Stendal l Fünf Buchstaben waren es, die Uwe Bliefert, Sachgebietsleiter Sport in der Stendaler Stadtverwaltung, als Überschrift für seine Abschiedsrede wählte: "D, a, n, k und e". Das sagt viel aus über den Mann, der fast 30 Jahre lang in der Verwaltung tätig war, stets ohne Allüren und immer mit guten Ideen. Der Tag des Abschieds habe bei ihm in der Herzgegend einen besonderen Platz eingenommen, gestand er. "Es war eine gute Zeit, jetzt aber eine umfangreiche Bilanz zu ziehen, würde den Zeitrahmen sprengen", sagte er. Einen kurzen Blick in die Vergangenheit warf er denn aber doch.

Viele Veranstaltungen geprägt

Nach der Wende sei die Zeit gewesen, in der vieles neu durchdacht und anders strukturiert wurde. Auch Uwe Bliefert, der zu jener Zeit Lehrer für Mathematik und Sport am Hildebrand-Gymnasium gewesen war, entschied sich für einen Neuanfang. Den suchte der Mittdreißiger, der am 8. August 1955 in Osterode am Fallstein geboren wurde, zehn Jahre später in die Altmark, nach Schorstedt, kam

In der Stadtverwaltung hatte er etwas, "was man heute als geschmeidiges Gespräch bezeichnen würde". Allerdings wurde es nicht das Jugendamt wie gewünscht, sondern das Schul- und Sportamt. Und damit auch ein recht umfangreiches Arbeitsfeld, zu dem unter anderem die Krippenverwaltung, die Schul- und Kindergartenverwaltung sowie der Sportstättenbetrieb gehörten. "Zum Stichtag 30. April 1991 hatten wir 528 Mitarbeiter in meinem Bereich", gab er eine Größenordnung. Viele Handlungsabläufe von damals seien heute nicht mehr vorstellbar. Unter der Sonne Sri Lankas wolle er das alles einmal aufschreiben.

Ehrenamtlich fürs Sportmuseum

Viele Veranstaltungen sind mit Uwe Blieferts Namen verbunden. Der Challenge Day mobilisierte 1996 die Stendaler. Dabei ging es darum, dass sich möglichst viele Einwohner einer Stadt innerhalb von 24 Stunden sportlich beteiligen. In Stendal waren 23 145 sportliche Betätigungen gemeldet, die Stadt landete damit auf dem sechsten Platz - von sieben. Ein Jahr später koordinierte Bliefert die Aktivitäten beim Sachsen-Anhalt-Tag in der Stadt. Sportlerehrungen, Behördenturniere in Fuß- und Volleyball, Weltkindertage, Stadtseeläufe, Werfergala, Hanse-Cup, die Partnerschaft mit Lemgo und Pulawy - die Liste der Aktivitäten, in die sich Bliefert prägend eingebracht hat, ist lang.

Und ganz so passiv wird er auch im Ruhestand nicht sein. So sagte Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) daher auch nicht "servus", sondern "dankeschön für viele Jahre gemeinsame Arbeit" und kündigte an, dass sich Bliefert als Ehrenamtlicher um die Einrichtung eines Stendaler Sportmuseums kümmern werde.

Schmotz erinnerte an zwei Redewendungen, die zum Markenzeichen des scheidenden Verwaltungsmitarbeiters geworden waren. Zum einen das einprägsame "Sport verbindet", zum anderen der Grundsatz, dass "wer auf den Platz geht, gewinnen wollen, aber auch verlieren können muss".

Eintrag ins Goldene Buch

Die größte Ehre wurde Bliefert allerdings per Videobotschaft zuteil. Aus Freundschaft hatte der ehemalige Geschäftsführer des Kreissportbundes, Siegfried Wille, einige Stimmen eingefangen. So bekundete Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), dass Bliefert für ihn natürlich der Sportminister von Stendal sei. Weitere Grüße kamen unter anderem von Boxtrainer-Legende Ulli Wegner, "Mach mit, mach's nach, mach's besser"-Moderator Adi und Diskusolympiasieger Jürgen Schult.

Wenige Tage zuvor war ihm eine noch größere Ehre zuteil geworden, Bliefert durfte sich im Rahmen der Sportlerehrung in das Goldene Buch der Hansestadt eintragen. Als er davon sprach, stockte ihm die Stimme. Wieder ein Moment, der eine Menge über Uwe Bliefert aussagte, genau wie sein Schlusswort: "Vielen Dank, bleibt gesund, euer Uwe".