Karneval

Prunksitzung: Horror hat viele Gesichter

In einem ausverkauften Festsaal hielt der Wahrburger Carneval-Club seine erste Prunksitzung der 38. Session in Stendal ab.

Von Thomas Pusch 20.02.2017, 00:01

Stendal l Auch bei der ersten Prunksitzung der laufenden Session des Wahrburger Carneval-Clubs ließ Oberbürgermeister Klaus Schmotz ein Thema nicht los, das ihn schon seit einigen Monaten beschäftigt: die Stendaler Briefwahlfälschung. Ein Sketch stellte eine Stadtratssitzung in den Mittelpunkt, in der über eben jenes Thema diskutiert wurde. Die Debatte endete mit einer Kissenschlacht und der Räumung des Saals. Nicht des ausverkauften Festsaals des „Schwarzen Adlers“, der grölte vor Freude, sondern nur des imaginären Saals auf der Bühne. Die Uchte-Lerchen griffen die Wahlfälschung in einer geänderten Version des Anti-Kriegsliedes „Sag mir, wo die Blumen sind“ auf, in der es unter anderem heißt: „Sag mir, wo die Stimmen sind, Wahlfälscher nahmen sie geschwind. Wann wird man je versteh‘n, wann wird man je versteh‘n?“

Doch das waren nicht die einzigen politischen Programmpunkte. Anton und Grete blickten von Wolke 7 auf die Stadtpolitik und Uli Metzler wurde als Ausrufer zu Donald Trump und schilderte einen Besuch der Simpsons, der im Hintergrund von köstlich kostümierten Darstellern in Szene gesetzt wurde. Seine Empfehlung lautete: „Wählt Bart Simpson zum Bundeskanzler“. Ruhe ins Comic-Chaos kam erst durch Udo Lindenberg (Ute Metzler-Engel), der versprach: „Ich werde mich nicht ändern.“

Doch es gab nicht nur die ernsten und nachdenklichen Momente während der gut zweieinhalbstündigen Sitzung, sondern auch die heiteren und ausgelassenen. Rosalinde Nonbell (Carola Grünkorn) erzählte von ihren Erlebnissen auf einer Schönheitsfarm, die Tanzmäuse schilderten, wie es ist, wenn Teenies das erste Mal auf Party gehen und die Uchte-Lerchen forderten in Anlehnung an Mickie Krause „Reiß den Adler ab“ und erinnerten an einen Roberto-Blanco-Hit mit „Ein bisschen Gras muss sein“.

Der WCC bekennt sich zur karnevalistischen Tradition und so fehlen auch die üblichen Protagonisten nicht. Das Prinzenpaar Philipp II. und Annika I. proklamierte die Kussfreiheit, die Große Stendaler Tanzgarde Grün/Weiß brachte viel Schwung auf die Bühne und die mehrfachen Landesmeister im karnevalistischen Tanz, Robert Gordon Kruft und Angelina Schäfer, zeigten ihr Können.

Die 38. Session steht unter dem Motto „Beim WCC erlebt ihr Sensationen – mit Monster, Mumien und Mutationen“. Das griff das Showballett auf, das die Bedrohung durch einen gefährlichen Tanzvirus choreografisch mitreißend umsetzte. Furioser Schlusspunkt war der Auftritt des Männerballetts, dem amtierenden Altmarkmeister. Waghalsige Figuren brachten das Publikum zum Grölen und erst nach einer Zugabe durften sie, genau wie das Showballett und viele andere zuvor, die Bühne verlassen.