Stendal l Es sind bedenkliche Zahlen, welche die Kassenärztliche Vereinigung (KV) unlängst veröffentlicht hat. Seit dem 11. Juni sind im Landkreis Stendal vier Hausarztstellen unbesetzt. 1,5 unbesetzte Stellen sind es im Bereich Haut-und Geschlechtskrankheiten, eine weitere im Fach Urologie. Die KV geht davon aus, dass die Vakanzen in absehbarer Zeit zunehmen. Die Altersstruktur der noch praktizierenden Ärzte legt dies nahe. Sie sind im Durchschnitt 54 Jahre alt, 45 Prozent sind älter als 55 Jahre. Nachfolger zu finden, erweise sich als immer schwieriger, da es nur wenige junge Mediziner in die Altmark zieht.

Osterburg als Beispiel

Zusammen mit der KV möchte der Landkreis aktiv gegen den problematischen Trend ankämpfen. Dem Beispiel der Stadt Osterburg folgend, soll ein Stipendienprogramm aufgelegt werden. Das Konzept stellte Sebastian Stoll (CDU), 2. Beigeordneter des Landrates, am vergangenen Donnerstag in der Sitzung des Kreis-, Vergabe- und Personalausschusses vor. Er hatte mit der KV über die inhaltliche Ausgestaltung verhandelt. Die Pläne fanden dabei über alle Parteigrenzen hinweg Zustimmung. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) sprach davon, dass die Umsetzung unbedingt wichtig sei.

Von 2020 bis 2025 sollen pro Jahr zwei Medizinstudenten in den Genuss eines finanziellen Zuschusses von 800 Euro pro Monat kommen. Das Stipendium läuft über sechs Jahre und drei Monate, also über die gesamte Regelstudienzeit. In der fünfjährigen Facharztausbildung erhalten die Kandidaten noch 200 Euro.

Zwölf Ärzte sind zu finden

„Ein eher symbolischer Betrag, weil sie zu diesem Zeitpunkt bereits Geld verdienen“, wie Carsten Wulfänger kommentierte. Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, ambulant im Landkreis Stendal tätig zu sein. Über die konkrete Verwendung entscheidet dann die Kassenärztliche Vereinigung. Zwölf Ärzte sollen auf diese Weise den Weg in die Altmark finden.

Betrachtet man die Zeitschiene, werden die ersten beiden Absolventen im Jahre 2032 ihren Dienst antreten. „Im Herbst dieses Jahres wollen wir mit den Bewerbungsgesprächen beginnen“,sagte Sebastian Stoll.

Rückkehrer im Fokus

Ansprechen möchte der Landkreis mit dem Stipendium in erster Linie Abiturienten, die aus der Altmark stammen. Bei ihnen sei die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass sie tatsächlich nach dem Studium in die Region zurückkehren. Laut der Beschlussvorlage ist es aber keine Bedingung, im Landkreis Stendal das Abitur abgelegt zu haben. Patrick Puhlmann (SPD) regte an, die regionale Begrenzung als Bedingung festzuschreiben. Die Verwaltung möchte prüfen, ob dies möglich ist.

Nico Schulz (Pro Altmark) lobte den Vorstoß als zukunftsweisendes Projekt. Katrin Kunert (Die Linke) regte an, das Stipendium nicht nur auf Studienanfänger zu begrenzen, sondern es auch jenen zugute kommen zu lassen, die bereits im Fach Humanmedizin eingeschrieben sind. Auch dieser Sachverhalt soll noch einmal mit der KV besprochen werden, kündigte Sebastian Stoll an.