Eine Chronologie

1985: Grundsteinlegung für den Bau von Stendal-Süd vorrangig für Bauarbeiter des Kernkraftwerks in Arneburg

1991: Es wird festgelegt, das Kraftwerk nicht fertig zu bauen – viele Arbeiter werden arbeitslos

1995: Stendal hat seit der Wende rund 6000 Einwohner verloren und liegt bei 45 719

2002: Grundsatzbeschluss des Stadtrates zum Abriss des gesamten Stadtteils Süd

2002: Beginn des Programms „Stadtumbau Ost“, 2300 von einstmals 2800 Wohnungen in Süd werden abgerissen

2014: Die letzten Einwohner verlassen ihre Wohnungen

Stendal l Die unendliche Geschichte von Stendal-Süd schreibt das nächste Kapitel. Die verbliebenen Wohnblocks, die 2017 in einer Zwangsversteigerung an die Firma Triplo 57 GmbH veräußert wurden, sind schon wieder weiter verkauft worden. „Ich habe für mich in Stendal nicht das richtige Investitionsklima gefunden“, sagt Triplo-Geschäftsführer Philipp Zodtner auf Volksstimme-Anfrage. Wer der neue Eigentümer ist, das will er nicht sagen. „Der hat sicherlich mehr Durchschlagskraft. Er möchte dasselbe Konzept wie ich umsetzen“, sagt Zodtner. Dieser hatte nach Ersteigerung der Blocks an der Hanseallee, der Lemgoer Straße und der Bremer Straße mit den rund 350 Wohnungen gesagt, dass er diese sanieren und günstigen Wohnraum schaffen wolle.

Bei der Stadt kennt man die neuerlichen Entwicklungen nicht, die Verbindung zum nun ehemaligen Eigentümer ist abgerissen. „Wir haben keinen Kontakt zu dem Käufer“, sagt Stadtsprecher Philipp Krüger. Es gebe keine Anzeichen für Bauaktivitäten. Es sei auch niemand beispielsweise an die Bauaufsicht oder das Planungsamt herangetreten.

Nichthandeln hat mittlerweile Tradition

Als vor einem Jahr die letzten verbliebenen Wohnblöcke von Stendal-Süd beim Amtsgericht unter den Hammer kamen und in einer Zwangsversteigerung verkauft werden sollten, da traten überraschend gleich mehrere Kaufinteressenten auf den Plan. Unter anderem auch die Stadt Stendal als Hauptgläubiger, die das Verfahren in Gang gesetzt hatte. Ein Vertreter der Stadt bot 250.000 Euro. Am Ende kam die Firma Triplo 57 aus Bayern und bot 1,025 Millionen Euro und erhielt nach einer zweiwöchigen Beratungszeit durch das Gericht den Zuschlag.

Stendal Süd: Ein Stadtteil verfällt

Stendal (dly/bb) Nicht zum ersten Mal kommen Wohnblöcke in Stendal-Süd unter den Hammer. Wird mit einem neuerlichen Verkauf eine weitere Episode in der unendlichen Geschichte angehängt? Oder verschwinden nun endgültig die letzten Blöcke des ehemaligen DDR-Vorzeige-Wohngebietes?

  • Tristesse in Süd: Offiziell wohnt hier niemand mehr in Stendal-Süd, es soll aber noch den ein oder anderen geben, der in den Wohnblöcken ausharrt. Archivfoto: Susanne Moritz

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  • Der Stendaler Stadtteil Süd wird gebaut. Das Bild entstand zirka 1986/1987. Bildquelle: Stadtarchiv Stendal

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  • Karola Neu steht 1988 mit ihrem jüngsten Sohn Jens in der Hanseallee. In diesem Jahr wird Jens eingeschult. Im Hintergrund ist seine Schule

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  • Karl-Heinz Kersten, der aus Stendal nach Bernburg gezogen ist, hat von seinem Balkon aus die Fortschritte des Bau des neuen Stadtviertels Stendal Süd 1988/89 fotografiert. Bildquelle: Privatarchiv Karl-Heinz Kersten

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  • Auf den Wiesen vor den Blöcken haben die Menschen zusammen gefeiert. Das Bild entstand Anfang der Neunziger Jahre. Bildquelle: Privatarchiv Nadine Lazik

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  • Taylor Jerome hat in Stendal Süd gewohnt. Er steht als Kind (1990) auf dem Balkon und schaut auf die damalige Heinrich-Rau-Straße, die gerade am Entstehen ist. Bildquelle: Privatarchiv Taylor Jerome

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  • Die ehemalige Grundschule Astrid Lindgren ist bereits abgerissen worden. Bildquelle: Privatarchiv: Nadine Lazik

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  • Einkaufen in Stendals Stadtteil Süd: Für zwei Millionen Euro sind die einzigen, noch bewohnten Blöcke, wie hier der in der Lemgoer Straße, unter den Hammer gekommen. Archivfoto: Susanne Moritz

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  • Plattenabriss Süd, gleich wenn man die Hanseallee reinfährt links (2010). Archivfoto: Susanne Moritz

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  • Leergezogene Wohnblöcke in Stendal-Süd (2015). Archivfoto: Bernd-Volker Brahms

    Leergezogene Wohnblöcke in Stendal-Süd (2015). Archivfoto: Bernd-Volker Brahms

Der Stillstand und auch der neuerliche Eigentümerwechsel setzen eine längere Tradition bei den Wohnblöcken in Süd fort, die mehrfach in der Zwangsversteigerung waren. 2014 waren nicht einmal mehr die Eigentumsverhältnisse klar, da Eigentümer verstorben und Erbengemeinschaften an die Stelle getreten waren. Erst als die Stadtwerke Mitte 2014 auf zahlreichen offenen Rechnungen für Strom- und Warmwasserzulieferungen sitzenblieben und die Belieferung einstellten, da verließen viele Mieter in Stendal-Süd ihre Wohnungen. Ende 2014 waren fast alle Wohnungen leergezogen. Nur zu gerne hätte die Stadt selbst die Blöcke für wenig Geld erworben, um diese dann abzureißen und das Areal neu zu entwickeln. Ein neuerliches Zwangsversteigerungsverfahren zog sich aus formalen Gründen hin, da Beteiligte im Ausland nicht rechtssicher geladen werden konnten und ein neues Wertgutachten erforderlich wurde. Erst 2017 konnte das Amtsgericht die Blöcke unter den Hammer bringen. Die Firma aus Bayern erhielt den Zuschlag. Immerhin konnte die Stadt ihren Anteil am Verkaufserlös erhalten.

Im Baulandkataster nicht verzeichnet

Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) hatte nie größere Pläne durchblicken lassen, was er mit dem Areal vorhabe, auf dem seit 1985 der moderne Stadtteil entstanden war. Auf Fragen zu einem möglichen Baugebiet hatte er stets ausweichend geantwortet und auch darauf verwiesen, dass die Infrastruktur an Straßen und Versorgungsleitungen nicht für ein Wohngebiet mit Einfamilienhäusern ausgelegt sei. Im Zuge eines neuen Flächennutzungsplanes für das gesamte Stadtgebiet wurden in einem Entwurf vom Planungsamt der Stadt Flächen in Süd als Bauland ausgewiesen. Es muss hierzu noch ein Bebauungsplan vom Stadtrat beschlossen werden. Im Baulandkataster, das die Stadt auf ihrer Website veröffentlicht hat und das potenzielle Bauplätze ausweist, ist Stendal-Süd nicht vorhanden.