Seehausen/Stendal l In absehbarer Zeit soll eine weitere Stromautobahn durch den Landkreis Stendal gebaut werden. Eine 380-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken in Perleberg und Wolmirstedt wird erforderlich, um die Strommengen insbesondere aus erneuerbaren Energien transportieren und in dichter besiedelte Gegenden transportieren zu können. Im Norden des Landkreises Stendal formiert sich Widerstand gegen die Leitung, die als Überlandleitung und nicht als Erdkabel vorgesehen ist.

Man sei an dem Thema dran, sagte Landrat Carsten Wulfänger (CDU) beim Neujahrsempfang in Stendal. Bereits am 12. Dezember hatte seine Behörde eine Stellungnahme an das Landesverwaltungsamt gesandt und darauf verwiesen, dass „Fachämter des Landkreises Stendal die Verlegung von Erdkabeln bzw. die teilweise Verlegung für dringend geboten erachten“.

Umweltausschuss tagt in Seehausen

In der kommenden Woche wird der Umweltausschuss des Landkreises in Seehausen tagen. Die öffentliche Sitzung am Dienstag, 22. Januar, beginnt um 17 Uhr und findet im Versammlungsraum der Feuerwehr statt. Betroffene und sonst Interessierte sollen dann, wie erst in der jüngsten Stadtratssitzung in Seehausen gefordert, doch noch von der Firma „50 Hertz“ Informationen sozusagen aus erster Hand bekommen.

Der Umweltausschuss des Kreistages tagt normalerweise in Stendal, verlegt seine Sitzung aber, weil unter anderem der Bereich der Verbandsgemeinde Seehausen betroffen sein wird. Bürger aus Seehausen hatten sich vor Kurzem mit einem Brief an den Landkreis gewandt und um Unterstützung gebeten, weil sie um die Gesundheit ihrer Familien fürchten.

Dass diese Stromtrassen-Planung und die Stellungnahme des Landkreises jetzt Thema im Kreistag sind, geht auf eine Initiative der Fraktion Die Linke-Bündnis 90/Die Grünen zurück, die in der Kreistagssitzung Anfang Dezember einen entsprechenden Antrag stellte.

Plaäne lagen über Feiertage aus

Das Planfeststellungsverfahren für die 380-kV-Stromleitung von Perleberg bis Stendal wurde am 4. Dezember eröffnet. Die Akten lagen somit über den Jahreswechsel aus und dürften deshalb vergleichsweise wenig Beachtung gefunden haben, betonen Kritiker des Verfahrens. Gleichwohl können Einwohner, Verbände und Kommunen noch bis Dienstag, 4. Februar, ihre Einwendungen und Stellungnahmen zu dem Vorhaben abgeben.

Bei Losenrade und Steinfelde ist die geplante Stromtrasse nur 115 Meter beziehungsweise 170 Meter entfernt, bei Geestgottberg 110 Meter und bei Nienfelde 130 Meter. Bei der Eigenheimsiedlung Vor dem Beustertor am Stadtrand von Seehausen sind es lediglich 50 bis 60 Meter.

Masten bis zu 70 Meter hoch

Die Masten der neuen Stromtrasse sollen mit 60 bis 70 Metern zudem mehr als doppelt so hoch werden wie die jetzigen Gitterkonstruktionen, dazu bestückt mit mehr Querträgern und mehr Leitungen. Von der Steigerung der Stromleistung von 220 auf 380 Kilovolt ganz zu schweigen.

Der Netzbetreiber bezeichnet den Bau der neuen Stromleitung als „Ersatzneubau“ und beruft sich auf Bestandsschutz, weil die neue Stromleitung auf der Trasse der bestehenden 220-kV-Leitung gebaut werden soll. Die Nähe der Wohngebäude zur neuen Stromtrasse sei deshalb keine „erhebliche Verschlechterung“, heißt es von den Planern. Der Landkreis fordert dagegen die Einhaltung der Mindestabstände. Für Wohngebäude beträgt dieser Mindestabstand 400 Meter, für Wohngebäude im Außenbereich 200 Meter. Ansonsten werden Erdkabel gefordert.