Stendal l Aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Trauerarbeit auch mit Kindern weiß Dorothee Oesemann, dass ein sogenannter Opener immer wichtig ist. Also etwas, das dazu anregt, sich für ein Gespräch zu öffnen. Meist ist es ein Spiel, aber auch eine Geschichte oder ein Film können es sein – oder eben ein Theaterstück wie „Schlafen Fische?“ Als die Kooperation zwischen dem Trauernetzwerk Altmark und dem TdA für diese neue Inszenierung zum Thema wurde, hat sie wie die anderen Ehrenamtlichen das Stück gelesen. „Das Mutige am Stück finde ich, dass die Kinder sich mit der Lebenswirklichkeit treffen“, sagt Dorothee Oesemann. Zusammen mit Angelika Beyer, Susanne Kanemeier, Ulrich Paulsen und Thomas Rehbein schaute sie sich im Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) während der Endproben das Stück an.

Immer ein Gespräch

Darin steht Schauspielerin Caroline Pischel als zehnjährige Jette auf der Bühne, die genau vor einem Jahr ihren Bruder verloren hat (Stückinhalt siehe Info-Kasten). Auch sie kennt die Wirkung von Theater als Opener, hat es mit einem anderen Klassenzimmerstück über häusliche Gewalt schon oft selbst erlebt. „Die Kinder waren danach bereit, sich zu öffnen. Es ist für uns immer schön zu sehen, dass wir mit dem Stück etwas erreichen konnten“, sagt die Schauspielerin. 45 Minuten wird sie Jettes Geschichte erzählen, danach haben die Schüler noch einmal 45 Minuten Zeit, um mit einem Theaterpädagogen und in diesem Fall einem oder einer Ehrenamtlichen vom Trauernetzwerk ins Gespräch zu kommen. Für die Zusammenarbeit ist Robert Grzywotz, Leiter der Theaterpädagogik am TdA, dankbar: „Wir sind froh, solche kompetenten Partner dabei zu haben, denn man weiß nie, was durch das Stück bei den Kindern aufbricht.“ Vielleicht werde auch in konkreten Fällen ein Einzelgespräch notwendig, das die Ehrenamtlichen, die zum Großteil auch im ambulanten Hospizdienst tätig sind, übernehmen könnten.

Nach mehreren Jahren Trauernetzwerk, auch mit Angeboten für die Trauerarbeit mit Kindern, „sind wir jetzt so kompetent zu sagen: ‚Wir begleiten dieses Stück in die Schulen‘“, nimmt Ulrich Paulsen den Faden auf.

Nicht nur TdA-Intendant Wolf E. Rahlfs freut sich auf und über die Zusammenarbeit, sondern auch seine Stellvertreterin und Leiterin des Jungen TdA, Cordula Jung. Sie inszeniert das Klassenzimmerstück, das hauptsächlich Grundschüler ab der dritten Klasse ansprechen soll, aber auch für Fünftklässler angeboten wird. „Bei aller Trauer ist das Stück auch eines voller Leben“, beschreibt sie „Schlafen Fische?“. Ihr gefällt daran vor allem, „wie unbefangen“ es Fragen zum Thema Tod und Sterben stellt. Eine Unbefangenheit, die es oft bei Erwachsenen nicht gibt. „Uns ist schon bewusst, dass einige Lehrer bei diesem Thema Berührungsängste haben“, sagt die Regisseurin und lädt zu einer Lehrerfortbildung ein.

Am Montag, 1. April 2019, gibt es eine kostenlose Lehrer­fortbildung. Sie beginnt um 17 Uhr im TPZ. Interessenten sollten sich wegen der begrenzten Platzzahl bei der Theaterpädagogik, Telefon 03931/63 57 03, E-Mail: theaterpaedagogik@tda-stendal.de, anmelden. Dort können sich auch Schulen melden, die am Stück interessiert sind.