Stendal l In 95 Prozent aller Fälle sollen Rettungskräfte innerhalb von zwölf Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein. So sieht es das Gesetz vor. Im Landkreis Stendal wird diese Quote schon lange nicht mehr erreicht, sie sei in den vergangenen Jahren sukzessive abgesunken, sagte Sebastian Stoll (CDU) am Dienstag im Kreisausschuss. 2017 lag die Quote nur noch bei 68 Prozent der Fälle, in denen die Einsatzkräfte die Zeit einhalten konnten. Der 2. Beigeordnete des Landrates stellte die geplante neue Struktur für den Rettungsdienst vor.

„An allen Standorten wird sich was ändern, und es kommen neue Standorte hinzu“, sagte Stoll im Ausschuss. Der drastisch niedrige Wert bei der Erfüllung der Hilfsfrist habe den einzigen Vorteil, dass damit nun ein radikaler Schnitt möglich sei. Der Landkreis sei zwar Träger des sogenannten bodengebundenen Rettungsdienstes, die Kosten würden jedoch die Krankenkassen bezahlen. „Wir haben die Verhandlungen schon geführt. Das Konzept, wie wir es uns vorstellen, wird von den Krankenkassen mitgetragen und auch bezahlt“, sagte Stoll.

Vier neue Standorte

Da es zusätzliche Standorte in Iden, Klietz, Windberge und Stendal geben wird, muss mehr Personal da sein. „Dies sind etwa 40 zusätzliche Mitarbeiter“, schätzt Stoll ein. Bei der Finanzierung der Notärzte ist die Kassenärztliche Vereinigung beteiligt, auch das sei bereits geklärt.

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Aber auch in die Rettungswache wird investiert. An allen Standorten sollen neue Gebäude entstehen. „Wir haben derzeit keine Rettungswache, die den DIN-Normen entspricht“, sagte der Beigeordnete.

Allerdings sollen die Gebäude weder von den Krankenkassen noch vom Landkreis selbst bezahlt werden. Hier sieht das Konzept vor, dass Investoren auf den Plan treten und die Gebäude hinstellen und im Gegenzug langfristige Mietverträge zwischen zehn und 15 Jahren mit dem Landkreis abschließen können. „Wenn man das genau kalkuliert, dann ist das durchaus lukrativ“, sagte Stoll. Die Gebäude werden zwischen 500.000 und 700.000 Euro kosten.

„Wir brauchen mindestens ein Jahr, ehe wir die erste Wache bauen können“, sagte Stoll. Teilweise würden Mietverträge – so in Osterburg – bis 2024 laufen. Das bedeute allerdings nicht, dass zu diesem späten Zeitpunkt die letzten Rettungswachen erneuert werden. „Wir wollen alles so schnell wie möglich umsetzen und müssen teilweise eine Umnutzung von Gebäuden planen, wenn es dort längerfristige Mietverträge gibt“, so Stoll.

Man werde in drei Stufen an die Umsetzung gehen, da zum neuen Rettungsdienst nicht nur neue Gebäude und Standorte gehören, sondern auch zusätzliche Einsatzfahrzeuge. So soll bereits in einer ersten Stufe ab Oktober ein zweiter Rettungswagen eingesetzt werden. In Stendal soll es ab Anfang Januar 2019 ein zweites Notarztfahrzeug und ab Juni 2019 einen zusätzlichen Rettungswagen geben. Außerdem soll dort an der Arneburger Straße, nahe der B 189, eine neue Rettungswache gebaut werden.

Die Zahl der Rettungswagen wird im Landkreis von derzeit acht auf 13 Fahrzeuge steigen. Zu den derzeit vier Notarzt-Fahrzeugen kommt eines hinzu.

Auf die Frage im Ausschuss, in wiefern denn die neue Autobahn schon in das Konzept einbezogen sei, musste Stoll bei der Antwort etwas ausholen. „Bei der Analyse konnten wir die Autobahn noch nicht berücksichtigen“, sagte Stoll. Allerdings sei bei der Festlegung der Standorte sehr wohl die geplante Autobahn berücksichtigt worden. Sowohl in Seehausen als auch in Osterburg und Windberge sollen Rettungswachen dicht an Autobahnauffahrten gebaut werden. Allerdings könne zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, wo es möglicherweise Unfallschwerpunkte geben könnte. „Möglicherweise müssen wir da dann nachjustieren“, so Stoll. Allerdings sei in solchen Fällen auch zunächst die Straßenbaubehörde in der Pflicht, um gegenzusteuern.

Mit Blaulicht getestet

Grundsätzlich solle die neue Struktur des Rettungsdienstes für die kommenden ein, zwei Jahrzehnte tragfähig sein, sagte Stoll. Natürlich müsse an der einen oder anderen Stelle was geändert werden, wenn es größere Veränderungen an der Siedlungsstruktur gebe.

Allerdings sei der Landkreis äußerst dünn besiedelt und da müssten teilweise Rettungswachen gehalten werden, wenngleich die Einsatzzahlen dieses nicht unbedingt hergeben würden. Dies betreffe beispielsweise Klietz, wo eine neue Wache entstehen soll. „Da mussten wir gegenüber den Krankenkassen ganz gut argumentieren“, so Stoll. Allein die Hochwassersituation 2013 habe deutlich vor Augen geführt, wie problematisch es in dem Bereich wurde, als die Elbbrücke bei Tangermünde für mehrere Wochen nicht querbar war.

Mit der neuen Struktur werde man künftig die gesetzliche Hilfsfrist weitgehend immer einhalten können. Man habe sogar schon Praxistests durchgeführt, sagte Stoll. „Wo uns Zahlen in der Studie nicht realistisch erschienen, sind wir die Strecken abgefahren.“ Dabei sei mit Blaulicht gefahren worden, um einen realen Fall zu simulieren.