmachung) und den Kalkofen. Die Maßnahmen sollen während turnusmäßiger Generalreparaturen bis 2022 sukzessive umgesetzt werden. Gleichzeitig will das Unternehmen die Umweltleistung der Fabrik verbessern, indem die Schadstofffracht im Abwasser deutlich verringert werde.

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Das Zellstoffwerk folge mit „Stendal 740“ einem Trend in der europäischen Zellstoffindustrie: „Produktionsanlagen unserer Größenordnung werden in Richtung eine Million Jahrestonnen erweitert. Gleichzeitig wird die Gewinnung von anderen Bioprodukten (Bioethanol, Terpentin, Tallöl) aus dem Holz zu einem immer wichtigeren Teil des Produktportfolios“, schreibt das Unternehmen. Der Standort Arneburg „soll für die Zukunft gesichert und noch wettbewerbsfähiger gemacht werden“. Mercer Stendal investiert zu diesem Zweck bis 2022 einen zweistelligen Millionenbetrag.

Für den noch immer als strukturschwach geltenden Landkreis Stendal ist das Zellstoffwerk immens wichtig: Der Betrieb sei „einer der größten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts“, hob die Stendaler Kreisverwaltung seinerzeit in einer Mitteilung über Landrat Patrick Puhlmanns (SPD) Antrittsbesuch hervor.

Zehn Millionste Tonne Zellstoff produziert

Nach Unternehmensangaben beschäftigt Mercer Stendal einschließlich der Auszubildenden rund 455 Mitarbeiter. Mit der bevorstehenden Produktionserweiterung sei zwar keine direkte Stellen-Aufstockung verbunden, „aber aus einer allmählichen Vergrößerung des Werks entstehen indirekt durchaus einige Arbeitsplätze mehr“, hieß es aus der Geschäftsführung.

Im Oktober 2020 hatte das 2004 in Betrieb genommene Zellstoffwerk Arneburg seine zehn Millionste Tonne Zellstoff produziert. Auf eine Festveranstaltung wurde angesichts der Corona-Pandemie aber verzichtet, was Geschäftsführer André Listemann und Werksleiter Dr.  Martin Zenker sehr bedauerten.