Uchtdorf/Mahlpfuhl l In den vergangenen Wochen formierte sich der Widerstand gegen eine geplante Legehennenanlage zwischen Uchtdorf und Mahlpfuhl. Die Investoren, Axel Kahmann und Michel Allmrodt aus Schönwalde, wollen dort mit 40.000 Hühnern in Freilandhaltung Eier produzieren. Auf rund 19 Hektar Eigenland der Familie, ein Kilometer südlich von Mahlpfuhl und 1,6 Kilometer nordöstlich von Uchtdorf gelegen, soll eine Stallanlage in den Maßen 115 mal 37 Meter entstehen. 17,3 Hektar würden den Hennen als Auslauf zur Verfügung stehen. Nach eigenen Angaben möchte Kahmann als Hauptgesellschafter fungieren, weitere 20 Prozent halte ein Geschäftspartner aus dem Oldenburger Raum.

Der Altmark droht die Vieharmut

Mit ihrer Unterschrift machten viele Einwohner der angrenzenden Ortschaften deutlich, dass sie gegen das Projekt sind. Daraufhin stimmten der Hauptausschuss, der Bauausschuss und auch der Uchtdorfer Ortschaftsrat gegen das Vorhaben. Nach einem anfänglich positiven Votum, den Antrag der Schönwalder Landwirte weiter in den Gremien zu behandeln, sprach sich schließlich auch der Tangerhütter Ortschaftsrat dagegen aus.

Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Stendal, versteht die Welt nicht mehr. „In jedem Entwicklungsprogramm dieses Landkreises steht geschrieben, wir wollen die Regionalität weiter ausbauen, die Landwirte darin bestärken, Produkte herzustellen, die nachhaltig aus der Region für die Region bestimmt sind“, macht sie deutlich, dass sie diese ablehnende Haltung vor Ort nicht nachvollziehen kann. Mit Blick auf Michel Allmrodt (30) spricht sie von einem „jungen dynamischen Landwirt, der hier im Landkreis bleiben möchte“. Der studierte Landwirt sei zudem erfolgreich auf Youtube unterwegs. Bereits 90.000 Follower verfolgen seine Erklär-Videos, in denen er den Alltag als Ackerbauer dokumentiert. „Ein Influenzer, der damit seine Landwirtschaft sehr viel gläserner macht als viele andere, wird abgebügelt, weil er einen Hühnerstall bauen möchte“, wird Ramminger deutlich.

Den Vorwürfen, bei dem geplanten Projekt handele es sich um eine Anlage der Massentierhaltung, setzt die Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin Zahlen entgegen. 40.000 Hühner höre sich für den Laien zwar erst einmal viel an, genauer betrachtet sei dies aber nicht der Fall. 1,85 Kilogramm wiege die Durchschnittshenne. Umgerechnet in die branchenübliche Großvieheinheit würde diese Zahl Hühner der von nur 148 Rindern entsprechen. Nach der Milchkrise in den vergangenen Jahren seien wesentlich mehr Kühe aus dieser Region verschwunden, der Altmark drohe die Viehverarmung.

Meisten Hühnerfarmen sind viel größer

Auch verweist Ramminger auf Angaben des Geflügelverbandes. Die meisten Anlagen in Sachsen-Anhalt hätten Bestandsgrößen zwischen 260.000 und 450.000 Tieren. „Die 40 000 Stück von Kahmann/Allmrodt sind die Grenze, um noch wirtschaftlich zu sein“, so ihr Fazit.

Vor allem aber wollten sich die Investoren daran orientieren, was Verbraucher wollen. „Keine Käfighaltung, Hühner scharren in der Erde mit viel Auslauf und gutem Futter – Hammer-Idee, gute Umsetzung von der Regionalität der Eier bis zur Hühnerkotentsorgung in der Biogasanlage ohne große Lagerung im Freien“, lobt Ramminger und verweist auch auf Gutachten, die eine Geruchsbelästigung weitgehend ausschließen. „Man schafft Arbeitsplätze und bringt Steuern ins Land, handelt nach zertifizierten Kriterien zum Tierwohl“, führt sie weiter an.

Schließlich wird sie deutlich: „In einer so landwirtschaftlich geprägten Region wie der Altmark sollten wir die wenigen Macher nicht verprellen, sondern unterstützen, davon hängt die weitere Entwicklung unseres Landkreises auch ab. Dieser junge Mensch nimmt Geld in die Hand, um hier etwas aufzubauen und außer Steinen haben wir ihm nichts weiter entgegenzuschleudern. Wir wollen regional, aber nicht vor unserer Tür. Das nenne ich Heuchelei.“

Sollen Eier aus dem Ausland kommen?

„Ich kann nicht verstehen, dass sich so viele Bürger auflehnen“, meldet sich auch Helga Zielke, bis vor wenigen Tagen noch Vorsitzende des Stendaler Landseniorenvereins, zu Wort. Sie erinnert an einen Besuch der Landsenioren von solch einer Anlage vor sechs Jahren im Bio-Gut Vorderbollhagen: „Dort herrscht Zufriedenheit, obwohl die Badeorte Heiligendamm, Kühlungsborn und auch Bad Doberan in unmittelbarer Nähe liegen.“ Die Bürger sollten also nicht nach dem Motto „Ich bin erst mal dagegen“ handeln, sondern sich das Ganze „erst ansehen und dann auflehnen“, appelliert Zielke und mahnt: „Wenn in Zukunft nicht mehr genug Eier bei uns produziert werden, dann müssen diese im Ausland gekauft werden.“