Stendal l Könnte der Bioabfall, der Biomasse ist, nicht für die Biogas-Gewinnung genutzt werden? Diese Frage wurde von Arno Bausemer (AfD) während der jüngsten Kreistagssitzung ebenso gestellt wie von Karl-Heinz Ziebarth aus Seehausen in einem offenen Brief an Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und die Kreistagsmitglieder. Darüber hatte die Volksstimme am Dienstag (24. November) berichtet, die Antworten auf die über das Landratsamt an die ALS Abfall­entsorgungsgesellschaft mbH weitergeleiteten Fragen standen noch aus. Die kamen am Dienstag von Kreissprecherin Angela Vogel:

Wie sieht es mit einer alternativen Entsorgungsmöglichkeit des Bioabfalls aus?
„Im Rahmen der europaweiten verfahrensoffenen Ausschreibung ab 1. Juli 2020 gab es zwei Angebote mit offener Mietenkompostierung, bei der sich die Firma Wiese wirtschaftlich durchsetzen konnte. Der Vertrag läuft bis Mitte 2022 und kann dann um zwei beziehungsweise ein Jahr bis spätestens Mitte 2025 verlängert werden.“

Wieso wird diese Biomasse nicht dezentral den vorhandenen Biogasanlagen zugeführt?
„Die bestehenden landwirtschaftlichen Biogasanlagen sind nach Kenntnis des Landkreises in der Regel nicht dafür geeignet, Bioabfall aus der Biotonne mit zu entsorgen, da diese nicht über die vorgeschriebene Hygienisierungsstufen und auch nicht über die bei Haushaltsabfällen erforderliche Störstoff-Entfrachtung verfügen (A.d.Red: Es geht dabei um das Heraussuchen von Fremdstoffen, zum Beispiel mit Sieben). Nicht zuletzt könnte der Landkreis beziehungsweise die ALS nicht ohne Weiteres den bestehenden Entsorgungsvertrag zur Bioabfallverwertung abbrechen.“

Wäre es für die ALS/den Landkreis eine Überlegung wert, selbst in eine Biogasanlage zu investieren, um perspektivisch so den Bioabfall zu verwerten und damit Energie zu gewinnen?
„Die Möglichkeiten zur hochwertigen Verwertung von Bioabfällen aus der Biotonne sind im Rahmen der Erarbeitung des Abfallwirtschaftskonzeptes zu beleuchten und verfahrensoffen zu diskutieren.“

Herr Galster, Sie als Geschäftsführer der ALS haben ausgeführt, „neue Wege gehen zu wollen“, wer hielt Sie jahrelang davon ab, sollte das nicht Ihr Job sein?
„Die ALS ist Erfüllungsgehilfe im Auftrag des Landkreises. Da die überwiegende Zahl der Leistungen durch Drittbeauftragte im Rahmen langfristiger Verträge erbracht werden, sind neue Wege im Sinne des abfallwirtschaftlichen Leistungsrahmens nur verzögert zu gehen. Im Übrigen fühle sich Herr Galster nicht davon abgehalten und betreibe eine stete Evaluierung und Erneuerung der internen Prozesse.“

Als zuständiger Fachausschuss wollte sich der Ausschuss für Ordnung, Umwelt und Landschaftsschutz am Dienstag noch einmal ausführlich mit der neuen Abfallentsorgungs- und der Abfallgebührensatzung beschäftigen. Die Sitzung wurde im Laufe des Tages kurzfristig abgesagt. Als neuer Termin ist nun der kommende Dienstag, 1. Dezember, vorgesehen. Beginn: 16 Uhr. Ort: Sitzungsraum „Arneburg“ in der Außenstelle der Kreisverwaltung in der Arnimer Straße 1-4.