Stendal l Ein irritierender Moment: Eine ältere Schülerin, die am Bühnenrand sitzt, wird von einem jüngeren darauf hingewiesen, doch ein bisschen zur Seite zu rücken, damit die Leute, die auf die Bühne gehen, auch durchkommen. Die Schülerin giftet ihn recht barsch an, was er wolle. Dieser Moment wäre nicht weiter erwähnenswert und pubertär-normal, wenn er nicht ausgerechnet während einer Veranstaltung auffällt, bei der es um einen respektvollen Umgang mitein­ander geht.

Die Diesterweg-Sekundarschule – jedenfalls mindestens 70 Prozent der Schüler, Lehrer und weiteren dort Tätigen – hat sich dazu verpflichtet, aktiv gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule einzutreten, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekte zum Thema durchzuführen. Diese Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft geht einher mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, der nun am 24. Mai 2019 vom Netzwerk für Demokratie und Toleranz in Form eines Schildes verliehen wurde.

Nicht "von oben" aufgedrückt

Die 16-jährige Angelika Kacz­marek aus der Klasse 9c findet das Ganze wichtig, „weil es ein aktuelles Thema ist und man sieht, welche Auswirkungen es in der Gesellschaft hat“. Während sie von Anfang an von der Sache überzeugt war, gab es durchaus Schüler, die zunächst nichts damit anfangen konnten - oder bis heute nicht können.

Wer allerdings vermutet, dies sei eine „von oben“ aufgedrückte Sache, der irrt. Schulleiterin Silvia Mattner: „Hier wurde keiner gezwungen und vor allem war es allein die Ini­tiative der Schüler, sich um diesen Titel zu bewerben.“ Der Impuls dazu ging von Schülersprecher Leon Tuchen aus der 10b aus, der die anderen Klassensprecher aktivierte, die dann nicht nur die Unterschriftensammlung bewerkstelligt haben, sondern die Antragstellung überhaupt. Begleitet wurden sie dabei vom Verein Kinderstärken als Regionalkoordinator und den Schulsozialarbeiterinnen.

Für ein gutes Schulklima

Der Titel habe nichts damit zu tun, dass man etwa besonders große Probleme mit Rassismus oder anderweitiger Diskriminierung hätte, sagt Mattner. „Es geht uns vor allem um ein gutes Schulklima und ein friedliches Miteinander.“ Und dazu gehöre auch, wie Cornelia Habisch von der Landeszentrale für politische Bildung sagte, „dass niemand herabgesetzt wird und Angst vor seinen Mitschülern haben muss“. Und dass man eben Courage zeige und sich traue sich einzumischen, wenn man etwaige Beobachtungen mache.

Dafür stehe die Schule schon länger ein, wie Mattner sagt. Man veranstalte jährlich einen Tag der Demokratie mit verschiedenen Workshops, habe Streitschlichter, eine aktive Schulsozialarbeit, viele die Gemeinschaft stärkende Sportwettbewerbe... Davon abgesehen, gebe es natürlich auch an der Diesterweg-Schule Konflikte und Mobbing. „Aber dagegen kann man nur gemeinsam vorgehen, und da bin ich sehr erfreut, dass die Schüler so etwas wie heute ini­tiieren.“

Man kann zu dem Ganzen viel erklären – Carolin Fielitz aus der 10a hat es schließlich auf den Punkt gebracht, worum es geht: „Mensch ist Mensch. Da sind wir alle gleich.“

Mitarbeit: Valerie Porath