Vermessung

"Sonobot" bringt Licht ins Dunkel

Sie haben ihr Büro in Stendal und sind doch überall in der Welt unterwegs: die fünf Männer und eine Frau der Firma Geo DV GmbH.

Von Anke Hoffmeister

Stendal l Geschäftsführer Gerd Heller ist nicht nur stolz auf den Einsatz seiner Mitarbeiter und ihrer eigenen Technik weltweit. Ebenso gern präsentiert er das Gütesiegel „Innovativ durch Forschung 2018/2019“.

Verliehen wurde seinem Unternehmen dieses Siegel unter anderem für die Entwicklung, die jetzt erst wieder – und zwar im Januar – im österreichischen Bregenz am Bodensee zum Einsatz kam. Gerd Heller erklärt: „Mit der hydrografischen Vermessung von Gewässern erzielen wir einen großen Teil unseres jährlichen Umsatzes.“ Dieses Thema führte die Stendaler in der Vergangenheit auch über den „großen Teich“ bis in die Karibik, bis nach Chile, Nigeria, Ghana, in die Schweiz, die Niederlande und nach Bayern. In München werden die Geo-DV-Mitarbeiter demnächst wieder sein, um die Olympia-Regatta-Strecke zu vermessen.

Was aber ist es, was das Stendaler Unternehmen so besonders macht? Gerd Heller erklärt das anhand eines Fotos von der jüngsten Unternehmung auf dem Bodensee. Angefordert waren er und sein Team, um eine an der dortigen Rheinmündung entstandene Insel zu vermessen. Sedimente, die der Rhein auf seinem Weg in den Bodensee in der Vergangenheit mitgebracht hatte, haben sich dort zu einer Insel aufgebaut. Und genau diese sollte im Rahmen des dreitägigen Einsatzes gemeinsam mit einem österreichischen Kooperationspartner unter die Lupe genommen werden.

Während es auf die herkömmliche Art möglich ist, Gewässergründe und -tiefen auch von einem Boot aus zu vermessen, haben Gerd Heller und sein Team eine Technik entwickelt, die nicht erst ab einer Gewässertiefe von fünf Metern mit der Untersuchung beginnt.

Ihr kleiner signalfarbener autonom fahrender Roboter namens „Sonobot“ – was für Son(ar)obot steht – beginnt unmittelbar unter der Wasseroberfläche mit seiner Erforschung. Der „Sonobot“ und das Gewässeruntersuchungsschiff machten sich auf dem Bodensee also gemeinsam auf den Weg, um die Unterwasserwelt rund um die Insel zu erforschen und vor allem zu speichern.

Gerd Heller erklärt: „Unser Sonobot arbeitet mit spezieller GPS-gestützter Echolotpeilung, besitzt eine WLAN-Antenne zur Datenübertragung und ist spritzwassergeschützt. Alle Messerergebnisse werden sofort an unsere Technik, die an Land aufgebaut ist, übertragen.“

Kommt der „Sonobot“ zum Einsatz, müssen die Männer an Land lediglich die Datenübermittlung überwachen. Hat der kleine Roboter ein Problem – ist es beispielsweise in den Antriebsschwimmern zu feucht geworden oder die Batterien haben nicht mehr ausreichend Leistung – kommt er zurück an Land.

Entwickelt worden war der „Sonobot“ von 2007 bis 2010 gemeinsam mit der Berliner Firma „EvoLogics“, „mit der wir seit mehr als zwölf Jahren zusammenarbeiten“, berichtet Gerd Heller. Auch wurde diese Zusammenarbeit und die Entwicklung des „Sonobot“ vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert. Insgesamt seien es inzwischen fünf Projekte, die das Stendaler und Berliner Unternehmen zusammen entwickelt hätten, so der Geo-DV-Geschäftsführer.

Zurück zum Bodensee: Die Messung an der dortigen Rheinmündung wurde nicht nur vom „Sonobot“ und dem Vermessungsschiff „Kormoran“, sondern zusätzlich von einer Drohne aus der Luft begleitet. „All das Material ergibt ein vollständiges Bild, das wichtig ist für die Schifffahrt in diesem Bereich“, erklärt Gerd Heller. Ein 3D-Modell der Insel könne auf diese Weise entstehen und für weitere Analysen genutzt werden.

Die nächsten Einsätze werden die Stendaler in die Schweiz, nach München und Berlin führen. „In Berlin sind wir sehr oft“, berichtet Gerd Heller. Hier begleitet die Geo-DV seit vielen Jahren eine U-Bahn-Baustelle in Form von Setzungsmessungen des Gewässergrundes. Auch die Vermessung des Elde-Müritz-Kanals ist eines der nächsten Projekte auf dem Plan.

Da Gerd Heller nicht nur Geschäftsführer und in seiner Freizeit leidenschaftlicher Musiker ist, sondern auch seit vielen Jahren im Vorstand der Tangermünder DLRG-Ortsgruppe arbeitet, kennen einige der Tangermünder Einsatztaucher bereits den „Sonobot“. Bei einer der nächsten Einsatzausbildungen soll wieder einmal gemeinsam mit dieser modernen Technik nach „Vermissten“ gesucht werden. Der Ort dafür wird in den nächsten Wochen festgelegt.