Stendal l „Wir sind fertig und haben den Termin eingehalten.“ Mit Stolz berichtete Sebastian Stoll als 1. Beigeordneter des Landrats gestern vor der versammelten Presse über das in Windeseile aufgebaute Corona-Impfzentrum für den Landkreis Stendal. Wenn nun die Impfstoffzulassung – wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Aussicht stellt – zum 21. Dezember erfolgt, kann die Immunisierung gegen das Coronavirus in der östlichen Altmark beginnen.

Zuerst werden die Bewohner in Alten- und Pflegeheimen geimpft. Zu ihnen reisen die Mobilen Impfteams, je Besatzung sind drei Sanitäter und ein Arzt an Bord. Mit der zweiten Lieferung sollen die Krankenhäuser in Stendal und Seehausen versorgt werden, um Ärzte, Pflegepersonal und Mitarbeiter zu immunisieren.

Corona: Impfung in der Realität

Im Impfzentrum selbst, das sich in Stendal in der Osterburger Straße 82/84 befindet, werden die Bürger nach Vorlage eines Termins geimpft. Wie es in der Realität sein kann, das haben Sebastian Stoll und Dr. Jörg Böhme als Kreissprecher der Kassenärztlichen Vereinigung bei einem Rundgang durch das Gebäude erläutert:

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Im Eingangsbereich erfolgt die Anmeldung und ein Check der mitgebrachten Dokumente wie Personal- und Impfausweis sowie Krankenversicherungskarte. Zudem wird Fieber gemessen. „Wobei, wer sich krank fühlt oder ist, darf das Haus nicht betreten“, sagt Böhme und betont: „Das Impfzentrum ist keine Arztpraxis.“

Nach der Anmeldung wird in einen der drei Schreibzimmer die Impfdokumentation ausgefüllt, Mitglieder des DRK stehen dabei hilfreich zur Seite. Ist das vollständig erledigt, folgt der Gang in eines der beiden Arztzimmer. Ein Mediziner mit entsprechender Impfberechtigung überprüft die Impftauglichkeit, klärt bei Bedarf nochmals auf und spritzt das Serum. „Der Piecks dauert keine 30 Sekunden“, sagt der Allgemeinmediziner Böhme.

Corona: Ruheraum nach der Impfung

Im Anschluss muss die oder der Geimpfte in einem Ruheraum noch mindestens 15 Minuten akklimatisieren, bevor das Impfprozedere gegen das Coronavirus beendet ist und man das Zentrum durch einen separaten Ausgang verlässt. „In der Regel muss der Bürger mit einer Stunde für die Impfung rechnen, die bei dem derzeit bestellten Impfstoff nach 21 Tagen dann wiederholt werden muss“, sagt Böhme. Die Zweite Impfung wird weniger Zeit aufwenden, weil die umfangreiche Dokumentation bereits beim ersten Mal erfasst wurde.

Da dank der Unterstützung des Kreisverbandes des DRK und der Johanniter-Unfall-Hilfe ausreichend Personal vorhanden ist, steht bereits der Plan für die Öffnungszeiten für das Impfzentrum. So könnten künftig von Montag bis Freitag, in der Zeit von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, bis zu 160 Bürger pro Tag und 1200 in der Woche geimpft werden. „Wir haben zwei Impfstrecken eingerichtet“, sagt Stoll, der davon ausgeht, dass das Zentrum bis zu neun Monaten in Betrieb sein wird.

Zu den täglichen Impfungen im Zentrum selbst werden zumindest zu Beginn 30 bis 60 Impfungen pro Tag durch die Mobilen Teams des DRK und der Johanniter hinzukommen.

Corona: 6000 Impfdosen erwartet

Das ist die Theorie. Die Wirklichkeit: Die IT-Ausstattung vom Land muss noch aufgebaut und die Vernetzung für die erfassten Daten erfolgen. Ebenso fehlt noch der Gefrierschrank bis zu minus 80 Grad Celsius für die Aufbewahrung des Imfstoffes. „Der Spezialschrank soll am Freitag geliefert werden“, sagt Stoll. Und es fehlt noch der Impfstoff.

Über die genaue Menge gibt es keine Information, sagt Stoll. Er rechnet damit, dass der Landkreis Stendal noch in diesem Jahr 6000 Impfdosen zugeteilt bekommt und somit – bei je zwei Impfungen – 3000 Immunisierungen vornehmen kann. Diese Menge könnte für die Immunisierung in Alten- und Pflegeheimen im Kreis reichen. „Es hängt ja davon ab, wer seine Einwilligung dafür gibt“, sagt Stoll.

Geimpft wird nur in Stendal

Klärungsbedarf gibt es noch zum Ablauf des Bestellsystems samt Terminvergabe, denn Fakt ist: Ob der Bürger in Seehausen, Osterburg, Havelberg oder Tangerhütte wohnt, gegen das Coronavirus wird nur in Stendal geimpft. „Wir erwarten dringend vom Bund und der Kassenärztlichen Vereinigung entsprechende Vorgaben und vor allem Unterlagen für die Dokumentation, um technisch alles vorbereiten zu können“, sagt Jörg Böhme. Er „könnte“, wie er betont, sich vorstellen, dass die Bürger per Post informiert werden, um dann per Telefon über die 116 117 oder online einen Termin für die Impfung zu vereinbaren. Zu weiteren Spekulationen lassen sich der Mediziner und auch Stoll nicht hinreißen.

„Wir haben die Vorgabe des Sozialministeriums erfüllt, die besagt, dass bis zum 15. Dezember alle 14 Impfzentren im Land arbeitsfähig sein sollen“, sagt der Beigeordnete und fügt hinzu: „Darauf sind wir stolz, zumal wir sogar ein Novum aufweisen. Denn, wir haben nicht nur genügend Personal, sondern bekommen Unterstützung durch Fachverstand, der mit Geld nicht zu bezahlen ist.“ Die Rede ist von Dr. Uwe Sänze, der als Apotheker in Ruhestand das Anmischen des Impfstoffes übernimmt, im Ehrenamt, wie der 61-Jährige bestätigt.

Rotes Kreuz stellt den Leiter

Was das Impfzentrum in Stendal zudem auszeichnet: Die Stadt Stendal als Vermieter, die Johanniter-Unfall-Hilfe und das Deutsche Rote Kreuz sowie die Kassenärztliche Vereinigung „ziehen alle an einem Strang“, betont Stoll. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, als DRK und JUH, ihre Zusage machten, das Personal zu stellen. Obendrein auch mit Friedhelm Cario vom DRK Kreisverband Östliche Altmark den Leiter des Impfzentrums.