Stendal l Die Spielsaison 2019/2020 am Theater der Altmark soll von Veränderungen und Überraschungen geprägt sein. So ist es bereits Anfang Mai bei der Einführung in die neue Saison in einem festlichen Rahmen verkündet worden.

Paukenschlag

Für den ersten, wohl kaum lang geplanten Paukenschlag sorgte am gestrigen Montag Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz. Der Christdemokrat verkündete bei der offiziellen Eröffnung der neuen Spielzeit, dass die energetische Sanierung, die „ja prägend für die Saison sein sollte“, nicht wie geplant ausgeführt werden kann. Als Grund nannte Schmotz die „Fördergeldgestaltung“ und erhebliche Mehrkosten für die Stadt Stendal im siebenstelligen Bereich.

Auf Volksstimme-Nachfrage teilte die Pressestelle des Rathauses mit, dass es bei der Kostenaufstellung im Fördergeldantrag für die dringend notwendige Sanierung des fast 50 Jahre alten Schauspielhauses Unstimmigkeiten gibt. Der Landesbaubetrieb habe im Ergebnis seiner Prüfung festgestellt, dass die gesamten Sanierungskosten für das Theater nicht förderfähig seien, heißt es aus dem Rathaus. Aus dem Stark-III-Programm wollte Stendal für die Theater-Sanierung rund 3,5 Millionen Euro und plante mit einem Eigenanteil von 900.000 Euro. Daraus wird aber nichts.

700.00 Euro mehr

Die Stadt schätzt derzeit die Gesamtsanierungskosten auf 4,4 Millionen Euro und soll im Ergebnis des Prüfberichtes nun 1,6 Millionen Euro als Eigenanteil zahlen. Demnach hält der Landesbaubetrieb nur noch 2,8 Millionen Euro der Kosten aus dem Stark-III-Programm für förderfähig. Da der Stadtrat bislang nur die Zuzahlung von 900.000 Euro beschlossen hat, muss die Mehrausgabe von 700.000 Euro von den Abgeordneten per Beschluss befürwortet werden. „Deshalb ist frühestens im Herbst mit einer Entscheidung zu rechnen“, sagt Schmotz.

Nach Volksstimme-Recherche dürfte es auch bei einer Zustimmung des Stadtrats für die Mehrkosten schwierig werden, überhaupt noch pünktlich mit der Sanierung beginnen zu können. Diese ist für Januar 2020 geplant. Um in der Zeitschiene zu bleiben, muss mindestens ein halbes Jahr vorher mit der europaweiten Ausschreibung der Leistungen begonnen werden, vorausgesetzt, der Fördergeldbescheid liegt vor. Das ist nicht der Fall, weil die Stadt Stendal nun erst einmal auf den Prüfbericht vom Land reagieren und den finanziellen Plan ändern muss.

Veränderungen

Die überraschende Nachricht von Schmotz nahm der Intendant eher nüchtern zur Kenntnis. „Ich habe sie mir nicht gewünscht“, sagt Wolf E. Rahlfs. Verständlich, denn Rahlfs wie auch seine Mitstreiter haben bei der Organisation für die neue Spielzeit alle Vorbereitungen getroffen, um mit spannenden Inszenierungen in andere Spielorte auszuweichen. Zwar unter Vorbehalt, wie der 41-Jährige gegenüber der Volksstimme sagt, „doch schon mit einer Vorfreude auf genau diese Veränderungen“, für die 70 Mitarbeiter des Theaters und all die Besucher.

Passgenau wurde versucht, Klassiker und moderne Werken für die Ausweichstätten auszuwählen – wie 4Min12Sek im Uppstall-Kino, Die Werkstatt der Schmetterling in der Musik- und Kunstschule, Tschechow-Variationen in der Kleine Markthalle, Judas in der Salzkirche in Tangermünde oder Der rote Löwe in der Stadionkneipe des 1. FC Lok Stendal. Es sind sogar Baustellenführungen geplant worden.

Kneipe, Kirche und Kino

Außerdem musste bei der Programmauswahl auf die Schließung aller Veranstaltungsstätten im Theater während der Bauarbeiten Rücksicht genommen werden. So wurde in der zweiten Spielhälfte auf eigene große Musiktheaterproduktionen und auf Aufführungen mit großer Chorbesetzung aus Platzgründen verzichtet.

Am Programm lässt sich nun nichts ändern. „Die finale Entscheidung“, ob die vorbereiteten Ausweichstätten bespielt werden oder nicht, „wollen wir gemeinsam im Team noch beraten und dann parallel zur Entscheidung der Stadt fällen. Also frühestens im Herbst“, sagt Rahlfs. Für ihn persönlich sei es schon reizvoll, das Experiment zu wagen und in der Fußballerkneipe von Lok, in der Kirche in Tangermünde sowie im Kino zu spielen. „Dort erreichen wir mit Sicherheit ein Publikum, das nicht unbedingt von sich aus den Weg ins Theater findet“, sagt Rahlfs.

Die ganze Konzentration, versichert der Intendant, liege gegenwärtig aber beim Premierenstart am 31. August mit dem Klassiker Effi Briest, passend zum Fontane-Jubiläumsjahr.