Stendal l Der Traum von der Selbstständigkeit ist schnell geträumt – groß und bunt und visionär. Dass die Selbstständigkeit aber auch eine Menge Bürokratie und Verantwortung im Schlepptau hat, vergisst man beim Träumen leicht. Mut, Durchhaltevermögen, Zuversicht und vor allem Realismus sind wohl die wesentlichen Begleiter für Existenzgründer. Und für viele in der Ostaltmark kommt noch eine dazu: Sabine Falk. Sie ist zertifizierte Gründungsberaterin, hat ihr Büro im BIC Altmark in Stendal und bringt an die 50 Gründer im Jahr auf einen guten Weg. Nicht jeder nimmt die Beratung in Anspruch, es gibt also durchaus noch mehr neue Selbstständige.

Alle Branchen vertreten

Ein Blick auf ihre mit Visitenkarten gespickte Pinnwand offenbart die Vielfalt der Gewerbe, denen Falk mit sachlich-fachlicher Beratung und manchmal auch einer tröstenden Geste auf die Sprünge hilft. Es sind Gastronomen, Therapeuten, Bauunternehmer, Hausmeister, Buchhändler, Grafiker, Journalisten Friseure, Forst- und Gartenbetriebe... Kurzum: Es gibt keine Branche, in der man sich nicht selbstständig machen könnte.

Die meisten Gründer sind zwischen 35 bis 50 Jahre alt, knapp ein Fünftel älter als 50 Jahre. Es sind gleichermaßen Frauen wie Männer, nur bei den Qualifizierungskursen seien Frauen stärker vertreten. Bemerkenswert findet Sabine Falk außerdem, dass die Zahl der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus über die Jahre abgenommen hat: „Die meisten Menschen sind wohl eher bestrebt, in eine Anstellung zu kommen.“

Arbeitslosigkeit als Anstoß

Dennoch gebe die Arbeitslosigkeit oft den letzten Anstoß, sich selbstständig zu machen. Andere Gründer wiederum kämen aus einer Anstellung, wollten selbstbestimmter arbeiten, eine eigene Idee verwirklichen. Manchmal ist es auch so, dass ein Gründer aus einer bestehenden Firma hervorgeht und mit dem Segen des bisherigen Arbeitgebers einen Geschäftszweig mitnimmt, sich damit spezialisiert. Manch ein Selbstständiger bleibt Einzelkämpfer, mancher stellt wiederum Personal ein: Allein im vorigen Jahr haben die 50 Existenzgründer, darunter sechs Unternehmensnachfolger, 89 Arbeitsplätze geschaffen. Und sie alle zusammen haben rund 663.000 Euro investiert.

Sabine Falk begleitet seit 2004 als zertifizierte Beraterin Gründer oder Geschäftsnachfolger im Landkreis Stendal. Bei um die 50 Gründungen pro Jahr hat sich die Zahl eingepegelt, in Hochzeiten waren es mal 80 oder gar 90. Beratungsgespräche hat sie weitaus mehr, doch nicht jedes mündet in eine eigene Firma. Falk führt die Beratungen ergebnisoffen: „Ich dränge niemanden in die Selbstständigkeit. Man muss Risiken und Chancen gut abwägen.“ Nicht jeder eigne sich von der Persönlichkeit her, nicht jedes Konzept sei aussichtsreich.

80 Prozent der Gründer halten durch

Die Erfahrung der Jahre hat den Blick und das Gespür der Diplom-Verwaltungsfachwirtin dafür geschult. „Ich sehe das aber nicht negativ, denn derjenige hat sich damit auch eine Menge Stress erspart.“ Bevor er womöglich zum gescheiterten Existenzgründer wird.

Apropos: Haben die Gründungen denn Bestand? BIC-Geschäftsführer Thomas Barniske bejaht das anhand einer Zahl: „Nach der letzten Erhebung waren 80 Prozent der von uns beratenen Gründer jetzt noch hier am Markt.“ Darunter auch solche Unternehmen, die inzwischen zehnjähriges Bestehen feiern. Andere seien weggezogen oder in ein Angestelltenverhältnis gegangen.

Keine Scheu vorm Businessplan

Wer sich vor all dem Finanz-, Steuer- und Rechtswirrwarr scheut, wem ein Businessplan suspekt ist, wen die Angst vor dem Lebensunterhalt plagt, dem empfiehlt Sabine Falk erst recht einen Beratungstermin: „Bei mir darf man alles fragen. Ich weiß natürlich nicht alles, aber ich kann dann weiterlotsen.“ Und man braucht Geduld: „Die Gründung kann zwischen einem und drei Jahren dauern.“

Bei so viel Kontakt zu Existenzgründern – kommt da nicht auch bei der Beraterin dann und wann der Impuls auf: „Mensch, das würde ich auch gern machen.“? „Ja, das kommt vor“, sagt Falk, sinniert kurz, um dann mit einem Lächeln hinzuzufügen: „Aber wenn, dann als Gründerberaterin.“ Nur müsse man halt auch davon leben können, und wenn sie dann zwangsweise nur noch die finanzvoluminösen Kandidaten beraten könnte, nähme ihr das die Freude: Nämlich die, alle Gründer gern zu begleiten – von der Idee bis zur Geschäftseröffnung.