„Stendal-Süd“ im niedersächsischen Delmenhorst

Wer in den vergangenen Wochen Medienberichte über den sogenannten Wollepark im niedersächsischen Delmenhorst verfolgte, rieb sich verwundert die Augen und musste konstatieren: „Da läuft es ja keinen Deut anders, als in Stendal.“

In Delmenhorst geht es um zwei riesige Wohnblöcke mit insgesamt 350 Wohnungen. Nachdem bis Ende April 2017 bei den Stadtwerken rund 130 000 Euro offene Rechnungen für Gas und Wasser aufgelaufen waren, knipsten die Stadtwerke wegen der Zahlungsrückstände die Versorgung zunächst mit Gas ab, Wasser soll folgen. In Stendal ging es 2014 bei der Zahl der Mieter und auch der offenen Forderungen bei den Stadtwerken um ähnliche Größenordnungen. Im Fall Delmenhorst hat das Landgericht Oldenburg mittlerweile die Rechtmäßigkeit der Versorgungsunterbrechung bestätigt.

Mittlerweile hilft die Diakonie den Bewohnern, die zumeist die Miete vom Jobcenter bezahlt bekommen, bei der Suche nach neuen Wohnungen. Die Eigentümergemeinschaft lässt sich von den Forderungen nicht beeindrucken. Wenn es nach der Stadt geht, sollen beide Wohnblocks möglichst bald abgerissen werden. Fünf städtische Häuser und eine Parkgarage sollen bis September abgerissen werden.

Stendal l Im Hintergrund der Zwangsversteigerung von vier leerstehenden Wohnblocks in Stendal-Süd gibt es noch einige Ränkespielchen. Es sind die letzten Zuckungen, um mit den runtergekommenen Immobilien noch Geld zu machen.

So ist in der vergangenen Woche Muharrem Erdogdu auf den Plan getreten, der im Namen der Raks AG für sich reklamiert, die Blocks bereits im Jahre 2012 erworben zu haben. Er werde die Zwangsversteigerung noch stoppen, teilte Erdogdu in einem Schreiben an die Volksstimme mit.

Das Stendaler Amtsgericht, das auf Antrag von Stadt Stendal und Landkreis die Zwangsversteigerung betreibt, bestätigt, dass sich jemand ans Gericht gewandt habe, der Eigentumsansprüche geltend macht.

Stendal Süd: Ein Stadtteil verfällt

Stendal (dly/bb) Nicht zum ersten Mal kommen Wohnblöcke in Stendal-Süd unter den Hammer. Wird mit einem neuerlichen Verkauf eine weitere Episode in der unendlichen Geschichte angehängt? Oder verschwinden nun endgültig die letzten Blöcke des ehemaligen DDR-Vorzeige-Wohngebietes?

  • Tristesse in Süd: Offiziell wohnt hier niemand mehr in Stendal-Süd, es soll aber noch den ein oder anderen geben, der in den Wohnblöcken ausharrt. Archivfoto: Susanne Moritz

    Tristesse in Süd: Offiziell wohnt hier niemand mehr in Stendal-Süd, es soll aber noch d...

  • Der Stendaler Stadtteil Süd wird gebaut. Das Bild entstand zirka 1986/1987. Bildquelle: Stadtarchiv Stendal

    Der Stendaler Stadtteil Süd wird gebaut. Das Bild entstand zirka 1986/1987. Bildquelle: Stad...

  • Der Stendaler Stadtteil Süd wird gebaut. Das Bild entstand zirka 1986/1987. Bildquelle: Stadtarchiv Stendal

    Der Stendaler Stadtteil Süd wird gebaut. Das Bild entstand zirka 1986/1987. Bildquelle: Stad...

  • Karola Neu steht 1988 mit ihrem jüngsten Sohn Jens in der Hanseallee. In diesem Jahr wird Jens eingeschult. Im Hintergrund ist seine Schule

    Karola Neu steht 1988 mit ihrem jüngsten Sohn Jens in der Hanseallee. In diesem Jahr wird Je...

  • Karl-Heinz Kersten, der aus Stendal nach Bernburg gezogen ist, hat von seinem Balkon aus die Fortschritte des Bau des neuen Stadtviertels Stendal Süd 1988/89 fotografiert. Bildquelle: Privatarchiv Karl-Heinz Kersten

    Karl-Heinz Kersten, der aus Stendal nach Bernburg gezogen ist, hat von seinem Balkon aus die Fort...

  • Karl-Heinz Kersten hat von seinem Balkon aus die Fortschritte des Bau des neuen Stadtviertels Stendal Süd 1988/89 fotografiert. Bildquelle: Privatarchiv Karl-Heinz Kersten

    Karl-Heinz Kersten hat von seinem Balkon aus die Fortschritte des Bau des neuen Stadtviertels Ste...

