Stendal l Sicherlich, Sorgen, Trubel und Aufregung hat auch die Bahnhofsmission in Stendal. Doch warum nicht einfach mal nur gute Nachrichten übermitteln? Dachte sich Leiterin Annette Seher und teilte mit der Volksstimme ihre Freude zum Beispiel darüber, dass „unser Bufdi für ein halbes Jahr verlängert wurde“. „Unser Bufdi“ – das ist seit Anfang 2019 die 57-jährige Elke Tilgner, die sich damit zumindest vorübergehend aus der Langzeitarbeitslosigkeit herausmanövriert hat. „Sie hat sich hier sehr bewährt, ist ein Plus auf allen Seiten und vor allem unentbehrlich für unsere Statistik.“ Annette Seher ist voll des Lobes – und Elke Tilgner selbst sagt lächelnd: „Ich freue mich auf das halbe Jahr mehr, es ist ein richtig schönes Arbeitsklima hier, man kann sich auf alle verlassen.“

Diese Begeisterung teilt wortlos, aber strahlend-nickend Manuela Krüger, die seit Juni zum achtköpfigen Team der Bahnhofsmission gehört. Die 51-Jährige, ebenfalls langzeitarbeitslos, hat hier über ein spezielles Programm der Arbeitsagentur für fünf Jahre eine feste Stelle.

Plastikmüll vermeiden

Zu diesen personellen Erfreulichkeiten kommt für Annette Seher nun noch die, dass die Stendaler Bahnhofsmission seit dieser Woche offizielle „Refill-Station“ ist. Man kann sich also (zumindest zu den Öffnungszeiten Mo-Fr 8.30-16.30 Uhr) kostenlos Trinkwasser in eine mitgebrachte Flasche füllen lassen. „Wir haben einen Spender an die Trinkwasserleitung angeschlossen, so dass man das Wasser auch gekühlt oder mit Sprudel bekommen kann.“ Das Gerät ist eine Spende einer Firma. Bei Refill mitzumachen, ist Annette Seher ein Herzensanliegen. „Es geht darum, Plastikmüll zu vermeiden und zu zeigen: wir haben gutes Trinkwasser.“

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Der Weg zum kostenlosen Wasser führt derzeit allerdings statt über den Bahnsteig 1, der wegen Bauarbeiten länger gesperrt ist, über den Bahnhofsvorplatz. Rechts des Haupteingangs befindet sich nun die Tür zur Bahnhofsmission.

46.800 Euro für den Dienst

Und eine weitere gute Nachricht ist natürlich, dass die Bahnhofsmission im Haushalt des Evangelischen Kirchenkreises Stendal, der seit 2012 die Trägerschaft hat und sie damit überhaupt erst ermöglicht hat, ein fester Posten ist. 46.800 Euro sind im kommenden Jahr eingeplant, den Großteil machen Personalkosten aus, die wiederum großteils über einen Zuschuss der Arbeitsagentur gedeckt werden. Einen guten Anteil der Einnahmen machen Spenden und Kollekten aus, hier kamen in diesem Jahr knapp 3500 Euro zusammen.

Menschen statt Automaten

Für Kirchenkreis-Chef Michael Kleemann ist die Bedeutung der Bahnhofsmissionen heute nicht geringer als zu ihrer Gründungszeit Ende des 19. Jahrhunderts. „Bahnhofsmissionen sind sozialdiakonische Anlaufstellen mit einem niederschwelligen Angebot, Stichworte Wärme, Essen, menschliche Nähe. Sie werden unter anderem genutzt von Menschen in prekären Lebensverhältnissen oder von Einsamkeit betroffenen oder anderweitig auf der Suche befindlichen.“ Die Ehren- und Hauptamtlichen dort bieten zudem Reisehilfen für Menschen mit unterschiedlichen, auch altersbedingten Handicaps an.

„Wir hoffen sehr“, so Kleemann, „dass es uns auch weiterhin gelingt, dieses wichtige Angebot auf dem Stendaler Bahnhof aufrechtzuerhalten. In einer Zeit, wo der Service auf Bahnhöfen durch lebendige Menschen zugunsten von Automaten reduziert wird, sind unsere ‚Bahnhofsmissionare und -missionarinnen‘ in ihren blauen Westen wichtiger denn je.“

Ein gemütliches Kennenlernen der Stendaler Bahnhofsmission und ihrer Mitarbeiter ist am Sonntag, 1. Dezember, möglich. Um 15 Uhr beginnt dort ein Adventskaffee mit Andacht und Musik.