Stendal l Am Wochenende gibt es wieder das große Treffen der Winckelmann-Gesellschaft in Stendal. Teilweise reisen Teilnehmer dazu aus Italien, der Türkei, Liechtenstein und anderen Ländern an und dokumentieren so die internationalen Aktivitäten, die es um Stendals berühmtesten Sohn, den Altertumswissenschaftler Johann Joachim Winckelmann (1718-1768), gibt. „Wir intensivieren gerade unsere Beziehungen nach Triest“, sagt Professor Max Kunze, der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft. In der italienischen Stadt wurde unlängst das zweite Winckelmann-Museum der Welt eröffnet.

Apropos Museum. In Stendal läuft der Betrieb des neuen Museumsbaus mit seiner neu gestalteten Ausstellung und des Familienmuseums seit genau einem Jahr. „Das Ausstellungskonzept funktioniert gut“, sagt Kunze. Besucher melden oftmals begeistert zurück, dass sie etwas verstehen. Und das beste Lob sei es, wenn sie wiederkommen.

Besucherzahl blieb hinter Erwartungen zurück

Mit den Besucherzahlen sind die Verantwortlichen beim Museum allerdings noch nicht zufrieden. Es werde bis Ende des Jahres mit rund 12.000 Besuchern gerechnet. „Das ist noch nicht das, was wir uns vorstellen“, sagt Kunze. Er hat aber auch eine Erklärung, warum das erste Jahr nach der Neueröffnung noch nicht den Erwartungen entsprach.

„Das Außengelände mit seinen Attraktionen für Kinder ist noch nicht fertig“, sagt Kunze. Insbesondere das orginalgetreue Trojanische Pferd muss noch zusammengesetzt werden. Beim Abbau vor drei Jahren hatte sich das Metall-Holz-Gebilde als sanierungsbedürftig erwiesen. Als Schwierigkeit hatte sich dabei herausgestellt, dass die Braunschweiger Firma, die diese Attraktion gebaut hatte, die Pläne dafür nicht mehr herausgeben wollte. Nun soll das neue Trojanische Pferd zum Ende des Jahres montiert und dann voraussichtlich im April des kommenden Jahres eröffnet werden. 80.000 bis 90.000 Euro sind dafür veranschlagt. Das Geld wird hauptsächlich aus Spenden zusammengebracht.

Wenn das Holzpferd steht, sollen damit Kinder und Jugendliche angezogen werden. Die Besucherzahlen sollen damit auf 18.000 bis 20.000 steigen, ist Kunze zuversichtlich. Schon vor dem Um- und Erweiterungsbau machten Kinder zwei Drittel der Besucher aus, in diesem Jahr waren es nur ein Drittel.

Offene Baustellen im Altbau

Größere Sorgen als die Fertigstellung des Außengeländes, das rund 130.000 Euro kostet, bereiten dem Präsidenten andere Baustellen.

So seien zahlreiche Lagerräume, der Keller und das Dachgeschoss sowie die Fenster des historischen Museumsbaus noch nicht saniert worden. „Das war eigentlich alles vorgesehen“, sagte Kunze. „Aber urplötzlich waren die Bauarbeiter verschwunden.“

Insbesondere die unsanierten Räume sind ein Problem, da dadurch Lagermöglichkeiten für Exponate und Sammlungen fehlen, die aktuell nicht gezeigt werden. „Wir haben zwei ausgelagerte Depots“, so Kunze. Er hoffe, dass es bald einen Zeitplan dafür gebe, wann auch die genannten Arbeiten noch verrichten werden. „Seit 1979 wurde an dem Gebäude nichts gemacht“, sagt Kunze. Die Stadt ist Eigentümer und die Winckelmann-Gesellschaft Mieter.

Derweilen zerbricht man sich bei der Stadt insbesondere über den Zuschuss zum Museums-Neubau den Kopf. Der städtische Anteil beträgt rund 1,2 Millionen Euro, inklusive Erhöhungen. Allerdings sollte 90 Prozent vom Land zurückfließen. Doch in der Hinsicht ist Sand im Getriebe. Nach Volksstimme-Informationen hat die Stadt keine Zusage in voller Höhe in Aussicht.