Stendal l Helle Aufregung im Kreuzungsbereich Goethestraße/Röxer Straße. „Vor der Ganztagsgrundschule wurde ein schöner Baum gefällt“, beschwert sich Marion Rachui auf Facebook. Die Stendalerin kenne diesen Baum schon lange, habe keine Schäden am Stamm oder irgendwo anders gesehen. Deshalb sei sie der Meinung: „Ein Verjüngungsschnitt hätte es auch getan.“

26.000 Bäume erfasst

Bei dem besagten Baum vor der Ganztagsgrundschule handelt es sich um eine Esche. Sie gehört zu den rund 21.000 Bäumen in der Hansestadt Stendal, die katastermäßig erfasst wurden. Im öffentlichen Baumbestand aufgeführt sind auch noch etwa 5.000 Bäume, die in den Ortsteilen stehen. Viele dieser Bäume, ob jung oder alt, haben durch die Trockenheit der letzten beiden Sommer „sehr gelitten“, sagt Silke Pidun. Die Leiterin des Amtes für Technische Dienste im Rathaus ist zuständig für die Hege und Pflege des städtischen Grüns und fasst die Kontrollergebnisse im jährlichen Baumbestandsbericht zusammen.

Gefahrenabwehr

In dem 32-Seitenpapier aufgeführt sind alle Fällungen einschließlich der Gründe. Bei der Esche vor der Schule wird angegeben, dass der Baum abgestorben ist und zur Gefahrenabwehr gefällt werden muss. Als Ersatz soll auf dem Schulhof der Grundschule eine Kastanie gepflanzt werden.

Insgesamt, so Silke Pidun weiter, müssen im Gebiet der Hansestadt Stendal einschließlich ihrer Ortsteile 159 Bäume gefällt werden. Darunter befinden sich Obstbäume und Nadelgehölze, die nicht unter den Schutz der Baumschutzsatzung fallen. „Sie werden wegen ihrer Bedeutung im Stadtbild jedoch in dem Bericht erwähnt.“

Ausgleichspflanzung

Die Fällungen sind in erster Linie notwendig, wenn die Bäume abgestorben oder so stark erkrankt sind, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Nicht aufgeführt im Bericht sind die Fällungen wegen Straßenbauarbeiten wie zuletzt die 32 großen Linden im Schadewachten in Stendal.

Als Ausgleich sollen 52 junge Bäume gepflanzt werden. Die verhältnismäßig geringe Anzahl begründet die Amtsleiterin damit, dass zahlreiche abgestorbene Bäume gefällt werden müssen, für die ein Ersatz nicht notwendig ist. Darunter fallen beispielsweise Obst- und Nadelbäume. Gleichwohl werde in einigen dieser Fälle Ersatz geschaffen, „wenn der Standort für eine nachhaltige Pflanzung geeignet ist“.

Ersatz auf 105 erhöht

Für Bäume im sogenannten Außenbereich und in Alleen ist die Kreisverwaltung zuständig. Somit für die 43 Pappeln am Sportplatz in Möringen und zehn Linden auf dem Friedhof III in Stendal, die gefällt werden sollen. „Der Landkreis entscheidet hier noch über die Höhe der Ausgleichspflanzungen“, sagt Silke Pidun. Sie rechne mit mehr als 53 Bäumen, so dass sich die Anzahl der Ersatzpflanzungen auf mindestens 105 Bäume erhöhen wird.

Der Ersatz kann nicht immer am Ort der Fällung erfolgen. „Manchmal ist der Standort zu beengt, weil Leitungen im Untergrund verlaufen oder die Konkurrenz durch Nachbarbäume zu groß“, begründet die Amtsleiterin. Mitunter würden wirtschaftliche Gründe gegen eine originalgetreue Nachpflanzung sprechen. Bevorzugt werde eine ortsbildprägende Nachpflanzung. Generell müsse bei einer Ersatzpflanzung nur selten ein Bodenaustausch erfolgen. „Auch wenn der gefällte Baum wegen eines Pilzbefalls stark geschädigt war, gehen die Sporen nicht unabdingbar auf den Jungbaum über. Pilze siedeln sich bevorzugt an verletzten und geschwächten Baumteilen an“, erklärt Silke Pidun.