Tangermünde l Es gibt zahlreiche Ideen und Vorschläge, um den Tangermünder Hafen von seiner Schlamminsel zu befreien. Zwischen 500 000 Euro und fast vier Millionen Euro könnte das die Stadt kosten.

„Ich kann mich noch daran erinnern, wie früher Förderbänder den Schlamm aus dem Hafen auf die Felder transportiert haben“, erinnerte sich jetzt eine Griebenerin. So einfach geht das heute nicht mehr. Warum? Darauf hat Bürgermeister Jürgen Pyrdok (parteilos) eine Antwort. Die Meinungen über den Schlamm seien sehr, sehr unterschiedlich. Im Laufe der Jahre habe er Spezialistenmeinungen gehört, die einerseits behaupten, dass der Schlamm völlig harmlos sei und deshalb als Heilschlamm verwendet werden könne.

Andererseits werde von belastetem Schlamm gesprochen, der auf keinen Fall einfach irgendwo hin gekippt werden könne. Er selbst könne sich nicht vorstellen, dass der Schlamm, der sich direkt hinter dem Tangerwehr im Hafen türmt, giftig sei. „2000 wurde hier alles ausgebaggert“, berichtet er. Damit müsste alles, was aus DDR-Zeiten noch auf dem Grund gelegen hätte, weg sein. „Allerdings sind wir nicht die, die das beurteilen können“, gibt er zu verstehen.

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Das bedeutet: Die Verwaltung benötigt von den zuständigen Stellen eine Genehmigung für die derzeit von Rat und Verwaltung favorisierte Variante zur Schlammentsorgung. Diese kostet nach ersten Schätzungen etwa eine halbe Million Euro, befördert den Schlamm über Pumpen gen Elbe. Die Menge der Schlammbeförderung könne gesteuert werden.

Schlamm aus Hafen pumpen

Nach der Vorstellung des Prinzips wäre es möglich, den Schlamm innerhalb weniger Wochen aus dem Hafen zu pumpen. Das ist allerdings praktisch nicht umsetzbar, da sich der Schlamm dann in der Elbe zu einer Barriere auftürmen würde. Deshalb müsse der „Abbau“ so gesteuert werden, dass die Elbe die Gelegenheit hat, den Schlamm mitzutragen.

Um eine Genehmigung für diese Variante zu bekommen, die auch für die Zukunft den Hafen schlammfrei halten könnte, habe Tangermünde jetzt gemeinsam mit dem IHU Stendal (Ingenieurbüro für Hydro- und Umweltgeologie) Anträge beim Umweltamt in Stendal gestellt. Dieses habe den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) einbezogen.

Dieser, so erklärte der Bürgermeister, sei zuständig für die Wasserqualität. Von dort erwarte die Stadt eine Antwort. Sowohl das Wasser- und Schifffahrtsamt als auch die Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft wären in die Pläne der Stadt involviert und hätten keine Sorgen damit.

Fachbeitrag als Entscheidungshilfe

„Das Problem ist die Gesamtbetrachtung“, erklärt Jürgen Pyrdok die derzeitige Hürde. Um diese zu nehmen, hatte er in der vergangenen Woche Kontakt zum „biota“ – dem Institut für ökologische Forschung und Planung – aufgenommen. Das werde jetzt anhand der vorliegenden Unterlagen, Untersuchungen und Konzepte einen „Fachbeitrag“ erarbeiten.

Darin würden Fragen beantwortet werden, welche Auswirkungen das Einleiten des Schlamms in die Elbe auf die Wasserqualität, die Biologie im Fluss und andere Komponenten hätte. Kann sich die Kommune diesen Fachbeitrag finanziell leisten, ist damit ein weiterer Schritt getan, der den LHW in der Entscheidungsfindung unterstützen könnte.

„Erst wenn wir die Genehmigung für das Einleiten des Schlamms haben, wissen wir, was uns die Entsorgung kosten wird. Und damit können wir bei Land und Bund finanzielle Unterstützung beantragen“, zeigt Jürgen Pyrdok den für die Stadt noch zu gehenden Weg auf.