Bittkau l Sonntagnachmittag bei knapp 40 Grad im Schatten bereiten sich Schülers auf einen ruhigen Abend vor. Man hat so wenig Kleidung wie möglich am Körper und hofft, dass der heiße Föhnwind, der den Staub vom nahen Getreidefeld herüberweht, bald nachlässt.

Dann, plötzlich sieht die Luft aus, wie mit Milch versetzt, so trüb und seltsam, wie Kathrin Schüler findet. Sie sieht Strohpresse und Strohballen brennen und während alles noch in heller Aufregung ist, schlägt der Wind urplötzlich eine andere Richtung ein und das Waldstückchen hinter ihrem Haus fängt Feuer.

Pure Verzweiflung

Rasend fegt es durch die trockenen Nadelbäume, als sie die Feuerwand vor ihr steht, greift Kathrin Schüler nur noch nach Handy und Hund und weiß: Es zählt jede Sekunde. Eheman Gero versucht trotz starker Rauchentwicklung noch beide Autos vom Grundstück zu schaffen und nimmt den Gartenschlauch, um sein Haus nass zu spritzen - aus purer Verzweiflung.

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Wenig später sitzen die beiden im Gemeindehaus und sind sich sicher: Ihr Haus wird nicht mehr da sein, wenn sie zurückkehren. Fünf Stunden lang drehen die Gedanken ihre Kreise, quält die Angst vor dem, was nun kommt. Und immer wieder heißt es: Zwei Häuser seien ausgebrannt, nichts zu retten. Dann, gegen acht Uhr plötzlich heißt es: Schülers Haus steht noch.

Onkel und Tante hielten die Hand drüber

Kathrin Schüler sagt heute: „Ich glaube Onkel und Tante haben von oben ihre Hand drüber gehalten“. Die verstorbenen Verwandten ihres Mannes Gero, von denen sie das Haus übernommen haben, hatten vor über 50 Jahren Bäume gepflanzt und ein parkähnliches Grundstück angelegt, das vor Blicken gut geschützt war.

Alles aber konnten sie wohl auch nicht schützen. Bis fast ans Haus heran hatte sich die Feuerwalze bereits gefressen, ein Schuppen neben der Terrasse ist komplett verkohlt, von dort sprangen die Flammen dann weg vom Haus in Richtung Feld und fraßen sich durch Bäume und Büsche in Richtung Blumstraße weiter. Zwischendrin standen die Schafe der Schülers - dicht gedrängt unter der alten Eiche erlebten sie den Kampf gegen die Flammen mit.

Am Sonntag blieben die betroffenen Grundstücke wegen des möglichen Aufflammens versteckter Glutnester noch gesperrt, am Montag durften Schülers zurück und erst da sahen sie das gesamte Ausmaß des Schadens. Der Rauch liegt immer noch in der Luft, auch im Haus, das laut Gutachter professionell grundgereinigt werden muss.

Bäume, Tore, Zäune - alles hin

Unzählige Bäume, die gepflanzt wurden, als Gero Schüler fünf war, der Wald hinterm Grundstück mit Käuzchen und anderen Bewohnern darin, Schuppen und eine Scheune direkt am Eingang, in der historischen Gartengeräte – faktisch Museumsstücke – gestanden hatten, auch das Futter für die Schafe, alles ist abgebrannt. Zäune, Tore, alles hin. Noch haben Schülers keinen Plan, wie und wann die Reste beseitigt werden sollen und wann man ans Aufforsten denken kann.

Die Schafe sind in Bölsdorf untergebracht, die Hunde einige Tage bei Freunden, denn zunächst muss das Grundstück einigermaßen gesichert werden. Und die Natur hat ihren eigenen Humor: Am Tag als sie zurückkamen saß eine der Nilgänse, die sonst gerne auf benachbarten Feldern fressen, hoch oben in einer verkohlten Fichte und schaute auf die beiden Rückkehrer herunter.

„Bei uns liegen die Nerven blank, wir können nicht schlafen“, sagt Kathrin Schüler. Aber über eines seien sie sehr dankbar: Die große Hilfsbereitschaft im Dorf und ringsum, die noch am Tag des Brandes startete, habe Kraft gegeben. Freunde, die noch am Sonntag Kleidung brachten und dieser Tage einfach mit Kaffee und Kuchen vor der Tür stehen, gehören dazu. Aber auch die vielen Feuerwehrleute und alle, die danach Hilfe angeboten haben.