Stendal l Pünktlich zwölf Minuten nach der vollen Stunde fährt die RB 35 nach Wolfsburg im Bahnhof Möringen ein. Allerdings steigt niemand aus, der zum anstehenden Verkauf des Bahnhofsgebäudes befragt werden könnte. Lediglich eine Anwohnerin erzählt während ihres täglichen Spaziergangs davon, dass im Bahnhof früher einmal zwei Familien lebten und dass das Gebäude schon hier stand, als sie vor 70 Jahren geboren wurde.

Kein Denkmalschutz

Die Versteigerung des seit vielen Jahren leerstehenden Bahnhofsgebäudes im Stendaler Ortsteil wird von der Sächsischen Grundstücksauktionen AG durchgeführt. Deren Pressestelle erklärt auf Nachfrage, dass trotz des offensichtlichen Alters des Gebäudes dieses dennoch nicht unter Denkmalschutz steht, sodass den zukünftigen Besitzern in Hinsicht auf die weitere Nutzung sowie eventuelle Umbauten alle Türen offen stehen.

Interessierte können am 29. November um 11 Uhr im Hotel Leipzig Messe ab 1000 Euro mitbieten. Angesichts des jetzigen Zustands des Bahnhofs, sollte man jedoch eine weitaus dickere Brieftasche mitbringen, denn die ohnehin fällige Renovierung wird sicherlich kein Schnäppchen.

Komplettsanierung fällig

Dabei hat der Backsteinbau mit seinen etwa 310 Quadratmetern Nutzfläche durchaus Potenzial. Allerdings müsste dazu eine Komplettsanierung durchgeführt werden, denn nicht nur das Dach ist undicht, auch das Mauerwerk weist Schäden auf, und die Spuren von Vandalismus sind unverkennbar. Gerade die vielen Graffiti, aber auch Spuren von zerbrochenem Glas zeugen davon, dass das Bahnhofsgebäude in den letzten Jahren immer mehr zu einem Jugendtreffpunkt geworden ist, der allerdings auch schon mehrmals von der Polizei aufgelöst wurde. Auch unter sogenannten „Urbexern“, den Erkundern verlassener Gebäude, ist der Bahnhof eine bekannte und populäre Adresse.

Haltestelle Möringen bleibt

Fest steht aber, dass die bisherige Bahnstrecke fortbestehen wird, sodass die zukünftigen Eigentümer nicht nur mit einer Haltestelle direkt vor ihrer Haustür leben müssen, sondern darüber hinaus auch die in regelmäßigen Abständen durchfahrenden Güterzüge und ICE in ihre Pläne mit einbeziehen sollten. Dafür hat man dann aber auch eine exzellente Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel.