Stendal l Planungen, Genehmigungsverfahren, Fördergeldverfahren, Ausschreibungen und möglicherweise Rügen von unterlegenen Unternehmen, die dann geprüft werden müssen, damit verbundene Stillhaltefristen – da kommen nicht nur einige Wochen zusammen, die ins Land ziehen und Vorhaben verzögern, sondern Monate und auch Jahre. Für den Zweckverband Breitband Altmark kann dessen Geschäftsführer Andreas Kluge nicht nur ein Lied darüber singen.

„Diese Zeitverzögerungen haben wir nicht zu verantworten, sie liegen im System“, sagte er am vergangenen Donnerstag im Ausschuss für Bau, Verkehr und digitale Infrastruktur des Stendaler Kreistages. Ein zweiter Grund für die Verzögerungen sei „ein kompletter Strategiewechsel“ gewesen. Denn nachdem im damaligen Cluster 1 schon 1135 Anschlüsse im Raum Arneburg und im Elb-Havel-Winkel geschaffen worden waren, wurden andere Telekommunikationsunternehmen aktiv – und der Zweckverband musste reagieren. Aus den bis dahin geplanten acht Clustern wurden drei Projektgebiete, es wurde Fördergeld von Land und Bund in Millionenhöhe eingeworben.

Doch nun soll es mit dem Vorhaben, die bisher unterversorgten Regionen der Altmark mit einem zukunftsfähigen und flächendeckenden Glasfasernetz zu erschließen, richtig losgehen. Im Verbandsgebiet könnten zirka 30.000 Anschlüsse realisiert werden, eine Anschlussquote von 50 Prozent sei realistisch, so Kluge.

Paralleles Arbeiten in Projektgebieten

Für die ersten drei konkreten Vorhaben sind die Benachrichtigungen raus. Denn in jedem der drei Projektgebiete wird mit einem Baulos begonnen, informierte Kluge. Dieses parallele Arbeiten soll fortgesetzt werden. Auch auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern wollte sich der Verbandsgeschäftsführer aber nicht zur konkreten Reihenfolge äußern, welcher Bereich wann an der Reihe ist.

„Wir wollen keine Erwartungen wecken“, bat Kluge um Verständnis, denn für den Gesamtzeitraum betrachtet könne es immer Verschiebungen geben, zum Beispiel durch Munitions- oder archäologische Funde, oder auch einen kurzfristigen Tausch der Bereiche, die erschlossen werden sollen.

Im Landkreis Stendal geht es mit Tangermünder Ortsteilen im Projektgebiet 1 und mit Orten des Bereiches Bismark Nordost im Projektgebiet 2 los. „Einer muss nun mal der Erste sein“, sagte Andreas Kluge. Für Tangermünde habe zum Beispiel gesprochen, dass „schon vieles im Boden ist“. Das Vorhaben lasse sich dort also recht zügig umsetzen. Auch, weil das Genehmigungsverfahren schnell abgeschlossen werden konnte und weil es eine „extrem hohe Anschlussquote“ gibt. Ende Januar ist die europaweite Ausschreibung für die Vorhaben rausgegangen. Erst nach der Ausschreibung könne gesagt werden, in welcher Reihenfolge die einzelnen Orte in besagtem Gebiet abgearbeitet werden, so Kluge. Denn darüber entscheide die beauftrage Baufirma. Die bekommt vom Verband nur den zeitlichen Rahmen vorgegeben.

Kein Grund für Pessimismus

Da es regelmäßig Anfragen von Tiefbaufirmen gegeben hat, schaut Andreas Kluge dem Ausgang der Ausschreibung zwar „nicht zu optimisch“ entgegen, „ich teile aber auch den Pessimismus nicht“. Denn die Investitionen des Zweckverbandes – insgesamt sind aktuell 141 Millionen Euro vorgesehen – hätten eine Größe, die selbst eine ländliche Region wie die Altmark für Unternehmen interessant machen dürfte.

Für den Bereich Tangermünde ist geplant, im Mai dieses Jahres den Zuschlag an die Baufirma zu vergeben. Alle zwei Monate soll eine neue Ausschreibung erfolgen, „mehr Tempo ist nicht drin“, erklärte der Geschäftsführer. Es wird immer ein Los pro Baugebiet vergeben.

Wenn der Zweckverband genau weiß, wann es wo weitergeht, werden die Einwohner informiert. An einer rechtzeitigen Information ist der ZBA selbst interessiert, weil bis zu vier Wochen vor Baustart noch Vorverträge abgeschlossen werden können. „Wenn der Bagger in der Straße steht und es losgeht, sind keine Vorverträge mehr möglich“, so Kluge, denn dann sei der Auftrag für dieses Baulos vergeben.

Projektleiter bezieht Büro im Stendaler BIC-G

Das große Ziel heißt Mitte 2022. Dann will der Zweckverband „mit allem durch“ sein. Auch nach Abschluss aller Arbeiten werde der ZBA bestehen bleiben, sagte Kluge auf eine Frage von Ausschussmitglied Tiemo Schönwald (FDP). Denn der Verband habe die Hoheit über das Netz, das gepflegt und verwaltet werden muss.

Wenn es mit den Bauarbeiten losgeht, wird Ronald Haag, Leiter für das Projektgebiet 1, ein Büro im BIC-Gebäude in Stendal beziehen.

Noch ist sein Arbeitsplatz in Salzwedel, wo der Zweckverband, ein Zusammenschluss von Kommunen und der beiden altmärkischen Landkreise, seinen Sitz hat.