ADAC: Keine Angst vor Supermarkt-Tankstellen

Ob Markentankstelle oder günstige Supermarkt-Station: In Deutschland „können Autofahrer davon ausgehen, Qualität zu bekommen“, sagt Alexandra Kruse vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Das von den Großen der Energiebranche gerne verwendete Argument, dass billigerer Sprit von der Supermarkt-Tankstelle schlimmstenfalls Motorschäden verursachen können, treffe nicht mehr zu. Andererseits rät sie Autofahrern davon ab, „einen Umweg von 30 Kilometern zu fahren“, nur um ein paar Cent pro Liter zu sparen. Wer seinen ohnehin geplanten Wochenend-Einkauf aber mit einem Stopp an der Supermarkt-Tankstelle verbinde, mache nichts falsch. Allerdings sollte jener Wochenend-Einkauf nicht unbedingt erst am Sonnabend stattfinden - zumindest dann, wenn auch noch das Auto „versorgt“ werden soll: „Am Wochenende ist Kraftstoff meist teurer als während der Woche.“

Altmark l Preis-Experiment der Volksstimme: Am Donnerstag um 9.30 Uhr klickten an mehreren Stationen die Foto-Auslöser: Reporter dokumentierten zeitgleich Tankstellenpreise in Stendal, Erxleben (Stadt Osterburg) und Havelberg – und stellten scheinbar Überraschendes fest: Die Differenzen zwischen der zu jenem Zeitpunkt günstigsten Station – der Supermarkt-Tankstelle am Altmark-Park in Stendal – und der im Vergleich teuersten – „Elan“ in Havelberg betragen nur wenige Cent.

Viel sparen ließ sich also am Donnerstagvormittag nicht, wenn Autofahrer die vermeintlich teuren Markentankstellen mieden und auf No-Name- oder Supermarktstationen auswichen. Doch aus Sicht des ADAC ist ein Vormittag ohnehin ungeeignet, wenn es darum geht, möglichst viel Sprit fürs Geld zu bekommen. „Wenn man sich einprägt: Fahre niemals morgens zum Tanken, dann kann man einiges für sich herausholen“, versichert Alexandra Kruse vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Das gelte auch in Corona-Zeiten, in denen als Folge des wirtschaftlichen Einbruchs die Kraftstoffpreise durchaus um mehr als 30 Cent je Liter unter dem Vor-Pandemie-Niveau liegen.

Sprit in Sachsen-Anhalt teurer

Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen eine scheinbar eiserne Regel galt: Frühmorgens ist es am teuersten, und dann bröckeln die Preise kontinuierlich bis zum Abend ab – um in der Nacht wieder nach oben zu schnellen. Dennoch hat der ADAC eine Faustregel parat: Zwischen 18 und 22 Uhr sei Tanken tendenziell am günstigsten – auch wenn aktuell das Preisniveau generell höher sei als vor den Ferien. Außerdem: Sachsen-Anhalt gehöre im bundesweiten Vergleich zu den etwas teureren Regionen.

Was Autofahrern das Sparen zusätzlich erschwert: Tankstellen von ein und derselben Marke verlangen unterschiedliche Preise, obwohl sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind.

Beispiel Aral. Am Dienstag um 16.45 Uhr kostete der Liter Diesel an der Station in der Röxer Straße in Stendal und an der B189 in Osterburg je 1,109 Euro. An der Arneburger Straße wollte Aral 1,099 Euro je Liter haben – während an der Aral-Tankstelle in Tangerhütte nur 1,079 Euro zu zahlen waren. Darauf angesprochen, gab‘s Achselzucken: „Wir haben darauf keinen Einfluss, das macht Aral selbst“, kommentierte an der Röxer Straße die stellvertretende Stationsleiterin Juliane Gilian.

Erklärung für verschiedene Sprit-Preise

In der Bochumer Aral-Zentrale hat Konzernsprecher Detlef Brandenburg eine einfache Erklärung für unterschiedliche Preise: „Das ist Ausdruck des Wettbewerbs im direkten Umfeld.“ Mit anderen Worten: Wo der Wettbewerb in Sichtweite ist – wie mit Agip an der Arneburger Straße – sind die Preise oft niedriger. Die jeweiligen Pächtern seien gehalten, die Konkurrenzpreise an die Zentrale zu melden – die dann reagiere: „Wir haben kein Interesse daran, deutlich teurer als die Wettbewerber zu sein.“

Insgesamt spricht Brandenburg von einer „hohen Markttransparenz“: Seit August 2013 müssen die Anbieter ihre Preise für Diesel, Super E5 und Super E10 in Echtzeit an die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes melden – aus deren Daten speisen sich die zahlreichen Benzinpreis-Apps für Smartphones.