Stendal l Da staunten die Mitglieder des Kreisschulausschusses in der vergangenen Woche nicht schlecht, als sie in der Stendaler Wladimir-Komarow-Schule tagten und vor der Sitzung von Schulleiter Roland Herms durch das Gebäude geführt wurden.

„Wir haben hier Flüchtlingskinder, die erzählen, dass die Schule bei ihnen Zuhause besser ausgesehen hätte“, sagt Herms. Die Sekundarschule, die sich in Trägerschaft des Landkreises befindet, wurde 1979 gebaut. Seither ist nur das Nötigste passiert. 2007 wurden das Dach und der Brandschutz für rund 730 000 Euro erneuert, die Stadt konnte das Geld über das Programm Stadtumbau Ost akquirieren.

Jährlich 2500 Euro für Lernmittel

„Vieles sieht hier noch aus wie 1979“, sagte Schulleiter Herms. Er selbst kenne das Haus aus seiner eigenen Schulzeit. Wenn an der Wand des Chemieraumes nicht ein Periodensystem hängen würde, wäre er als solcher nicht zu erkennen, dasselbe gilt für den Physikraum. „Wir haben hier kein Strom oder Gas für Experimente“, erläutert er. Jährlich stünden der Schule für neue Lernmittel 2500 Euro zu. „Da kommt man nicht weit mit.“

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Schlimm wird es in den Toiletten. „Die sind eine Zumutung“, sagt Ray Woitek vom Landeselternrat und beratendes Mitglied im Schulausschuss.

In den meisten Räumen liegt noch Linoleumfußboden aus und verbreitet ein entsprechendes Raumklima. Im Videoraum ist Schimmel an der Wand. „Das wird regelmäßig geprüft, es wurde bis jetzt keine Gesundheitsgefährdung festgestellt“, sagt Herms. Das letzte Gutachten sei von September 2015.

Die Schule wird derzeit von 254 Schülern besucht. „140 bis 150 von ihnen haben einen Migrationshintergrund“, sagt Herms. 21 Lehrer, zwei pädagogische Mitarbeiter und ein Schulsozialarbeiter kümmern sich um die Jugendlichen.

„Wir haben uns an den Zustand der Schule gewöhnt, wir versuchen jeden Tag das beste aus unseren Bedingungen zu machen“, sagt Herms. „Vieles wird Sie erschüttert haben, ich hoffe, dass es angekommen ist.“

Migrationskinder fallen aus Statistik

„Es macht einen nachdenklich“, sagte der Ausschussvorsitzende Henning Richter-Mendau (CDU). „Wir selbst haben kein Geld, es kann nur über Förderprogramme laufen“, sagte Kreisdezernent Denis Gruber (SPD). Beim Programm Stark III, bei der vor allem die energetische Sanierung im Vordergrund steht, sei die Schule im vergangenen Jahr nicht zum Zuge gekommen. Die Schule habe die Mindesschülerzahl nicht erreicht. „Beim Land werden die Schüler mit Migrationshintergrund in der Statistik bislang nicht berücksichtigt“, so Gruber. Möglicherweise ändern sich das in der nächsten Runde. Zumindest sei dem Landkreis aus Stark V eine Gesamtsumme von 4,1 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.

Zuversichtlicher ist der städtische Amtsleiter für Stadtumbau, Georg-Wilhelm Westrum. Aus dem Programm Soziale Stadt wurden beim Land 2,7 Millionen Euro beantragt. „Es gab im Januar ein Gespräch im Ministerium und es sieht gut aus“, sagte Westrum auf Volksstimme-Nachfrage. Bereits im Stadtrat wurde der Gesamtplan befürwortet. 2015 hatte das Land noch einen städtischen Antrag über 1,2 Millionen Euro für die Komarow-Schule abgelehnt. „Die Förderbedingungen haben sich geändert“, sagte Westrum. Wenn das Geld komme, könne die Schule grundlegend saniert werden. Kreis und Stadt müssen einen Eigenanteil leisten, wobei der Kreis den städtischen Anteil zurückzahlt.