Landtagswahl 2021:

Sie fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen

Anke Hain (Die Linke) aus Cobbel tritt als Direktkandidatin im Wahlkreis 5 (Genthin, Tangerhütte, Tangermünde) an

Anke Hain, Direktkandidatin von Die Linke, steht für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.
Anke Hain, Direktkandidatin von Die Linke, steht für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Foto: R.-M. Wienecke

Rudi-Michael WieneckeTangerhütte - Gemeinsam mit ihrem Ehemann Manfred engagierte sich Anke Hain in der Initiative „Neue Nachbarn“, gleich nachdem die ersten Familien aus Syrien und Afghanistan in der Einheitsgemeinde Tangerhütte sesshaft wurden. Die Hains begleiteten bei der Jobsuche, bei Behördengängen. Nicht zuletzt dank ihrer Hilfe gelang die Integration. Aus Flüchtlingen wurden Einheimische, teilweise besuchen ihre Kinder das Gymnasium in Tangermünde.

Treffpunkt „Nebenan“ist zweites Zuhause

Für die Hains Ansporn genug, sich dem nächsten Projekt zu widmen. Sie bauten in Tangerhütte den Treffpunkt „Nebenan“ auf. Es ist ein Ort der Begegnung aller Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status. Für Anke Hain, die im Ortsteil Cobbel wohnt, ist es das zweite Zuhause; hier kann sie sich engagieren.

Künftig möchte die 55-Jährige dies auch verstärkt politisch tun. Nachdem sie bereits kommunalpolitische Erfahrungen im Burger Stadtrat, im Ortschaftsrat von Cobbel und im Kreisvorstand ihrer Partei in Stendal sammeln konnte, will sie nun mit dem Direktmandat von den Linken in der Tasche am 6. Juni in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Mit ihren Idealen und ihren Zielen fühle sie sich bei den Linken am besten aufgehoben. „Demokratie, Freiheit, Frieden, Kampf gegen rechten Terror“, nennt sie allgemeine Schnittpunkte.

Konkreter wird sie, wenn sie im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Sozialstaates ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert. Sie weiß, dass nicht alle ihrer Genossen der gleichen Meinung sind, „für mich ist die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens aber die Lösung für nahezu aller unserer anstehenden gesellschaftlichen Probleme“, sagt sie. Es sei die Voraussetzung, dass jeder gut leben könne. Das Geld sei da, es müsse nur dort ankommen, wo es gebraucht wird.

Ländlicher Bereich mussattraktiver werden

Eine Diskrepanz in der Mittelverteilung sieht Anke Hain auch auf anderen Ebenen. Als Beispiele nennt sie enormen Nachholbedarf in Sachsen Klima- und Mobilitätswende und bei der Digitalisierung. Der ländliche Bereich müsse ihrer Meinung nach finanziell besser ausgestattet werden, und über die Verwendung dieses Geldes dürfe nicht das Land, sondern die Stadt oder Gemeinde vor Ort entscheiden. In den kommenden fünf Jahren möchte sie dahingehend in Magdeburg die Weichen mit stellen. Sie würde dafür sogar ihr Arbeitsverhältnis als Zollbeamtin ruhen lassen.

In den öffentlichen Dienst kam sie mit einer typischen DDR-Biografie. In Rogätz aufgewachsen, absolvierte sie in Gardelegen eine Ausbildung zur Landmaschinenschlosserin mit Abitur. Anschließend bewarb sie sich bei der NVA, beendete ihr Offiziersstudium als Diplomökonomin, arbeitete dann bis 1990 im Ausbildungszentrum Burg, später in der Bundeswehrverwaltung, bis sie zum Zoll wechselte.

Anke Hains Wunsch ist es, dass die Schullandschaft in den kommenden fünf Jahren nicht noch weiter „ausgeblutet“ wird und die Kindertagesstätten vor Ort erhalten bleiben. Sie sieht Chancen auch für Start-ups in kleinen Dörfern, sofern die Digitalisierung an Fahrt gewinnt. Überhaupt müsse der ländliche Bereich attraktiver werden für Jugendliche, unter anderem durch neue Jugendclubs.

In fünf Jahren sollte es in jedem Dorf ein Zentrum geben, „barrierefrei, mit WLAN-Zugang“, fordert sie. Es sollten Orte der Sozialarbeit, des Sports, der Freizeit und der ambulanten Versorgung sein. „Eben eine Anlaufstelle für jeden Bürger“, betont Anke Hain. Ihr Treffpunkt „Nebenan“ könnte Modell stehen.