Tangerhütte l Als Matthias Teek 2008 sein Einmann-Unternehmen MATETEC in Tangerhütte gründete ahnte er noch nicht, in welche Marktlücke er schlüpfte. Der gelernte Kfz-Schlosser begann mit einem Hochdruckreiniger auf Wasserbasis. Als Hobbykapitän wähnte er seine Kunden unter seinesgleichen, er wollte mit 500 bar Boote säubern.

Der erste Großauftrag

Schnell wurde der Stendaler Lokomotivbauer Alstom auf Teek und das Verfahren aufmerksam und der Tangerhütter hatte seinen ersten Großauftrag in der Tasche, denn was bei Schiffen funktioniert, funktioniert auch bei Schienenfahrzeugen. Der heute 49-Jährige investierte zusätzlich in eine 2500 Bar-Anlage, die befreit Oberflächen nicht nur von Schmutz, sondern auch von Lacken. Somit war er nun in der Lage, beispielsweise Laufachsen und Schweißnähte von Schienenfahrzeugen für die regelmäßigen Prüfungen vorzubereiten.

„Die Auftragslage war so gut, dass konnte ich nicht mehr schaffen“, erinnert sich der Firmeninhaber heute an die Zeit nach der Gründung. Nur zehn Monate arbeitete er alleine, dann holte er seinen Sohn Felix mit ins Boot. Seit 2014 ist Frank Giebelmann mit im Geschäft und Ehefrau Silke Teek komplettiert des vierköpfige Team.

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Ab 3000 Bar wird Wasser zum Werkzeug

Die Mannschaft bedient einen Markt, der vorher nicht ausreichend bedient wurde. Bahnwerke in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg gehörten mittlerweile genauso zur Kundschaft wie Werften in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Mit Wasser unter Hochdruck werden außerdem Industrieanlagen gereinigt, Wände von illegalen Graffiti befreit, Wege gesäubert, Betonflächen für die Sanierung oder auch Oltimer für die Restaurierung vorbereitet.

Mit Wasserdruck ab 3000 Bar können fast alle Materialien aber auch geschnitten werden. MATETEC kaufte also zusätzlich in einen Wasserstrahlschneider. „Die Brandgefahr, wie beim Schneidbrennen, entfällt“, hebt Teek einen Vorteil hervor. Außerdem sei das Verfahren umweltfreundlich, weil keine giftigen Gase oder Dämpfe entstehen, die Staubentwicklung sei gering. Das Verfahren biete sich besonders dort an, wo Teile aus verschiedene Werkstoffkombinationen hergestellt wurden. Das ist beispielsweise bei den Rotorblättern von Windkraftanlagen der Fall, die aus bis zu sechs Materalien bestehen. Haben die Mühlen ausgedient, müssen die Flügel so zerlegt werden, dass sie transportfähig sind. Die Tangerhütter Firma eroberte sich auch dieses Arbeitsfeld.

Menschen aus Gefahrenbereich bringen

Das Schneiden der Rotorblätter mit der üblichen Handlanze entpuppte sich trotz Schutzausrüstung aber als sehr gefährlich und körperlich anstrengend. „Da wirken Rückstoßkräfte von 25 Kilogramm“, erläutert Teek. Durch das Arbeiten in Zwangshaltung mit geneigtem Oberkörper seien Muskel- und Skeletterkrankungen vorprogrammiert, Durchblutungsstörungen und Gelenkschäden durch Vibrationen. Auf der nassen, glatten und unebenen Arbeitsfläche sei die Gefahr des Abrutschens sehr groß.

„Unfälle haben Folgen für Leib und Leben“, so der Firmenchef und er zählt auf: Wasser kann unter die Haut schießen, Körperteile können durchschossen oder komplett abgetrennt werden. „Das war von Seiten des Arbeitsschutzes nicht mehr vertretbar.“

Matthias Teek und Sohn Felix begannen zu tüfteln. Ihr Ziel war, den Menschen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Sie experimentierten, verwarfen Ideen, probierten mindestens zehn verschiedene Maschinen aus. Schließlich erfanden beide eine Kombination aus Teleskoplader und Schneidwerkzeug.

Es geht um große Teile

Über eine spezielle Hydraulik kann der Wasserstrahlschneider aus der Fahrerkabine gesteuert werden. Der gefährdete Handarbeiter wird zum Baumaschinisten. Geschützt kann er nun quer und längs schneiden, auch spezielle Formen sind möglich. Unter dem Titel: Werkzeugeinheit zum Zerschneiden großformatiger Objekte, vorzugsweise von Rotorblättern von Windenergieanlagen“ meldeten die Teeks ihre Erfindung zum Patent an.

Dieses langwierige Verfahren ist noch nicht durch. In der Tasche hat MATETEC mit dieser Neuerung aber die Nominierung für den deutschen Arbeitsschutzpreis, der am 17. Oktober im Rahmen der weltweit größten Messe für Arbeitsschutz und -sicherheit in Düsseldorf vergeben wird. Aller zwei Jahre werden Unternehmen mit einschlägigen, cleveren Ideen geehrt. Beworben hatten sich im Vorfeld 123 Firmen aus der gesamten Bundesrepublik in vier Kategorien. Neben einer Firma aus Leverkusen gehören die Tangerhütter zu den beiden Favoriten der kleinen und mittelständischen Unternehmen, mit bis zu 250 Beschäftigten.

Vater und Sohn tüfteln weiter

Das Tüfteln geht für Matthias Teek und Sohn indes weiter. Sie arbeiten an einem Forschungsprojekt der Frauenhofer-Institute mit. Gesucht wird nach Möglichkeiten, die ausgedienten Mühlenflügel, die bisher nur verbrannt werden können, wieder in ihre verschiedenen Komponenten zu zerlegen. „Es geht um die Wiederverwendung, unter anderem bestehen die Rotorblätter aus Balsa, einem wertvollen Tropenholz“, so der Firmenchef. Ziel ist es, einen deutschlandweit anerkannten Demontagebetrieb für Windrotorblätter zu etablieren und europaweit Lizenzen verteilen zu können.