Stendal l Es ist eine heimtückische Krankheit, die sich langsam in den Körper schleicht – Parkinson. Unwillkürliches, rhythmisches Zittern, Bewegungsverlust, Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Muskelsteifigkeit sind die ersten Symptome. Parkinson wird als Begleitkrankheit angesehen. Das stimmt auch, ist aber nicht die ganze Wahrheit.

„Die Patienten werden immer jünger, bekommen Parkinson schon im Alter zwischen 40 und 50 Jahren“, sagte Dr. Detlev Böhm, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Schlafmedizin am Fachklinikum Uchtspringe. Die ersten Anzeichen werden von den Betroffenen oftmals auch falsch interpretiert. Viele Patienten würden den Beginn der Krankheit als störende Missempfindungen und Verspannungen im Rücken- und Nackenbereich schildern.

Symptome, die an Depression erinnern

„Sie erinnern sich bei Erhebung der Krankengeschichte, dass es ihnen schwergefallen ist, die Kleidung zuzuknöpfen, oder sie bemerkten, dass ihre Handschrift irgendwie kleiner und zittriger geworden ist“, schilderte Christine Wedekind, Abteilungsleiterin in der neurologischen Klinik. Oftmals werde die beginnende Krankheit allerdings auch von Beschwerden begleitet, die an eine Depression denken lassen: Lustlosigkeit, Bedrücktheit, Antriebsschwäche. Eine Beeinträchtigung im Geruchssinn und eine starrer werdenden Mimik können hinzukommen.

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Neben den immer besser gewordenen Therapiemöglichkeiten, bei den Jüngeren ist die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit oberstes Ziel, was laut Christine Wedekind auch gut funktioniert, ist es auch wichtig, auf die seelischen und sozialen Probleme der Betroffenen einzugehen. „Oft braucht es einige Zeit, ehe die Betroffenen einen Umgang mit der Störung finden, ihre Krankheit akzeptieren und die damit verbundenen Ängste offen besprechen können“, sagte sie. Wichtig sei dabei auch das Wissen, dass sie im Umgang mit Parkinson nicht allein sind.

„Und in dem Zusammenhang spielen die Selbsthilfegruppen eine ganz große Rolle“, sagte Chefarzt Böhm. Jüngere Patienten täten sich eher schwer damit, manche wollten sich beispielsweise die Krankheit noch nicht eingestehen. Die Selbsthilfegruppe biete aber eben die Bestätigung, nicht allein mit der Krankheit zu sein, biete die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, vielleicht auch nur zum Aussprechen. Sie sei gleichzeitig auch ein Bindeglied zwischen Patienten, Angehörigen, für die die Krankheit auch eine einschneidende Bedeutung habe, und den behandelnden Ärzten.

Während es in der westlichen Altmark und im nördlichen Landkreis Selbsthilfegruppen gibt, ist Stendal ein weißer Fleck. Es gab in der Kreisstadt mal eine Gruppe, die löste sich dann aber auf. „Wir sind sehr dafür, dass es auch in Stendal wieder eine Gruppe gibt“, sagte Böhm. Er sicherte auch seine Unterstützung zu, wenn es um Information oder Beratung geht.

Paritätischer bietet Koordination

So nahm der Chefarzt Kontakt zur Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen in Stendal, Bärbel Riep, auf. „Bislang musste ich die Menschen mit Parkinson immer nach Osterburg verweisen“, sagte sie. Dort sei eine sehr aktive Selbsthilfegruppe, allerdings sei der Weg nach Osterburg für viele zu weit gewesen. Die Selbsthilfegruppe in Havelberg wäre da schon überhaupt nicht in Frage gekommen.

So ist die Selbsthilfegruppen-Koordinatorin optimistisch, dass es auch mit einer Neugründung in Stendal klappt.Wer mitmachen will, kann sich bei ihr montags bis freitags bis 18 Uhr unter 0151/16 26 67 44 melden.