Stendal l Die Eisbahn wurde abgesagt, der Weihnachtsmarkt soll nach jetzigem Stand aber stattfinden – dieser Widerspruch war einer der Hauptpunkte, an denen sich die Kritik von Stadträten entzündete. Zum Beispiel die von Reiner Instenberg (SPD): „Was mich ärgert: Die Stadt sagt die Eisbahn ab und sagt im selben Atemzug, dass dort eine Weihnachtsmarktbude hingestellt wird. So kann eine Stadtverwaltung nicht handeln.“

Er bezog sich damit auf den Bericht in der Volksstimme zur Eisbahn-Absage, aus dem viele Stadträte überhaupt erst davon erfahren hatten, und in dem berichtet wurde, dass der Winckelmannplatz in die Planungen für den Weihnachtsmarkt eingezogen wird, um das Geschehen zu entzerren. Instenberg: „Diesen Widerspruch haben Sie bisher nicht entkräften können.“

Keine Ausschreibung

Weil den auch andere so sehen, hatten die SPD/FDP/Ortsteile-Fraktion und die AfD-Fraktion unmittelbar nach der Sitzung des Hauptausschusses Anträge gestellt, dass die Eisbahn doch stattfinden soll. Da die Stoßrichtung beider Anträge dieselbe war, formulierte der Stadtratsvorsitzende Peter Sobotta (Freie Stadträte Stendal) daraus einen Änderungsantrag, über den Stadtrat am Montag abgestimmt hat: 19 Ja-Stimmen, zwölf Nein-Stimmen, drei Enthaltungen.

Der Stadtrat hat damit Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) beauftragt, den geltenden Ratsbeschluss zur Fortsetzung der Eisbahn in der Saison 2020/21 umzusetzen. Abweichend soll aber auf eine Ausschreibung für diese Saison verzichtet und der bisherige Betreiber beauftragt werden. Im Vertrag soll festgeschrieben werden, dass jeder Vertragspartner berechtigt ist, von der Vereinbarung zurückzutreten, wenn die Corona-Auflagen den Eisbahn-Betrieb zwingend untersagen.

In dem Fall trägt jeder Vertragspartner seine bis zu diesem Zeitpunkt angefallenen Kosten selbst, ein darüber hinausgehender Schadensersatz ist ausgeschlossen. Betreiber und Stadtverwaltung sollen gemeinsam ein Hygienekonzept erarbeiten, zur Einhaltung des Konzeptes soll der Betreiber verpflichtet werden.

Gegen die Eisbahn sprach sich Rico Goroncy (Linke) aus: „Ich hätte mich gefreut, wenn wir beschließen würden: Zum Wohle der Bürger verzichten wir darauf.“ Stendal habe lange mit den Infektionszahlen Glück gehabt, doch jetzt „sollten auch wir verstanden haben, dass es bei uns angekommen ist“, sagte Goroncy und fügte hinzu: „Warum sind wir nicht so vernünftig, es in diesem Jahr abzusagen?“

Er sieht Probleme darin, ein Hygienekonzept umzusetzen, aber auch in der finanziellen Belastung für die Stadt: Denn die Kosten werden nicht geringer sein als im vorigen Jahr, wegen der begrenzten Nutzerzahl die Einnahmen aber schon, so seine Argumentation.

Angebot für Breitensport

„Wir sind dafür, dass man den Menschen in Stendal auch in Zeiten einer Pandemie etwas bieten sollte“, sagte der AfD-Fraktionsvorsitzende Arno Bausemer. Er glaube schon, dass ein Eisbahn-Betrieb unter Auflagen möglich sei. Bausemer: „Ein wenig Freude, die wir vor allem jungen Leuten bieten, ist mir jeden Euro wert.“ Kritik äußerte er an der Absage seitens der Stadt. „Sind wir als Stadträte nur da zum Abwinken oder um etwas zu entscheiden?“, fragte er.

Die Pandemie sei eine „sehr ernste Situation“, bestätigte der Mediziner Herbert Wollmann, Vorsitzender der Fraktion SPD/FPD/Ortsteile, fügte mit Blick in den Festsaal des „Schwarzen Adlers“, in dem der Stadtrat tagte, aber hinzu: „Wenn ich das Risiko einer Eisbahn mit dem jetzt hier im Saal vergleiche, dann besteht hier eine zehnmal höhere Gefahr der Ansteckung.“

Er plädierte für die Eisbahn als Breitensportangebot vor allem für Kinder und Jugendliche. Denn: „Es ist bisher noch nicht nachgewiesen, dass es bei Freiluft-Events zu Übertragungen gekommen ist.“ Darum forderte er: „Wir sollten nicht heute schon beschließen, etwas nicht zu machen, das wir vielleicht im Dezember machen können.“ Er bat um Zustimmung „unter dem Aspekt, dass es in vier Wochen anders aussehen kann“.

Mit Blick auf das Lagebild im Land Sachsen-Anhalt und die rasant steigenden Zahlen mahnte Sven Meinecke (Linke): „Wer das beschließt, dem muss klar sein, dass er eine Gefahr heraufbeschwört, die er nicht kalkulieren kann.“ Es sollte nicht so getan werden, dass es „schon gut wird“. Solche Debatten wie über die Eisbahn würden noch fördern, dass die Pandemie nicht ernstgenommen wird, sagte Meinecke.

Bedingungen müssen passen

Gastronom und Eisbahn-Betreiber René Nowak freut sich über die Ratsentscheidung. Er sei weiterhin daran interessiert, auch in diesem Jahr die Eisbahn anzubieten, versicherte er auf Volksstimme-Nachfrage – „wenn die Bedingungen passen“. Für ihn gehören dazu unter anderem die Fragen, ob ein Angebot an Getränken und Speisen wie Crêpes erlaubt ist und wie das Hygienekonzept aussehen muss.