Corona

Neustart in Stendal nach dem Lockdown

Blumenläden, Friseure, Baumärkte, Fußpflege ... welche Geschäfte und Dienstleister in Stendal wieder geöffnet haben.

Stendal/Heeren l Endlich öffnen – für Franziska Raabe war der gestrige Montag mehr als nur der Tag, ab dem Friseure nach Lockdown-bedingter Zwangspause wieder zu Kamm und Schere greifen durften. Für sie steht der 1. März 2021 für den Start als Friseurmeisterin mit ihrem ersten eigenem Laden – und das im Stendaler Ortsteil Heeren, wo sie aufgewachsen ist und wo sie seit einiger Zeit mit ihrer Familie lebt. Gar nicht weit entfernt vom Zuhause frisiert sie seit gestern ihre Kunden.

Die Räume, die bis Ende 2019 von Gerlinde Schüler für ihren Marmeladen-Laden genutzt worden waren, standen nur kurz leer, dann ergriff die heute 32-jährige Franziska Raabe die Chance und übernahm die Geschäftsräume. Sehr zur Freude von Ortsbürgermeister Wolfgang Eckhardt: „So ist die Immobilie belebt und das Gewerbe bleibt im Ort.“ Für das Friseur-Handwerk ist es eine Rückkehr nach Jahrzehnten, denn nach dem Wende-Aus der PGH „Olympia“ habe es in Heeren keinen Friseur mehr gegeben, so Eckhardt.

Als erste Kunden hat Franziska Raabe gestern Frank Stolze und Ingrid Schulz aus Tangermünde begrüßt. Beide zum Schneiden. „Das steht für die ersten Wochen vor allem im Kalender. Schnitte sind jetzt am wichtigsten“, sagt die Friseurmeisterin. So sieht es auch Ingrid Schulz: „Es wurde Zeit, im Haar ist ja gar keine Form mehr drin“, sagt sie und nimmt auf dem modernen Sessel Platz. Der bietet ihr während des Haarwaschens eine entspannende Rückenmassage.

Friseurin wollte Franziska Raabe schon immer werden. Zur Ausbildung ging sie nach Berlin, lernte in einer Tochterfirma von Udo Walz. Aus familiären Gründen zog es sie zurück nach Heeren, im Gepäck der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit. Und so besuchte sie in Magdeburg die Meisterschule in Vollzeit, machte voriges Jahr den Abschluss. Zum 1. Januar dieses Jahres sollte es offiziell losgehen – ging es aber nicht. Im Dezember hatte sie als Test schon mal zwei Tage geöffnet, „denn die Möbel und die Pflegeprodukte waren ja da, der Salon war eingerichtet“. Wäre nicht der Lockdown gekommen, hätte es vermutlich im Dezember weiterlaufen können.

Vorerst ist sie als Friseurin allein tätig, im Salon „Hair & Beauty“ aber nicht allein. Denn ihre Schwester Anita Raabe steigt als Kosmetikerin ein. Sie macht derzeit eine Meisterausbildung, arbeiten darf sie momentan wegen der Corona-Auflagen noch nicht wieder. „Wir hatten schon ganz lange vor, gemeinsam etwas zu machen“, sagt die Salon-Inhaberin.

Beim Stichwort Planungen für die Zukunft ist Gaby Kindermann vorsichtig geworden. Die Inhaberin des Gartencenters „Am Friedhof“ in Stendal gehört zu jenen ihrer Zunft, die im Dezember mit der Schließung überrascht und zu Jahresbeginn bitter enttäuscht wurden, weil sich die Hoffnung, am 10. Januar wieder öffnen zu können, nicht erfüllte.

Über das vorläufige Ende des Lockdowns für Blumengeschäfte und Gartencenter zeigt sich die Stendalerin nun erleichtert. „Klar ist es schön, endlich wieder die Ladentüren öffnen zu dürfen, um Kunden zu empfangen.“ Gleich um 9 Uhr habe sie die ersten Blumenfreunde empfangen. Sie und später viele andere Kunden hätten gestaunt über das riesige Angebot an Frühlingsblühern und Pflanzen der Saison.

„Wir haben hier alles über Nacht hergerichtet, denn die Ware ist ja sehr kurzfristig geliefert worden“, sagt Gaby Kindermann. In dieser Hinsicht baue die Gartenfachfrau auf Regionalität und habe mit Behne-Blumen in Klötze einen „sehr guten und zuverlässigen Partner“, wie sie betont. Dass es für alle nun weiter vorwärts gehe, das wünscht sich die Geschäftsfrau nicht nur für ihre Branche. „Es ist schon sehr schwer, die Zwangsschließung zu überbrücken.“

Ihre vier Mitarbeiterinnen habe sie in Kurzarbeit geschickt und für sich selbst Corona-Hilfe beantragt. Bislang sei jedoch noch kein Cent geflossen, zumal ihr ein finanzieller Schaden im fünfstelligen Bereich entstanden sei. Das Weihnachtsgeschäft war regelrecht verschenkt worden. Um nicht alles zu entsorgen, „sind wir mit drei Autos durch Stendals Innenstadt gefahren und haben Blumen und Gestecke auf Plätzen zum Mitnehmen angeboten“, sagt Gaby Kindermann. Versehen war die Ware mit Kärtchen auf denen stand: „Find‘ mich, behalt‘ mich, freu‘ dich!“

Eine Geste, die ihr bei all der Last durch Corona am Ende doch in guter Erinnerung bleiben werde. „Die Leute sehnen sich nach Freude“, sagt sie. Das habe ihr auch die Zeit der Zwangsschließung gezeigt, als sie nichts unversucht ließen, um Blumen und vor allem Grabschmuck zu liefern. „Wir haben über zig Kanäle Bestellungen angenommen, doch hat all das nicht die Öffnung eines Geschäfts ersetzt“, so ihr Fazit. Als wollte sie ihr beipflichten, kommt in diesem Moment die Katze Gärti angeschlichen. Darauf Gaby Kindermann: „Sie ist der Boss im Laden und freut sich, endlich wieder Kundschaft begrüßen zu können.“

Diesen Eindruck der Freude hatte man auch in Baumärkten, die gestern wieder öffnen durften. Kurz vor acht Uhr bildete sich zum Beispiel vor dem Toom Baumarkt in der Stendaler Industriestraße eine kleine Schlange. Für einen Montag in dieser Jahreszeit schon ein eher ungewöhnliches Bild, auch wenn viele der Mitarbeiter mit einem noch größeren Ansturm gerechnet hätten. Der hat sich dann über den Tag verteilt. Es sei aber zu spüren gewesen, dass viele auf die Öffnung der Märkte gewartet haben. Vor allem bei Pflanzen und Gartenartikeln war die Nachfrage groß.

Gleiches galt im Heimwerkermarkt Tedox. Hier waren vor allem auch Tapeten gefragt. Sicherlich für einen willkommenen Farbwechsel in den vier Wänden.