Stendal l Der Redebedarf war in den vergangenen Wochen und Monaten wohl schon befriedigt worden. Ohne vorherige Diskussion, ohne Stellungnahme der Verwaltung oder des Oberbürgermeisters wurde im Stadtrat über den Neubau einer Grundschule abgestimmt. Und eine breite Mehrheit gab ihr Ja. Letztlich wurde nur über eine Änderung entschieden, der grundsätzliche Beschluss, eine neue Schule in Stendal zu bauen, war bereits im April vergangenen Jahres gefasst worden.

Mehr Platz pro Person

Mittlerweile war auch die Nachfrage von Joachim Röxe, Vorsitzender der Fraktion Die Linke-Bündnis 90/Die Grünen, beantwortet worden. Er hatte von der Verwaltung wissen wollen, warum die Schule in Stendal 4,2 Millionen Euro kosten wird, während eine nur wenig kleiner konzipierte Schule in Goldbeck lediglich mit 2,1 Millionen Euro veranschlagt wird. Dort sollen 120 Kinder unterrichtet werden. „Die 30 Kinder mehr oder eventuell ein Klassenraum mehr allein können es ja nicht sein“, meinte Röxe.

Noch am Nachmittag vor der Sitzung hatte Stadtsprecher Philipp Krüger die Antwort der Verwaltung an die Stadträte geschickt. In der Woche zuvor hatten Verwaltungsmitarbeiter, unter ihnen Schulamtsleiter Torsten Mehlkopf und Georg-Wilhelm Westrum, Leiter des Amtes für Stadtumbau und Sanierung, in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck Einsicht in die betreffenden Planungs- und Kalkulationsunterlagen erhalten. Dabei stellten sie fest, dass sich wesentliche Ansätze zur Kostenberechnung unterscheiden, ein direkter Vergleich nicht möglich sei.

So würden die für den Grundschulneubau in Goldbeck veranschlagten Gesamtkosten keine konjunkturellen Preisanpassungen beinhalten. Demgegenüber ist bei den für die städtische Maßnahme kalkulierten Gesamtkosten in Höhe von rund 4,2 Millionen Euro ein auf drei Jahre bezogener konjunktureller Preisaufschlag eingerechnet. Ohne den Preisaufschlag würden sich die Gesamtkosten auf etwa 3,9 Millionen Euro belaufen.

Auch die Kalkulation der benötigten Fläche ist in Goldbeck und Stendal unterschiedlich. So wurde in Goldbeck ein sogenannter Flächenwert von 4,45 Quadratmetern pro Nutzer zugrunde gelegt. In Stendal hingegen wurde ein Mindestflächenwert von 5,32 Quadratmetern pro Nutzer veranschlagt. Das macht einen Unterschied von mehr als 700 Quadratmetern bei der Gesamtfläche, 1980 in Stendal, 1227 in Goldbeck. Das wirkt sich natürlich entsprechend auf die Gesamtkosten aus.

Zudem unterscheiden sich die berechneten Kosten für Erschließung (Goldbeck 23.890 Euro/Stendal 154.214 Euro), Außenanlagen (74.500/212.044) und die Ausstattung (33.100/121.168) immens. „Abstellend auf die Verhältnisse des Standortes Haferbreite werden die Kostenansätze als angemessen bewertet“, fasst Krüger zusammen.

Anstoß für die Überlegungen, einen Neubau zu errichten, waren die Kapazitätsprobleme in der Petrikirchhof-Schule. Mit 23 Ja-, 14 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen verschaffte der Stadtrat im April 2017 der Variante Neubau an der Haferbreite eine Mehrheit. Die Variante, die Petrikirchhof-Schule zu sanieren und zusätzlich die obere Etage der Ganztagsgrundschule an der Goethestraße herzurichten, stand als Gegenmodell nicht mehr zur Debatte. Die Schule wurde mit einer Maximalkapazität von 200 Schülern und 150 Hortplätzen geplant und sollte zum Schuljahr 2019/2020 eröffnet werden.

Doch dann schritt die Kommunalaufsicht ein. Sie zweifelte die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens an. Somit könnte auch der Kredit, den die Stadt zur Finanzierung des Neubaus braucht, nicht genehmigt werden. Eine kleinere Variante wurde entwickelt und nun befürwortet. Jetzt beginnt der Architektenwettbewerb.