Landtagswahl 2021

Ulrich Siegmund (AfD): Ein konservativer Mensch, der sein Land über alles liebt

Von Andreas König
Der Lieblingsplatz von AfD-Landtagskandidat Ulrich Siegmund aus Tangermünde ist das Elbufer in seiner Heimatstadt.
Der Lieblingsplatz von AfD-Landtagskandidat Ulrich Siegmund aus Tangermünde ist das Elbufer in seiner Heimatstadt. Foto: M. Lehmann

Tangermünde

Er hat Fans in ganz Deutschland. Die einen mögen seine Ansichten und seine Reden, andere heben auf sein Äußeres ab. Ulrich Siegmund hat zweifellos Ausstrahlung. Ein netter junger Mann, der für seine Wählerschaft nur das Beste will und von ihr im Gegenzug ihre Stimmen.

Liest man seine Kommentare zu politischen Ereignissen, wirkt die Wortwahl nicht mehr ganz so nett. „Die Linksfaschisten hatten in der Nacht wohl mal wieder Freigang“, heißt es zum Beispiel in einem Facebook-Post zu zerstörten AfD-Wahlplakaten in Tangermünde.

Markantes Blau und markige Sprüche

Ulrich Siegmund ist 30 Jahre alt, Unternehmer und stellvertretender Fraktionsvorsitzender AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die Wahlplakate zeigen das markante Blau und markige Sprüche. Neben den Bildern des Kandidaten fällt ein extragroßes Plakat mit dem Bild einer Frau auf, die eine OP-Maske trägt und eine Träne im Auge hat. „Freiheit statt Corona-Irrsinn“ lautet die Botschaft. Ulrich Siegmund steht hinter dieser Aussage. In seiner Partei gebe es keine Corona-Leugner, sondern nur Zweifel an den „staatlichen Zwangsmaßnahmen“. Konsequenterer Schutz der Risikogruppen würde seiner Ansicht nach schon völlig reichen.

Ulrich Siegmund ist seit seiner Jugend politisch aktiv. Er hat es zunächst in der CDU versucht, wurde da aber „relativ schnell kaltgestellt“, wie er sagt. 2014 trat er in die AfD ein, als die Partei noch vor allem als „eurokritisch“ galt. Die europäische Währung lehnt der Tangermünder bis heute ab. Er sei zu jener Zeit „dankbar“ gewesen, dass eine neue politische Kraft auf das politische Parkett strebte.

Ulrich Siegmund hat Groß- und Einzelhandelskaufmann gelernt und ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie absolviert. „Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr berufstätig“, sagt er stolz. Dass er noch immer an einer Firma beteiligt ist, die sich mit Vertrieb befasst, ist ihm genauso wichtig, wie er ungern darüber redet. „Die selbstständige Tätigkeit gibt mir die Gewissheit, nicht finanziell abhängig und wirklich nur meinem Gewissen verpflichtet zu sein“, sagt er.

Kandidat fordert Radwege für alle im Wahlkreis Genthin mit Tangermünde und Tangerhütte

Er fordert, die Fährverbindung Ferchland-Grieben wiederzubeleben. Schnelles Internet für alle, Radwege in jedem Dorf, medizinische Notfallversorgung oder ein Krankenhaus sowohl für Genthin als auch für Havelberg, so sieht sein Wahlkreis in fünf Jahren aus, wenn es nach Ulrich Siegmund ginge. Für den Wildpark Weißewarte verlangt er Finanzhilfen vergleichbar mit denen, die das Theater der Altmark erhält.

Die geplante Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in Stendal sei ein Beispiel dafür, wie das Land „Geld zum Fenster rausschmeißt“. Die Briefwahl hält Ulrich Siegmund auch in Pandemiezeiten nicht für die richtige Art, das Wahlrecht zu nutzen. „Der Stendaler Wahlskandal hat gezeigt, dass Betrug nicht ausgeschlossen ist“, sagt er. Er könne daher nur jeden auffordern, selbst zur Wahl zu gehen.

Ulrich Siegmund möchte von Flügelkämpfen innerhalb der AfD nichts wissen

Von Flügelkämpfen in der AfD und der Nähe zu Rechtsextremen will Ulrich Siegmund nichts wissen, das sei „medial hochgebauscht“ worden. Im Gegenteil, er hält die AfD für den „wahren Verfassungsschutz“ und sei nichts weiter als „ein konservativer Mensch, der sein Land liebt“. Kommentatoren in den sozialen Netzwerken sehen das scheinbar auch so, wobei die Gründe variieren. „Ufffffff, sorry, aber sieht so gut aus“, schwärmt eine Nutzerin. Ein anderer findet „Süßer Typ – falsche Partei“.

Ende April wurden Ulrich Siegmund und zwei Wahlhelfer beim Anbringen von Wahlplakaten angegriffen. Inzwischen sind die Verletzungen so gut wie verheilt.