50 Jahre Stadtsee

Roland-Ärztehaus in Stendal-Stadtsee ist in der neuen Zeit angekommen

Vor 50 Jahren wurde der Grundstein für den ersten Plattenbau in Stendal-Stadtsee gelegt. In einer Serie blickt die Volksstimme zurück auf die Geschichte dieses besonderen Stadtteils.

Von Antonius Wollmann 09.07.2021, 18:02
Zwar nicht mehr Poliklinik, trotzdem vor allem medizinisch genutzt: Das Roland-Ärztehaus ist lebendiger denn je. Mittlerweile gibt es sogar ein Café in dem Gebäude.
Zwar nicht mehr Poliklinik, trotzdem vor allem medizinisch genutzt: Das Roland-Ärztehaus ist lebendiger denn je. Mittlerweile gibt es sogar ein Café in dem Gebäude. Foto: Gerhard Draschowski

Stendal - Erzählt Apotheker Christoph Schäfer von seiner Verbundenheit mit dem Stadtteil Stendal-Stadtsee, hat man als Zuhörer nicht das Gefühl, dass er einem etwas vormachen möchte. Aufgewachsen ist er hier und zur Schule gegangen, eher er Ende der 80er Jahre als talentierter Schwimmer an die Sportschule Magdeburg delegiert wurde. Nach Jahren des Studiums der Pharmazie in Halle und einer beruflichen Station in Berlin ist er vor drei Jahren wieder dorthin zurückgekehrt, wo alles angefangen hat.

Ein eigener kleiner Kiez

Jeden Tag verbringt er fast zwölf Stunden in dem Gebäude, das den meisten Stendalern als Roland-Ärztehaus bekannt ist. Dort geht Stadtsee II langsam aber sicher in Stadtsee III über. Ein großer Farbtupfer inmitten vieler grauer Blöcke. Hinter dem Tresen bedient er die Kunden, sorgt aber auch dafür, dass hinter den Kulissen alles seinen Gang geht.

Im Erdgeschoss befinden sich seit fast genau 30 Jahren die Räume der Apotheke, die sein Vater Rolf-Dieter nach der Wende gegründet hat. Angesichts der Veränderungen, die über das Viertel seit den 90er Jahren hinweggegangen sind, alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Vor mehr als 40 Jahren als Poliklinik für das Kernkraftwerk gebaut, hat das Gebäude die Zeiten überdauert. Dem Schicksal vieler anderer stilprägender Bauten, die im Laufe der Jahre verschwanden, ist das Ärztehaus entgangen. Im Lauf der Zeit ist es sogar noch gewachsen. 1996 kam ein Anbau dazu.

Mittlerweile befinden sich 35 Arztpraxen in dem Bauwerk, ein Pflegedienst, dazu ein Kosmetiksalon und ein Café. Ein geologisches Untersuchungslabor ist ebenfalls hier beheimatet. 250 Menschen verdienen ihr Geld in dem imposanten Gebäude. Fast ist es ein eigener kleiner Kiez geworden. Eine eigene Marke sowieso schon längst. Wie viele Menschen hier jeden Tag ein und ausgehen, kann man nur schätzen. Dass aber eine vierstellige Zahl zusammenkommt, ist alles andere als abwegig.

„Wir empfangen jeden Tag Hunderte Kunden“, sagt Christoph Schäfer. Aus dem gesamten Landkreis würden die Menschen kommen. Gleichzeitig spiegele sich die Vielfalt des Stadtteils in seinen Räumen wider. „Wir haben Menschen mit Migrationshintergrund hier, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland zuhause sind. Manch einer lebt hier aber seit 40 Jahren und kommt seit 30 Jahren zu uns, um sein Rezept einzulösen“, sagt der Apotheker.

Diese Mischung passe nur zu gut zu dem Gebäude, in dem sich Tradition und Moderne treffen. Wer die Treppen in die modernen Praxisräume empor steigt, blickt auf die Wandgemälde aus den 70er Jahren. „Mir gefällt dieser Gegensatz. Dass man die Vergangenheit spüren kann und trotzdem die Zeit nicht stehen geblieben ist“, sagt Christoph Schäfer.

Kein Wunder, dass das Ärztehaus so gut in den Stadtteil passt.

Um die medizinische Versorgung der KKW-Mitarbeiter zu sichern, wurde die Poliklinik Ende der 70er Jahre gebaut.
Um die medizinische Versorgung der KKW-Mitarbeiter zu sichern, wurde die Poliklinik Ende der 70er Jahre gebaut.
Archivfoto: Volksstimme
Christoph Schäfer führt die Roland-Apotheke in Stendal in zweiter Generation.
Christoph Schäfer führt die Roland-Apotheke in Stendal in zweiter Generation.
Foto: Antonius Wollmann