Stendal l Die Landesregierung hat sich dazu entschieden, die Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt zu erhalten. Das ist die gute Nachricht. Laut Janine Heinrich von der Netzwerkstelle für den Schulerfolg sind 33 Millionen Euro für die kommenden eineinhalb Jahre eingestellt. Das ist die schlechte Nachricht, denn: „Um das derzeitige Niveau der Schulsozialarbeit zu halten, brauchen wir allen jährlich 30 Millionen Euro“, sagte Heinrich. Derzeit wird die Arbeit noch durch das Projekt „Schulerfolg gemeinsam sichern“ aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Das läuft allerdings im Juli 2019 aus.

Im Landkreis Stendal gibt es die Schulsozialarbeit bereits seit mehr als zehn Jahren. 2008 wurde sie noch aus einem anderen europäischen Topf finanziert und hatte zum Ziel, Schulabbrüche zu vermeiden. Die Sozialarbeiter waren an Sekundarschulen tätig. Seit 2015 läuft das aktuelle Programm, das sich nun an alle Schulformen – von der Grundschule bis zum Gymnasium – richtet.

56 Gespräche geführt

Konflikte gebe es schließlich überall. Mal seien Schulsozialarbeiter studierte Kindheitwissenschaftler, mal Rehabilitationspsychologen, zumeist aber klassische Sozialpädagogen. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Sie reagieren auf Störungen, greifen als „Feuerwehr“ auch mal schnell ein, unterstützen den Unterricht, sind in den Pausen zu Gesprächen bereit und bieten nachmittags Aktivitäten wie Arbeitsgemeinschaften und Ausflüge an.

Schule ohne Sozialarbeit, das mögen sich weder Eltern und Schüler noch die Lehrer vorstellen. Das ergab eine Umfrage der beiden Netzwerkkoordinatorinnen Janine Heinrich und Josefine Berghäuser, in deren Rahmen sie 56 Gespräche führten. „Es waren sich alle einig, dass das katastrophal wäre“, sagte Heinrich im Gespräch mit der Volksstimme.

Aktionsbündnis fordert ein Bekenntnis

Schulsozialarbeiter hätten die Zeit, die Lehrer nicht haben, seien unabhängig, könnten daher bei Konflikten ganz anders reagieren. Die Resultate stellten die beiden jüngst auch im Kreis-Ausschuss für Schule, Sport und Kultur vor. Sie stellten auch die Struktur vor. Angestellt sind die Schulsozialarbeiter bei vier Trägern: Diakoniewerk Osterburg, Deutsches Rotes Kreuz, Internationaler Bund und Paritätisches Sozialwerk. Die Netzwerkstelle läuft unter der Trägerschaft des DRK. „Wir haben bei den Ausschussmitgliedern schon großes Interesse an unserer Arbeit festgestellt“, meinte Heinrich. Die Entscheidung, ob die Schulsozialarbeit fortgesetzt werden kann, fällt jedoch woanders. Möglicherweise legt die EU das Programm erneut auf. Und Bildungsminister Marco Tullner (CDU) habe zugesagt, dass er im Laufe des Jahres das Konzept für die Sozialarbeit vorstellen will. Auch für Janine Heinrich ist die Entscheidung von Bedeutung, sollten die Mittel gekürzt werden, stünde wohl auch die Netzwerkstelle zur Disposition.

Unterdessen hat sich ein „Aktionsbündnis zur Verstätigung der Sozialarbeit in Sachsen-Anhalt“ gegründet. Mit Unterschriftenlisten soll die Landesregierung aufgefordert werden, ein klares Bekenntnis zu Schulsozialarbeit und Netzwerkstellen abzugeben. Initiatoren sind die GEW, der Landeselternrat, der Landesschülerrat, die Liga der Freien Wohlfahrtsverbände und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.