Stendal/Schelldorf l Die Stimmung ist gut, ein Hauch von Freiheit weht über dem Spargelhof in Schelldorf (Landkreis Stendal). Freiheit in der Hinsicht, dass sich die ausländischen Erntehelfer, wie jeder andere Bürger im Landkreis Stendal in der Corona-Krise, „wieder frei“ bewegen können. „An dem Tag, als sie aus der behördlich angeordneten Quarantäne entlassen wurden, war die Erleichterung unter uns allen hier zu spüren“, sagt Juniorchef Arne Garlipp.

Mehrkosten für Landwirt

Endlich konnten die Saisonarbeiter „raus aus dem kleinen Dorf, mal selbst zum Einkaufen in die Stadt nach Tangermünde fahren und spontan für sich entscheiden, wie und wo sie ihre Freizeit verbringen“, führt der 29-jährige Landwirt weiter aus. Denn für 14 Tage galt für die 58 rumänischen Erntehelfer auf dem Hof der Spargelbauer-Familie Garlipp eine sogenannte eingeschränkte Quarantäne. „Sie durften den Hof nicht verlassen, nur mit dem Bus zwischen Wohnunterkunft und der Arbeit auf den Feldern pendeln.“ Die Versorgung musste ausschließlich vom Betrieb organisiert werden. „Für den Einkauf hatten wir sogar eine Mitarbeiterin eingestellt“, sagt der Juniorchef, der froh sei, dass die ausländischen Helfer letztendlich doch nach Deutschland kommen durften.

Die Einreise war erst kurz vor Ostern per Flugzeug erlaubt. Es musste garantiert sein, dass die Unterbringung mit ausreichend Platz in den einzelnen Wohnbereichen erfolgt. Bei Garlipps im ausgebauten Bauernhaus und kleinen Containerdorf, direkt am Hof angrenzend. Aus diesem Grund hatte Arne Garlipp weit mehr Wohncontainer als üblich geordert, und zusätzlich einen Isolierbereich einrichten müssen. Die dafür vorgesehenen Container, einer für Sanitär, der andere zum Wohnen, sind bislang nicht genutzt worden und kosten dem Landwirt 1500 Euro extra. „Doch lieber so, als plötzlich von einer Infektionswelle mit dem Coronavirus überrumpelt zu werden“.

Gesund aus Quarantäne entlassen

Dazu ist es nicht gekommen, alle Saisonarbeiter sind mittlerweile offiziell vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Stendal aus der Quarantäne entlassen worden. Das gilt nicht nur für die auf dem Spargelhof in Schelldorf, „sondern auch für alle anderen, die um Ostern in den Landkreis Stendal eingereist sind“, sagt die Amtsärztin Dr. Iris Schubert.

Derzeit sind in der Stendaler Kreisverwaltung 109 Erntehelfer aus dem Ausland registriert, zehn befinden sich noch in Quarantäne, „weil sie später eingereist sind“, begründet Iris Schubert. Sie bescheinigt den Landwirten eine „sehr gute Zusammenarbeit“. Die Verantwortung der Gesundkeitskontrolle oblag dem Arbeitgeber, „die Mitarbeiter im Amt standen im täglichen Kontakt mit ihnen“, sagt die Amtsärztin.

Gründlich durchgecheckt

Da die Saisonarbeiter bereits bei der Anreise einen gründlichen Gesundheitscheck hatten, sei sie zuversichtlich gewesen, dass sich die Bauernhöfe bei Einhaltung aller Hygienevorschriften nicht zu Viren-Zentren entwickeln werden. Also kein Vergleich mit den Saisonarbeitern auf Schlachthöfen, die wegen vermehrter Ansteckung mit dem Coronavirus in den Fokus gerückt sind.

„Die Erntehelfer arbeiten an der frischen Luft und haben auf den Feldern genügend Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten“, sagt Iris Schubert. Als Amtsärztin sehe sie keinen Grund, nun alle auf eine Corona-Infektion testen zu lassen, „es sei denn, sie haben Symptome“. Und wenn ein Saisonarbeiter auf Covid-19 positiv getestet wurde, werde so verfahren wie Ende März in einer Einrichtung für Betreutes Wohnen in Tangermünde. „Dort hatten wir einen Corona-Fall und haben auf zwei Stationen alle Personen getestet.“

Auf Nachschub verzichtet

Es sei unangemessen, so Iris Schubert, die Pferde scheu zu machen und zu meinen, dass jemand, der aus dem Ausland zu uns kommt, automatisch für eine Ansteckungsgefahr sorgt. Mit den Erntehelfergruppen bleibe das Gesundheitsamt über die Arbeitgeber bis zur Abreise weiter in Kontakt. Außerdem müsse sich jeder in eine 14-tägige Quarantäne begeben, der aus dem Ausland einreist.

Aus diesem Grund haben Tim und Arne Garlipp darauf verzichtet, weitere Erntehelfer aus Rumänien zu holen. „Theoretisch brauchen wir mehr als 80 Helfer pro Saison. Wir hätten aber noch einmal das Quarantäne-Prozedere durchführen und die Neuen von der jetzigen Stammbesetzung trennen müssen.“ Diesen Aufwand wollten sich Vater und Sohn nicht antun, denn den Betrieb in der Corona-Pandemie am Laufen zu halten, sei Belastung genug.

Arbeiten mit Mundschutz

Anders als sonst ist nicht nur die Unterbringung, sondern auch der Ablauf der Produktion. So wird darauf geachtet, dass ausreichend Abstand in den Fahrzeugen und Werkstätten gehalten wird. Die Tore der Hallen bleiben geschlossen, Aus- und Eingänge sind klar gekennzeichnet. Bei den Arbeiten an den Bändern tragen die Frauen und Männer Mundschutz. „Den haben wir uns von einer fleißigen Näherin aus dem Nachbarort besorgt“, sagt Arne Garlipp.

Mit dem Ernten in der Krise kommen die Saisonarbeiter „ohne Probleme zurecht“, versichert George, der seit neun Jahren immer für drei Monate auf dem Spargelhof im Tangerhütter Ortsteil Schelldorf tätig ist. Der Rumäne fühle sich „wohl, auch mit Maske“, sagt er, während sein Chef entgegnet: „Wir tun alles, dass es so bleibt.“

Flut von Anträgen

Wertvolle Unterstützung dafür haben die Garlipps nach eigenem Bekunden vom Kreisbauernverband bekommen, um die Papierflut bei der Antragstellung zu bewältigen. „Diese Hilfe hat übrigens jeder bekommen, egal ob der Betrieb Mitglied ist oder nicht. In Corona-Zeit muss einfach geholfen werden“, sagt die Geschäftsführerin Kerstin Ramminger.

Ihr sei bislang nichts Negatives zu Ohren gekommen. „Im Gegenteil, die Ernte auf den Spargelfeldern läuft gut. Und darüber freue ich mich“, sagt Kerstin Ramminger.