Stendal l „Für uns geht ein Wunschtraum in Erfüllung“, sagt Robert Grzywotz und sagt es auch für Benjamin Ulrich mit. Der hatte vor drei, vier Jahren im Gespräch eben jenen Wunsch geäußert: „Lass uns doch gemeinsam mal etwas Eigenes schreiben.“ Ein eigenes Musical für den Jugendklub, den der Theaterpädagoge Grzywotz betreut und der in den vergangenen Jahren bekannte Stücke wie „Rent“ und „Whistle down the wind“ auf die Bühne gebracht hat. Mit Unterstützung von Musikern der Stendaler Musik- und Kunstschule, an der Benjamin Ulrich unterrichtet und deren Big Band er leitet.

„Bei mir hat es nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht“, blickt Robert Grzywotz auf das Gespräch von damals zurück. Für ihn und Benjamin Ulrich war von Anfang an klar: „Das Augenmerk muss darauf gerichtet sein, das Musical auf die Jugendlichen anzupassen.“ Jugendliche sollen nicht nur auf der Bühne, sondern im Mittelpunkt der Handlung stehen. Kurz gesagt: Jugendliche sollen Jugendliche spielen.

Am Buch und an der Musik wird noch gearbeitet

Nach Ende der Spielzeit 2018/19 war die Zeit für das Projekt ganz günstig, denn wegen Roberts mehrmonatiger Elternzeit und der energetischen TdA-Sanierung, die die Jugendklub-Arbeit räumlich sehr einschränkt, war ohnehin eine Pause geplant. „Darum haben wir gesagt: ‚Jetzt nehmen wir Anlauf für etwas Eigenes‘“, so der Theaterpädagoge.

Benjamin Ulrich schreibt die Musik, das Buch kommt von Autor, Dramaturg, Regisseur und Kameramann Holger Metzner. Einen ersten Kontakt hatte es vor Jahren schon beim TdA-Projekt „Traumzeit“ gegeben. Bei der Abschlussveranstaltung leitete Holger Metzner einen Workshop. Robert Grzywotz ist mit ihm im privaten Kontakt geblieben, wegen der Zusammenarbeit ist der Kontakt jetzt intensiver.

Eigenes Stück für Musical-Jugendklub

Die Idee, einen Klassiker zu adaptieren, wurde schnell verworfen. „Es ist nicht so einfach, den Stoff auf Jugendliche und deren Spiel anzupassen“, erklärt der Theaterpädagoge, der von der Stendaler „Kunstplatte“ und von TdA-Jugendklubs eine lange Inszenierungserfahrung hat. Darum wurde entschieden, „einen professionellen Autor ins Boot zu holen“. Mit ihm gemeinsam haben Benjamin Ulrich und Robert Grzywotz die Story entwickelt.

Und darum soll es gehen: Jugendliche stellen das Showensemble auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Generalprobe läuft, als plötzlich der Strom ausfällt. Es gibt einen Riesenkrach (eine Explosion?), die Brandschutztüren schließen sich, der Probenraum wird zum Gefängnis. „Und nun haben wir eine Problemsituation, die jungen Leute sind auf sich allein gestellt, und es stellt sich die spannende Frage: Wie gehen sie damit um?“, fasst Robert Grzywotz die Ausgangssituation zusammen.

Das Stück handelt von Musical-Jugendklub

Im Laufe des Musicals lernen die Zuschauer die einzelnen Ensemblemitglieder kennen, ihre Biografien und ihre Motivation, auf ein Schiff und ins Showensemble zu gehen. Und die Zuschauer erleben mit, wie diese Ausnahmesituation gemeistert wird. Dann zum Beispiel, wenn der Handyempfang gestört ist oder die bange Frage aufkommt, wie lange der Akku noch hält. Das allgegenwärtige Handy sei „ein sehr schönes Thema für den Autoren und Komponisten“, sagt Robert Grzywotz.

Ohne zu viel verraten zu wollen, fasst er den Stoff so zusammen: „Es geht schon richtig dramatisch zu.“ Die Detailarbeit am Buch läuft noch, auch an der Musik wird noch gearbeitet, es gibt regelmäßig einen Austausch. Dennoch starten schon bald die Proben. Am kommenden Dienstag, 22. September, findet ein Casting statt (siehe Infokasten). Denn für den Jugendklub Musical werden weitere Mitglieder gesucht.

"Alte Hasen“ bleiben weiter an Bord

Einige der „Alten“ werden trotz Ausbildungs- oder Studienbeginn weiter an Bord bleiben, andere sind ausgeschieden. „Durch die Pause fehlt uns ein Jahrgang“, schätzt Robert Grzywotz ein. Er hofft auf möglichst viele Interessenten, denn für die Musicalproduktion wünscht er sich ein Ensemble von etwa 20 Mitwirkenden. Die werden dann live vom Sinn-Phonie-Orchester der Musik- und Kunstschule begleitet.

Robert Grzywotz freut sich auf das Projekt: „Dass man eine Welturaufführung machen darf, ist schon ein Geschenk.“ Und es ist für ihn eine ganz neue Erfahrung, dass man sich im Vorfeld zur Vorbereitung keine CD, kein Video oder eine andere Inszenierung des Stoffes anschauen kann, sondern kreativ etwas ganz Neues schaffen kann.