Stendal l Die Mark Brandenburg hat ihn begeistert und zum Schreiben inspiriert, aber auch die alte Mark und deren Geschichten wie die über die Tangermünderin Grete Minde. Kurz gesagt: Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag 2019 gefeiert wird, verbindet – auch die beiden Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Darum hat sich der Landesverbandes Ost im Deutschen Bühnenverein entschieden, mit den elften Theatertagen der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt einen neuen, einen ungewöhnlichen Weg zu gehen.

Und der sieht so aus: Die Theatertage werden nicht wie bisher als Festival an einem der Mitgliedstheater veranstaltet, stattdessen geht es mit einer Gemeinschaftsproduktion hinaus zum Publikum, geht es auf Reise. Beteiligt sind die Neue Bühne Senftenberg, das Staatstheater Cottbus, das Hans-Otto-Theater Potsdam, das Theater der Altmark Stendal und das Kleist-Forum Frankfurt/Oder. Die Gesamtleitung hat das Eisenbahn- theater Das Letzte Kleinod. Das Projekt wird von den Ländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sowie vom Fonds Darstellende Kunst und der Stiftung Niedersachsen gefördert.

Historische Waggons werden zur Bühne

„Für das TdA ist Schauspieler Andreas Schulz in der Inszenierung dabei“, sagte Theatersprecherin Magdalena Burkhardt auf Nachfrage. Andreas Schulz gehört seit dieser Spielzeit zum festen Ensemble. Aufgeführt wird das Projekt „Souvenir 1870“ in und auf historischen Eisenbahnwaggons des „Ozeanblauen Zuges“, der am 28. und 29. August auf dem Stendaler Bahnhof Station macht.

Für das Publikum werden Tribünen aufgestellt, so die TdA-Sprecherin. Stendal ist während der Tour durch drei Bundesländer die einzige Station in Sachsen-Anhalt. Schon 2012 hatten sich Architekturstudenten damit beschäftigt, aus den alten Waggons verschiedene Veranstaltungsräume zu schaffen.

An Originalschauplätzen recherchiert

„Souvenir 1870“ nimmt das Publikum mit zu Theodor Fontanes Erlebnissen in der Kriegsgefangenschaft. Der Schriftsteller, der als Kriegsberichterstatter zwischen die Fronten des Deutsch-Französischen Krieges geraten war, wurde wegen Spionageverdachts verhaftet und von französischen Soldaten auf die Festung der Insel Oléron gebracht.

Mehrere Wochen lang lebte Fontane in den feuchten Kasematten an der stürmischen Atlantikküste und bangte um seine Zukunft. Um ihn herum starben Mitgefangene an Typhus, er selbst schwebte immer in der Gefahr, hingerichtet zu werden. In seinem Bericht „Kriegsgefangen: Erlebtes 1870“ brachte Fontane später seine Begegnungen mit Menschen und Landschaft zu Papier. Der Bericht erschien von Mitte Dezember 1870 bis Mitte Februar 1871 als Vorabdruck in der Vossischen Zeitung und anschließend als Buch.

150 Jahre später

Diesen Bericht haben Theatermacher nun, fast 150 Jahre später, als Grundlage genommen, um an Originalschauplätzen in Frankreich zu recherchieren und ein Stück zu erarbeiten, in dem Fontanes Erinnerungen mit dem Heute verknüpft werden. Die Fragen, um die es dabei geht: Hat Fontane vor Ort Spuren hinterlassen? Sind seine Beschreibungen heute noch in der Landschaft wiederzuerkennen? Wie ist es den Insulanern mit der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkrieges ergangen? Wie denken die Franzosen heute über die Deutschen?

Premiere hat „Souvenir 1870“ am 3. August in Senftenberg, danach geht es auf die Reise durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Am 8. September endet die Tournee in Geestenseth bei Cuxhaven.

Karten für die Aufführungen am Mittwoch, 28., und Donnerstag, 29. August, jeweils 20 Uhr, können telefonisch unter 03931/63 57 77, online oder an der Theaterkasse erworben werden. Hinweis: Während der Theaterferien (16.7. bis 15.8.) ist die Theaterkasse geschlossen. In diesem Zeitraum können Karten nur telefonisch oder online erworben werden.