Gustav Nachtigal

Gustav Nachtigal wurde 1834 in Eichstedt geboren.

Er wuchs in Stendal auf und besuchte das Winckelmann-Gymnasium.

Nach dem Abitur studierte Gustav Nachtigal Medizin.

Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums wurde er 1858 Militärarzt.

Nachdem er an Tuberkulose erkrankt war, begab sich Nachtigal 1863 zur Genesung nach Nordafrika. Bis 1868 lebte er in Tunis.

Zwischen 1869 und 1874 bereiste er das nördlichen Afrika und betrieb ethnografische Studien.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland schrieb er seine Forschungserbegnisse nieder.

1882 wurde er Generalkonsul in Tunis, 1884 Reichkommissar für Westafrika, ehe er 1885 an Tuberkulose starb.

Stendal l In der kommenden Woche reinigt eine Spezialfirma das mit roter Farbe beschmierte Gustav-Nachtigal-Denkmal am gleichnamigen Platz. Dies teilte Stadtsprecher Armin Fischbach auf Nachfrage der Volksstimme mit. Unbekannte hatten den Sockel in der Nacht zum 26. Juli verunstaltet. Zunächst wollte die Stadt warten, bis die Spurensuche der Polizei beendet ist und die bereits erwähnte Firma den Schaden vor Ort begutachtet. Zudem seien Fragen des Denkmalschutzes zu beachten, so Fischbach.

Anzeige ist erstattet

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Vorfalls hatte die Verwaltung eine Anzeige erstattet. Ob die Tat einen politischen Hintergrund hat, kann dabei bisher nur vermutet werden. Die Polizei schließt dies nicht aus. Zumal in der Vergangenheit mehrere Denkmäler angegriffen worden seien. Ein Bekennerschreiben ist bislang noch nicht bei der Stadtverwaltung eingetroffen, gibt Fischbach Auskunft. Was indes für eine politische Motivation spricht, ist die Verwicklung Nachtigals in die Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreiches. Als Reichskommissar für West-Afrika war der Afrika-Forscher im Jahre 1884 an der Errichtung der deutschen Herrschaft über die Gebiete des heutigen Togos und Kameruns unmittelbar beteiligt.

Diskussionen in Berlin

Außerdem beglaubigte er Adolf Lüderitz dessen unrechtmäßig erworbenen Ländereien im heutigen Namibia, dem späteren Deutsch-Südwestafrika.

Im Berliner Stadtteil Wedding tobt deshalb seit einigen Jahren eine emotionale Debatte um die Umbenennung des dortigen Nachtigalplatzes. Die zuständige Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Mitte hatte im Dezember 2016 für eine Änderung gestimmt. Statt an Nachtigal soll der Platz an Manga Bell erinnern, den König des Duala-Volkes in Kamerun während der deutschen Kolonialzeit. Hunderte Anwohner reichten daraufhin Widerspruch ein. Sie wollen stattdessen eine Umwidmung der Straßennamen erreichen. Bis heute ist die Umbenennung nicht vollzogen.

Inwieweit Gustav Nachtigal als skrupelloser Kolonialist gelten kann, ist allerdings auch in der historischen Forschung umstritten.