  • Auf den Wiesen vor den Blöcken haben die Menschen zusammen gefeiert. Das Bild entstand Anfang der Neunziger Jahre. Bildquelle: Privatarchiv Nadine Lazik

    Auf den Wiesen vor den Blöcken haben die Menschen zusammen gefeiert. Das Bild entstand Anfan...

  • Taylor Jerome hat in Stendal Süd gewohnt. Er steht als Kind (1990) auf dem Balkon und schaut auf die damalige Heinrich-Rau-Straße, die gerade am Entstehen ist. Bildquelle: Privatarchiv Taylor Jerome

    Taylor Jerome hat in Stendal Süd gewohnt. Er steht als Kind (1990) auf dem Balkon und schaut...

  • Die ehemalige Grundschule Astrid Lindgren ist bereits abgerissen worden. Bildquelle: Privatarchiv: Nadine Lazik

    Die ehemalige Grundschule Astrid Lindgren ist bereits abgerissen worden. Bildquelle: Privatarchiv...

  • Einkaufen in Stendals Stadtteil Süd: Für zwei Millionen Euro sind die einzigen, noch bewohnten Blöcke, wie hier der in der Lemgoer Straße, unter den Hammer gekommen. Archivfoto: Susanne Moritz

    Einkaufen in Stendals Stadtteil Süd: Für zwei Millionen Euro sind die einzigen, noch be...

  • Plattenabriss Süd, gleich wenn man die Hanseallee reinfährt links (2010). Archivfoto: Susanne Moritz

    Plattenabriss Süd, gleich wenn man die Hanseallee reinfährt links (2010). Archivfoto: S...

  • Leergezogene Wohnblöcke in Stendal-Süd (2015). Archivfoto: Bernd-Volker Brahms

    Leergezogene Wohnblöcke in Stendal-Süd (2015). Archivfoto: Bernd-Volker Brahms

Am Donnerstag wird Ergebnis verkündet

„Derjenige ist nicht im Grundbuch eingetragen, insofern ist das nicht relevant“, sagt Gerichtssprecherin Stefanie Hüttermann. Es werde am Donnerstag (9 Uhr, Amtsgericht, Saal 112) eine Entscheidung zum Versteigerungstermin am 18. Mai geben. Eine Firma aus Bayern hat 1,025 Millionen Euro für vier Wohnblocks in der Hanseallee und der Bremer Straße geboten.

Die Raks AG ist in Stendal nicht unbekannt. Jahrelang fungierte die Firma aus Frankfurt/M. als Verwalterin der privaten Wohnblocks in Stendal-Süd. Sie wickelte auch die Versorgung über die Stadtwerke mit Strom, Gas und Wasser ab. Nachdem jedoch bei den Stadtwerken massive Außenstände aufgelaufen waren, weil die Raks AG die Rechnungen nicht bezahlte, wurde im Sommer 2014 die Versorgung eingestellt. Innerhalb weniger Wochen zogen fast alle Mieter aus den Wohnungen aus.

Dass auch jetzt noch einmal die Raks AG auf den Plan tritt und Ansprüche stellt, passt in die Entwicklungen der vergangenen Jahre, als die Eigentumsverhältnisse nie ganz klar waren und mehrere Zwangsversteigerungstermine platzten.

Im Jahre 2009 hatten Nasir Mustafazada und der im Jahre 2011 verstorbene Sadik Evren aus eine Zwangsversteigerung insgesamt sechs Blöcke für 2,9 Millionen Mark erworben. Laut Stendaler Gericht haben sie die Summe allerdings nie voll bezahlt. Von daher ist die jetzt angesetzte Zwangsversteigerung eine Wiederversteigerung.

Nach Angaben von Muharrem Erdogdu von der Raks AG habe er die Geschäftsführer der Firma Triplo 57 GmbH aus Bayern erst auf die Objekte in Stendal aufmerksam gemacht. Diese haben vor zwei Wochen 1,025 Millionen Euro geboten und möchten die Wohnungen in Stendal-Süd für sozialschwache Mieter wiederbeleben.

Erdogdu erhebt auch Anspruch auf Hypothek

Raks-Geschäftsführer Erdogdu, der sein Schreiben an das Amtsgericht Stendal mit „Mit freundlichen Grüßen aus Istanbul“ unterschrieben hat, behauptet weiterhin und legt der Volksstimme ein Dokument vor, dass am 23. Mai 2017 eine Sicherungshypothek über rund 2,22 Millionen Euro von der Öncer Grundstücks GmbH auf die Raks AG übertragen wurde. Die Hypothek gehörte einst der Versicherung Delta-Loyd.

An Grundschuld sind rund fünf Millionen Euro auf die jetzt zu versteigernden Grundstücke eingetragen. Die berechtigten Forderungen hatte das Gericht auf 244.717,91 Euro festgelegt, diese sind vorrangig zu bedienen.