Stendal (bb) l Mit zahlreichen gekonnten Schnitten entlang der Wirbelsäule eines Rehs bearbeitete der Experte Peter Oestereich vom Kompetenzzentrum Wolf in Iden am Mittwoch in Stendal einen Rehkadaver. Nach 20 Minuten steht für ihn fest. „Das ist mit aller größter Wahrscheinlichkeit kein Wolf gewesen, der das Tier getötet hat.“.

Reh starb an einem Genickbruch

Am Sonntag war in einem weitläufigen Garten in Stendal am Wiesenweg ein zerlegtes Reh gefunden worden. Der Experte stellt bei dem Tier einen Genickbruch fest, allerdings keine typischen Bissspuren am Hals. Ferner sind kaum Hämatome am Inneren des Fells zu entdecken, ein weiteres Indiz, dass es der Wolf wohl nicht gewesen sein kann.

Trotzdem nimmt er noch mehrere DNA-Proben. Wenngleich die Chance nach drei Tagen nur noch bei höchstens 30 Prozent liegt, dass über die DNA ein Wolf als „Täter“ identifiziert werden kann, wie Oestereich beschreibt.

Tier war schon sehr alt

„Rehe sind sehr scheu und laufen schnell mal irgendwo gegen oder hängen sich in Ästen auf“, sagt Andreas Berbig, der in Iden ebenfalls Wolfsexperte ist. Von daher kommt es bei einem Reh öfter einmal zu einem Genickbruch. Schon eine Katze könne ein Reh in Panik versetzen, so dass es bei der Flucht zu Tode kommt.

Bei dem Stendaler Fund stellte sich anhand des Gebisses für die Experten heraus, dass es ein recht altes Tier war. „Wer weiß, ob es den Winter überstanden hätte“, sagt Oestereich.

„Ich bin ja froh, dass es kein Wolf gewesen ist“, sagt Grundstücksbesitzerin Karin Nelius, bei der das tote Reh gefunden wurde. Trotzdem hat sie sich mittlerweile Infrarotkameras zugelegt, mit denen sie auch im Dunkeln Bewegungen von Wild aufnehmen kann.