Stendal l Der Staatsanwaltschaft Stendal liegt eine Strafanzeige von Tierschützern gegen einen Milchviehbetrieb in Demker vor. Der Soko Tierschutz e.V. hat Film- und Fotoaufnahmen gemacht, die beweisen sollen, dass bei der Geven & Rabelink GbR Rinder grausam misshandelt wurden und tote Tiere bis auf die Knochen verwesten. Die Milch des Betriebs, der seit Anfang der 90er Jahre niederländischen Betreibern gehört, wird an eine der größten Molkereien Deutschlands, die Milchwerke Mittelelbe in Stendal, geliefert.

Filmaufnahmen liefern Beweise

Der Verein habe sich im März und April nach Hinweisen aus dem Umfeld des Betriebs die Zustände selbst angeschaut. Schon der äußere Anschein der Anlage habe auf einen sehr mangelhaften Zustand hingewiesen, wie Vereinssprecher Friedrich Mülln der Volksstimme sagte. Des Weiteren seien herumliegende Kadaver und Rinderskelette gefunden worden. Die Installation versteckter Kameras habe dann Misshandlungen der Tiere zutage gebracht. Im Betrieb selbst war am heutigen Mittwoch telefonisch niemand erreichbar.

In dem Betrieb in Demker werden 700 Rinder gehalten, vor allem Milchkühe. Im Zeitraum 1. Januar bis 9. Mai 2018 seien 46 Tiere verstorben, jedes sei ordnungsgemäß im deutschlandweiten Registrierungssystem vermerkt worden, wie Landkreis-Dezernent Sebastian Stoll am Mittwoch im Pressegespräch sagte. Über die Todesursachen gebe es keinen Aufschluss, nur bei Verdacht auf Seuchen oder Krankheiten würden die Kadaver obduziert. Gleichwohl liege die hohe Sterberate "deutlich über dem Durchschnitt aus Vorzeigebetrieben".

Bilder

Kontrollen regulär und unangemeldet

Ein weiterer Vorwurf der Soko Tierschutz: Das Veterinäramt des Landkreises Stendal sei lange untätig gewesen und habe bei einer Kontrolle die zahlreichen Kadaver zwischen den lebenden Tieren übersehen. Dagegen verwahrt sich die Verwaltung des Landkreises Stendal. Es habe Ende Januar die reguläre Kontrolle des Betriebs durch einen Tierarzt stattgefunden, sodann am 9. April - nach einem anonymen Hinweis per Anruf - eine unangemeldete Kontrolle undnach vermehrten Medienberichten eine weitere Kontrolle am 9. Mai. Der Betreiber habe sich sehr kooperativ verhalten und im Abgleich mit dem Landkreis vorliegenden Dokumenten wahrheitsgemäß Auskunft gegeben.

Stoll: "Kein Vorzeigebetrieb"

Ergebnis dieser Kontrollen: "Alle Tiere sind registriert, wir haben auf dem Gelände keine toten Tiere gefunden oder Umstände, die auf Misshandlungen schließen lassen", sagte Stoll. Wenn Tiere sterben, würden sie zunächst in einem Kadaverraum aufbewahrt und dann von speziellen Entsorgern abgeholt. Dies geschehe dreimal pro Woche.

Den Vorwurf, Mitarbeiter des Veterinäramtes hätten tote Kühe im Bestand gefunden und dies geduldet, weist der Landkreis von sich. "Es ist sicherlich kein Vorzeigebetrieb im Landkreis Stendal, aber die Erkenntnisse von heute sind nicht ausreichend, um über ein Haltungsverbot oder eine Schließung nachzudenken", so Stoll.

Verein fordert Schließung

Der Verein Soko Tierschutz hingegen fordert ein Tierhalteverbot für die Betreiber und die Schließung des Betriebs. Die Strafanzeige richtet sich wegen Duldung dieser Zustände und wegen Untätigkeit, so der Vorwurf, auch gegen die Behörden.

Milchwerke setzen Liefervertrag aus

Die Milch des Demkeraner Betriebs wird seit Januar dieses Jahres an die Milchwerke Mittelelbe in Stendal geliefert, wie Unternehmenssprecherin Sybille Geitel der Volksstimme am Donnerstag sagte. "Natürlich sind das schwere Vorwürfe, wir haben auch erst am Mittwoch davon erfahren." Eine Kontrolle des Betriebs habe selbstverständlich stattgefunden, bevor man den Liefervertrag einging.

Solange die Vorwürfe und offenen Fragen geklärt würden, sei der Lieferantenvertrag vorerst ausgesetzt worden. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es: "Die Milchwerke distanzieren sich aufs Schärfste von einem solchen inakzeptablen Verhalten und verabscheuen jegliche Verstöße gegen das Tierwohl und die Tiergesundheit."